Protestkundgebung gegen "Ehrenkreuz" für Alfred Jodl auf Frauenchiemsee

Keine Ehre dem Kriegsverbrecher!

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Das "blutbeschmierte" "Ehrenkreuz" für Alfred Jodl auf Frauenchiemsee.
Der "blutbeschmierte" Gedenkstein

Der Bund für Geistesfreiheit (bfg) München unterstützte den Aktionskünstler Wolfram Kastner bisher mit über 21.000 Euro Verfahrens- und Prozesskosten wegen seiner ästhetischen Interventionen am Steinkreuz und fordert die sofortige Entfernung des Schandmals.

Für den kommenden Sonntag (21. Juli 2019) haben der Aktionskünstler Wolfram Kastner und weitere Unterstützer beim Landratsamt Rosenheim eine politische Versammlung auf der Fraueninsel im Chiemsee angemeldet. Sie informieren dort über den Skandal, dass auf dem Klosterfriedhof weiterhin ein "Ehrenkreuz" für den Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl steht, der als verantwortlicher Hitler-General für hunderttausende ermordeter Menschen in Nürnberg verurteilt und hingerichtet wurde. Vor dem Friedhof erläutert ab 11 Uhr Wolfram Kastner den aktuellen Sachstand, Michael Heininger liest Berichte von Überlebenden der Hungerblockade in Leningrad und Texte aus dem Buch "Die letzten Zeugen" der Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch und Michaela Dietl singt und spielt auf dem Akkordeon osteuropäische Weisen.

Der Bund für Geistesfreiheit München (bfg München) wird bei der Kundgebung auf der Fraueninsel vor Ort sein.

Obwohl Jodls Leiche nicht auf dem Klosterfriedhof der Fraueninsel liegt – seine Leiche wurde 1946 eingeäschert und die Asche in einen Seitenarm der Isar gestreut – befindet sich dort seit 1953 ein Gedenkstein. Auf dem großen Steinkreuz eingemeißelt sind neben Jodls Namen und dem Geburts- und Sterbedatum ein Eisernes Kreuz wegen seiner "militärischen Verdienste" sowie sein militärischer Rang. "Warum steht da nicht, dass Jodl Schuld an der Ermordung hunderttausender Menschen trägt, dass er als Chef des Wehrmachtführungsstabs im Oberkommando der Wehrmacht einer der engsten Berater Hitlers war und dass er 1946 als einer der 24 angeklagten Hauptkriegsverbrecher in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde?", möchte Assunta Tammelleo, stellvertretende Vorsitzende des bfg München, wissen.

Der bfg München unterstützte Wolfram Kastner, der wegen seiner Kunstaktionen am "Ehrenmal" schon mehrmals vor Gericht stand, bisher mit über 21.000 Euro bei den Verfahrens- und Prozesskosten. Am 09. Oktober 2018 wurde der Künstler verurteilt, die Putz- und Reinigungskosten zu erstatten, die aufgrund seiner ästhetischen Interventionen enstanden sind. Kastner hatte das Steinkreuz im Sommer 2015 mit einer Hinweistafel versehen, auf der "Keine Ehre dem Kriegsverbrecher" zu lesen war. Im Jahr 2016 brachte er zweimal rote Farbe als Symbol für das Blut an, das der Kriegsverbrecher Jodl vergossen hatte. In einer weiteren Aktion hatte er zudem den Buchstaben "J" vom Namen entfernt und an das Historische Museum in Berlin geschickt, übrig blieb "Odl" – in Bayern das Wort für Jauche bzw. Gülle.

Trotz mehrerer Petitionen, kritischer Presseberichte und eines Beschlusses der Gemeinde Chiemsee das Grabnutzungsrecht nicht zu verlängern, hat das Verwaltungsgericht München Anfang April 2019 entschieden, dass das Steinkreuz weitere 20 Jahre bestehen bleiben darf. Kastner hat daraufhin Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Für Tammelleo sind die bisherigen Urteile der bayerischen Justiz ein Skandal. "Nach deren zur Schau gestellten Rechtsverständnis gäbe es wohl auch an einem 'Ehrenmal' für Adolf Hitler nichts auszusetzen. Als bfg München fordern wir die sofortige Entfernung dieses Schandmals. Selbstverständlich werden wir auch Wolfram Kastner weiter unterstützen", so Tammelleo.