Impfen

Kuschel-Masern gibt es nicht

Weltweit ist die Zahl der Maserninfektionen um 30 Prozent gestiegen. Die Masern gehören auch in Deutschland ausgerottet – und es wäre so einfach. Was hält uns auf? Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt als Grund Nachlässigkeit und Fehlinformationen über Impfungen.

Die Wohlfühl-Mythen der Impfkritik

Es ist wieder Grippezeit. Und wie jedes Jahr haben nicht nur die Viren, sondern auch die Mythen rund um die Grippeimpfung Hochsaison: "Ich lass mich nicht impfen, davon wird man doch erst recht krank", "Der Grippe-Impfstoff letztes Jahr, der war ja so schlecht, da wurde doch absichtlich gepfuscht" oder "Da gab's grad wieder einen Riesenskandal, besser, man lässt die Finger von allem, was Big Pharma uns aus Profitgier andrehen will". So hört man es überall, vom Kindergarten bis zum ärztlichen Wartezimmer.

"Eigenverantwortliche Impfentscheidung" – wirklich?

Impfgegnerschaft und Impfskepsis (wobei letzteres meist nur ein Euphemismus für das erstere ist) treten sehr unterschiedlich auf. Da gibt es die "Hardcore-Impfgegnerschaft", die die geplante Ausrottung der Menschheit per Vakzine "enthüllt", angebliche "Impfschäden", die keine sind, auf einschlägigen Horror-Webseiten "sammelt", Viren und Bakterien als Krankheitserreger vielfach glattweg leugnet und Öffentlichkeitsarbeit inzwischen dadurch betreibt, dass ihre Vordenker sich mit Fernsehteams prügeln.

"Eingeimpft" – Wie ein Film Ängste schürt

Die Story geht unter die Haut, die Charaktere wie aus dem Leben gegriffen, der Titel ist Programm: Im Dokumentarfilm "Eingeimpft" (D 2017) erzählt Regisseur David Sieveking von einem jungen Elternpaar vor der Entscheidung, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen. Doch Fachleute befürchten, dass der 90-Minuten-Streifen gerade das bewirkt, wovor er schützen möchte: Er schürt bei jungen Eltern unsinnige Ängste und beschwört ernste Gefahren für die Gesundheit von Kindern herauf.

Screenshot aus dem Lancet mit dem berühmten "RETRACTED"-Vermerk auf der Wakefield-Veröffentlichung

Jahrestag einer Lüge

Der 28. Februar 1998 – heute vor 20 Jahren – ist in die Medizingeschichte eingegangen als der Beginn einer der größten Medizinskandale überhaupt. An diesem Tag hatte "The Lancet" die Studie eines gewissen Andrew Wakefield veröffentlicht, die bis heute die Impfgegnerszene beflügelt, Eltern verunsichert, Verantwortlichen für das Impfwesen die Haare zu Berge stehen lässt und Wakefield selbst nach wie vor einen höchst zweifelhaften Ruhm verschafft, den er zum eigenen Vorteil auszuschlachten versteht. Darüber hinaus hat die "Autismus-Lüge", wie diese Geschichte durchweg in der Fachwelt genannt wird, zweifellos ihren Anteil an der beklagenswerten Wissenschaftsfeindlichkeit, die leider derzeit den Zeitgeist beherrscht.

Schluckimpfung im Kindergarten 1960

Impfen hilft!

Der Polio-Tag am 28.10. eines jeden Jahres ist ein Tag der Erinnerung an die Zeiten, in denen die Kinderlähmung noch eine ganz konkrete Bedrohung, ein Gespenst für Eltern und Kinder war. Der Tag wurde gewählt zu Ehren von Jonas Salk, geboren am 28. Oktober 1914, dem Entwickler des ersten Polio-Impfstoffs. Das war ein Totimpfstoff, der per Injektion verabreicht wurde. Die spätere – als so angenehm empfundene – Schluckimpfung (Sabin-Methode), die bei der Einführung der Polioimpfung in Deutschland zum Einsatz kam, war dagegen ein Lebendimpfstoff, der damals noch deutlich höhere Komplikationsrisiken barg. Heute wird durchweg mit weiterentwickelten Totimpfstoffen gearbeitet.