Würdigung
Frankfurt ehrt Fritz Bauer
Foto: pixabay.com, gemeinfrei
Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer setzte sich wie kein anderer für die Strafverfolgung von NS-Verbrechern und eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust ein. Seit gestern trägt der große Saal im Frankfurter Saalbau Gallus seinen Namen.
Vor 54 Jahren fand im Frankfurter Saalbau Gallus der erste Auschwitz-Prozess statt, bei dem 21 SS-Männer und ein Funktionshäftling für ihre Taten angeklagt waren. Im Verlauf der Verhandlung sagten 360 Zeugen aus – davon 211 Überlebende aus Auschwitz, die zum Teil erstmalig über ihre grauenhaften Erlebnisse berichteten. Dass der Prozess überhaupt zustande kam, war dem hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zu verdanken, der sich trotz massiver Widerstände für eine juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen einsetzte und so die deutsche Nachkriegsgesellschaft mit dem Völkermord konfrontierte.
Für seinen unermüdlichen Aufklärungswillen wurde Bauer nun in Frankfurt gewürdigt. Der große Saal im Saalbau Gallus wurde am gestrigen Donnerstag im Rahmen einer Feierstunde nach ihm benannt. "Wir würdigen heute mit Fritz Bauer einen großen Juristen, der gegen viele Widerstände durchgesetzt hat, dass an diesem Ort die Täter von Auschwitz erstmals für ihre Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus zur Rechenschaft gezogen wurden", erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der Enthüllung des neuen Schriftzuges. "Der Name Fritz Bauers ist untrennbar mit der Aufarbeitung des Holocausts und der deutschen NS-Vergangenheit verknüpft, daran wollen wir hier dauerhaft erinnern".
Vor 55 Jahren hat der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess im Großen Saal im Saalbau Gallus stattgefunden. Nun wurde der Saal zu Ehren des damaligen hessischen Generalstaatsanwalts und Initiators des Prozesses in Fritz-Bauer-Saal umbenannt.https://t.co/vPuCkJlw4S pic.twitter.com/ZbhSBiewOt
— Journal Frankfurt (@journalffm) 7. März 2019
Angeregt wurde die Würdigung durch den Frankfurter Architekten Danny Alexander Lettkemann. Im Juli vergangenen Jahres schlug er im Zuge des Gedenkens an den 50. Todestag Bauers die Benennung des großen Saals in "Fritz-Bauer-Saal" vor.
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"... wurde Bauer nun in
"... wurde Bauer nun in Frankfurt gewürdigt" - das war schon lange überfällig.
Eine Fritz-Bauer-Straße gibt
Eine Fritz-Bauer-Straße gibt es seit ein paar Jahren in einem Frankfurter Neubaugebiet - als eine kleine Parallelstraße einer nach dem in Anbetracht des Untergangs "reuigen" von Stauffenberg benannten Allee...
Damit hat Frankfurt ein gutes
Damit hat Frankfurt ein gutes Stück Vergangenheitsbewältigung geschaffen. Chapeau!
Fritz Bauer wurde bereits
Fritz Bauer wurde bereits 1993 durch zwei Gedenkveranstaltunge, 1995 durch die Gründung des Fritz Bauer Instituts geehrt. Auch ein erster Dokumentarfilm über Bauer von David Wittenberg wurde 1995 ausgestrahlt. Seit seiner Gründung pflegt das Fritz Bauer Indtitut Werk und Erbe Bauers. Publikationen, Veranstaltungen, Tagungen, Gedenkfeiern stellen dies unter Beweis.
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Zum schnell während einer Zugfahrt ins Handy getippten Kommentar eine Ergänzung:
Wie erwähnt wurde Fritz Bauers erst 25 Jahre nach seinem frühen Tod gedacht. Die beiden Gedenkveranstaltungen des Jahres 1993 waren jedoch bedeutsam und verdienstvoll, brachen sie doch das Schweigen über das Wirken des großen Justizjuristen. Seit der Gründung des Fritz Bauer Instituts im Jahr 1995 nimmt die wissenschaftliche Beschäftigung und kritische Auseinandersetzung mit Bauer erhebliche Intensität auf. 1998 erschien ein Band mit ausgewählten Schriften Bauers, 2001 veröffentlichte Matthias Meusch seine grundlegende Dissertation über Bauer, 2006 Claudia Fröhlich ihre Arbeit über Bauers Widerstandsbergiff. In den Jahren danach wurde Bauers Wirken durch Darstellungen zu den geplanten Prozessen gegen "Euthanasie"-Ärzte, dem gescheiterten Verfahren gegen NS-Juristen sowie durch Dokumentationen und Ausstellungen zum Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965) hervorgehoben. Im Rahmen des 1997 begonnenen Forschungsprojekts erschien 2009 die Biografie von Irmtrud Wojak. Seit 2010, durchaus angeregt durch den Dokumentarfilm "Fritz Bauer - Tod auf Raten" (Ilona Ziok, D 2010), wurden Spielfilme, Dokumentarfilme, die Biografie von Ronen Steinke und weitere Publikation über Bauer veröffentlicht. Wer sich über Bauer und sein Wirken kundig machen wollte, hatte dazu seit gut 20 Jahren viele Möglichkeiten.
Die Ehrung in Form von Benennungen von Schulen, Straßen, Plätzen, Arbeitszimmern und Sälen nach Bauer, das Anbringen von Gedenktafeln etc. ist hinsichtlich einer breiten Öffentlichkeitswirksamkeit durchaus wichtig. Diese Form des Gedenkens und Erinnerns sollte aber die Beschäftigung mit seinem Werk nicht ersetzen. Die kürzlich erfolgte Edition von Fritz Bauers "Kleinen Schriften" (2 Bände, rund 1800 Seiten) gibt Gelegenheit, sich ernsthaft und gründlich mit Bauer zu befassen.