Immer weniger kirchliche Bestattungen

Immer weniger Menschen in Deutschland sind Mitglied einer der beiden großen christlichen Kirchen. Im vergangenen Jahr waren nach Berechnungen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) bereits 48 Prozent der Bevölkerung konfessionsfrei. Dementsprechend gibt es auch immer weniger Bestattungen, die konfessionell begleitet werden.

Friedhof
Friedhof

Nach Angaben der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas wurden im Jahr 2024 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) nur noch 43,3 Prozent der Bestattungen von einem evangelischen oder katholischen Geistlichen betreut. Bei insgesamt 1.007.758 Todesfällen im Jahr 2024 entspricht das 436.511 Bestattungen. „2020 war der Anteil erstmals unter 50 Prozent gesunken (49,7 Prozent), im Jahr 2000 waren es noch 71,5 Prozent.“

Aeternitas hat Statistiken der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der Deutschen Bischofskonferenz genutzt, um auf diese Zahlen zu kommen. In der Pressemitteilung zur Veröffentlichung wird darauf hingewiesen, dass es in den letzten Jahrzehnten zu einem tiefgreifenden Wandel des Bestattungswesens gekommen ist. „Immer mehr Trauerfeiern werden von weltlichen Trauerrednerinnen und -rednern begleitet, Traditionen und religiöse Bräuche verlieren an Bedeutung.“ Damit spiegelt die Entwicklung einen allgemeinen Trend in der Gesellschaft wider.

Besonders betont Aeternitas, dass über 80 Prozent der Verstorbenen hierzulande mittlerweile eingeäschert werden. Dabei waren Feuerbestattungen von der katholischen Kirche lange Zeit verboten. Karl der Große erließ im Jahr 789 ein striktes Verbot der Leichenverbrennung (teilweise unter Androhung der Todesstrafe), womit die Erdbestattung auf dem Friedhof für rund 1.000 Jahre zur alleinigen Norm wurde. Erst im Jahr 1878 eröffnete in Gotha das erste Krematorium in Deutschland, woraufhin die katholische Kirche 1886 ein Verbot der Feuerbestattung unter Androhung des Kirchenausschlusses erließ. Ab den 1920er Jahren ließ die evangelische Kirche die Form der Bestattung zu, die vor der Hegemonie der monotheistischen Religionen durchaus üblich gewesen war. Die katholische Kirche brauchte bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, um sich zu einer Erlaubnis der Totenverbrennung durchzuringen. Doch auch heute noch stellt sie klar: „Bei Einäscherungen und Urnenbestattungen wirkt sie [die katholische Kirche, Anm. d. Red.] jedoch nur mit, sofern diese nicht aus Gründen erfolgen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen“.

Denn man darf nicht vergessen, dass es seinerzeit Freidenker waren, die sich für die Feuerbestattung einsetzten. Bei fowid hat Manfred Isemeyer die Geschichte der Freireligiösen und der Feuerbestattung beschrieben. 1905 bildete sich der Verband Freidenker für Feuerbestattung und 120 Jahre später ist das Ritual, Verstorbene zu verbrennen und nicht ihren „intakten“ Körper in Erwartung der Auferstehung in der Erde zu begraben, wieder Normalität.

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