Klaus Ungerer

Der Autor war Redakteur im Feuilleton der "FAZ" und bei der Spiegel-Online-Satirerubrik "SPAM", sowie Textchef des "Freitag". Er hat Romane, Erzählungen, Lyrik und Sachbücher veröffentlicht, darunter das religionskritische "Gott go home! Friede auf Erden gibt es nur ohne Religion". 

Artikel des Autoren

Die Prophetin vor der Schrankwand

Ein bisschen Respekt darf man ja schon wohl noch erwarten, so als allerhöchstes Wesen, das sich die Welt ausgedacht hat inklusive aller Menschen, Tiere, Pflanzen, Wirbelstürme, Donnerwetter, Viren, Krankheiten, Parasitenbefälle, aller Schulterpolster, Arschgeweihe, Flipflops und pinken Perücken, aller Völkermorde, Meteoriteneinschläge und Weltkriege, als Schöpfer von Armin Lanz und Markus Laschet und Schalke 04.

Liebe Passagiere! Begegnen Sie jetzt Ihrem Schöpfer...

In einem vollbesetzten Flugzeug-Innenraum sitzt ja immer auch die Angst. All die fremden Menschen, die Enge, die Ausweglosigkeit, die komplett unnatürliche Fortbewegungsart. Zur tief sitzenden Furcht vor dem Absturz ist seit 9/11 verstärkt diejenige vor Entführungen und Anschlägen gekommen, und so ist mancher Mensch heilfroh, wenn er die Sardinenbüchse verlassen kann, die ihn und den ein oder anderen Mitreisenden im eigenen Angstschweiß gut durchgesotten hat. Wenn dann aber noch jemand anfängt, von seinem Gott zu erzählen...

Gott ist Rührei: Wie Rundfunkgebühren zu Predigten werden

Gott ist wie Sand. Das habe ich jetzt beim Hessischen Rundfunk erfahren. Neben einigen anderen Verkündigungsformaten hält der öffentlich-rechtliche Sender sich auch einen christlichen Podcast, der den packenden Titel "Übrigens..." trägt, und wir sind sicher, dass auch die Schiiten, Sunniten und Sikhs und Hindus, die Drusen und die Sufis, die Zarathustrer und Zaiditen und überhaupt alle Religionen Deutschlands ebenso zu Wort kommen, wenn es, wie bei "Übrigens...", etwa die Folgen des Klimawandels oder den Tod von Michael Ballacks Sohn zu kommentieren gilt.

Manneken Pis

Glaube, Pinkeln und Gewalt

Soweit wir wissen, ist der Mensch das einzige Tier, das überwiegend in einer eingebildeten, symbolischen Welt lebt. Alle anderen Tiere haben in erster Linie mit realen Gegebenheiten zu tun: Schutz vor Räubern, Schutz vor den physikalischen Einwirkungen der Natur, Futtersuche. Der Mensch hat sich im Laufe seiner Kulturgeschichte von vielen dieser Zwänge relativ weit abgenabelt - und ist entsprechend beleidigt, wenn die Natur ihn hin und wieder an seine basale Ausgeliefertheit erinnert, etwa durch eine Pandemie.

Papst Franziskus

Schwierig! Papst warnt vor Eigennutz bei der Gott-Verehrung

Man soll Gott nicht aus Eigennutz suchen. Das hat jüngst der Vorstandsvorsitzende der Vatikan AG, Herr Jorge Mario Bergoglio, mitgeteilt. Man soll Gott vielmehr einfach so suchen, und während man ihn (das allmächtige, allgegenwärtige Wesen) also überall sucht, soll man sich vor allem fragen: WARUM man ihn sucht. Viele Menschen, so teilt Bergoglio laut Vatican News mit, suchten den Gott nämlich bloß, weil sie an ihren Vorteil denken!

Da geht noch was, religiöse Twitter-Bots!

Ist da wer? Da oben im Himmel? Wacht da einer über uns und all die anderen Schäfchen und Wölklein und all die anderen Grilliarden von Planeten? Und wenn es ihn gibt und er aber aus einer halb beleidigten Form von Eitelkeit heraus beschlossen hat, für immer stumm und für uns unsichtbar zu sein, wie kriege ich dann heraus, was er von mir will?

Symbolbild

Fußball im TV: Was für ein Mensch filmt weinende Mädchen?

Erst hat Deutschland kacke gespielt. Dann hat ein deutsches Mädchen auf der Tribüne geweint. Dann hat ein Kameramann das weinende Mädchen für ein tolles Motiv gehalten. Dann hat eine Fernsehregie sich über das tolle Motiv des Kameramanns gefreut. Dann haben die Menschen im Stadion und hat die Welt das weinende Mädchen gesehen. Dann brach der Hass bösartiger britischer Fans auf das kleine weinende Mädchen los. Dann schämte sich ein Mann aus Wales für seine Landsleute und fing an, Geld für das kleine Mädchen zu sammeln, als Entschädigung.

Biblischer Homohass verpflichtet: Vatikan will italienisches Toleranzgesetz stoppen

Wenn ein Mann mit einem anderen Mann schläft, soll er getötet werden. Basta. Leviticus 20, 13. Das ist keine Meinung, das ist keine Ansicht, das ist kein Diskussionspapier. Es ist der Wille der Gottheit. Es steht so in dem heiligen Buch, dessen Buchstaben die Gottheit haarfein den Autoren eingegeben hat, derweil sie offenbar unfähig ist, bestimmte sexuelle Neigungen, die sie blöd findet, zu unterbinden.