Notizen aus Polen

Patrioten oder Nationalisten?

Die liberale Bürgermeisterin von Warschau hatte zuerst den diesjährigen Aufmarsch wegen Sicherheitsbedenken verbieten lassen. Die seit 2009 den Unabhängigkeitsmarsch organisierenden Nationalisten kündigten an, sie werden das Verbot ignorieren. Die PiS-Regierung kam ihnen sofort zur Hilfe, erklärte den Marsch zu offiziellen Staatsfeierlichkeiten und verhandelte mit den Nationalisten, damit sie auf die rassistischen und faschistischen Symbole und Fahnen diesmal verzichten. Danach hob ein Gericht die Entscheidung der Bürgermeisterin zwar auf, aber der Pakt der Regierung mit den Nationalisten blieb bestehen.

Ist jetzt die polnische Kirche an der Reihe?

Vor fünf Jahren hat der in Warschau lebende holländische Journalist, Ekke Overbeek das Buch "Die Angst, über die Opfer der Pädophilie in der polnischen Kirche zu sprechen" (Lekajcie się, Ofiary pedofilii w polskim Kościele mówią) veröffentlicht. Das Buch beinhaltet die Gespräche mit einigen Opfern pädophiler Priester. Kein polnischer Journalist vor ihm hatte den Mut, dieses Thema anzugreifen.

Warschau

Nationalisten "ehren" die Aufständischen

Am 1. August um 17:00 Uhr vor 74 Jahren ist der Warschauer Aufstand ausgebrochen. Die Verluste der 63 Tage Kämpfe waren immens. 18.000 Kämpfer und 180.000 Zivilisten wurden getötet oder vermisst, rund 25.000 verletzt. Die deutschen Verluste: 16.000 tote oder vermisste Soldaten und 9.000 Verletzte. Die überlebenden Warschauer wurden aus der Stadt vertrieben und die Besatzer begannen damit, Haus um Haus zu zerstören.

Toast für die Freiheit

Rettet die polnischen Gerichte

Am 4. Juni 1989 fanden die ersten teilweise freien Wahlen in Polen statt. Die Opposition hat 99 Sitze im 100-köpfigen Senat und 30 Prozent der ihr laut der Beschlüsse der Verhandlungen am "Runden Tisch" zugeteilten Sitze in Sejm gewonnen. Das Amt des Ministerpräsidenten hat einer der Hauptberater der "Solidarność", Tadeusz Mazowiecki, übernommen. Es entstand die erste nichtkommunistische Regierung im Ostblock.

Screenshot vom TVN-Video

Nur ein bisschen Faschismus?

Der polnische Fernsehsender TVN zeigte, wie Neonazis auf einer Waldlichtung in Schlesien den Geburtstag Adolf Hitlers feierten. Bekleidet mit SS- und Wehrmachtuniformem begrüßten sie sich mit "Sieg-Heil"-Rufen und sangen das "Horst-Wessel-Lied". Anschließend aßen sie eine Torte, die mit einem Hakenkreuz aus Schokowaffeln verziert war.

Warschau, 11. November 2017: Blockade des Marsches der Faschisten

National(isten)feiertag in Polen

Über die Ereignisse in Polen am 11. November, dem Nationalfeiertag, haben die Medien weltweit berichtet. Man zeigte die in Warschau beim sog. "Unabhängigkeitsmarsch" marschierenden Neofaschisten, ihre rassistische, xeno- und homophobe Banner und hassvolle Parolen. Es gab aber am 11. November in Warschau auch Gegenveranstaltungen.

Land der unbegrenzten Möglichkeiten

In Polen wird Schritt für Schritt die Demokratie abgebaut. Die Regierung verabschieden sich zudem immer weiter vom europäischen Gedanken. Der hpd-Polenkorrespondent Andrzej Wendrychowicz bittet um Hilfe für die außerparlamentarisch Opposition, die immer stärkeren Repressalien ausgesetzt ist.

Eine Entschuldigung an die Nachbarn

"Entschuldigung", schreibt Tamara Olszewska, Mitglied des Komitees zur Verteidigung der Demokratie (KOD), in einem offenen Brief an die deutschen Nachbarn. Ihr Brief erhielt viele hundert Likes in den KOD-Facebook-Gruppen in ganz Polen und wird massenhaft geteilt, auch in Deutschland.

abgesperrte Straßen

Privatstadt Warschau

Am 10. Juli fand in Warschau die 87. monatliche Trauerkundgebung für die Opfer der Flugzeugkatastrophe bei Smoleńsk statt. Da bei der 86. Kundgebung die Gegner dieses politischen Theaters den Weg der Prozession des Anhängers Kaczyńskis mit einem Sitzstreik blockierten, diesmal wurde die ganze Strecke von der Kathedrale in Altstadt bis zum Präsidentenpalast abgesperrt.