Bundesarbeitskreis Säkulare Grüne offiziell anerkannt

"Die einzige organisierte säkulare Kraft innerhalb einer Partei"

Bettina Jarasch stellt den Antrag
Bettina Jarasch stellt auf dem "Kleinen Parteitag" den Antrag auf Anerkennung als BAG

Am vergangenen Samstag hat der Länderrat von Bündnis 90 / Die Grünen den Arbeitskreis der Säkularen Grünen als offizielle Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Partei anerkannt. Der Antrag auf Anerkennung wurde vom Bundesvorstand gestellt; die Mitglieder des "Kleinen Parteitags" in Berlin stimmten mit überwältigender Mehrheit (bei nur vier Gegenstimmen) zu.

Damit wird der "Bundesweite Arbeitskreis Säkulare Grüne" nun eine offizielle Bundesarbeitsgemeinschaft. Die BAG’s werden parteiintern auch als "Thinktanks" bezeichnet; sie haben die Aufgabe "inhaltliche Konzepte und Strategien grüner Politik zu entwickeln" (so das BAG-Statut) und sind vom Bundesvorstand in Beratungen über Strategie, Programmatik und Wahlkampf einzubeziehen; sie erhalten Finanzmittel und besitzen Antragsrecht auf Parteitagen.

Die Säkularen Grünen, erst Anfang 2013 gegründet, verbuchen die Anerkennung als einen großen Erfolg und als Bestätigung ihrer säkularen Arbeit, wie der Sprecher des Arbeitskreises, Walter Otte, betonte. Nicht nur die säkulare Arbeit in mittlerweile sieben Landesverbändern, sondern auch in der Kommission des Bundesvorstandes zu "Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat" habe in der Partei überzeugt und säkulare Positionen befördert. Otte verwies darauf, dass das Ergebnis der Kommissionsarbeit aus säkularen, atheistischen und humanistischen Kreisen erhebliche Zustimmung erhalten habe. Er geht zudem davon aus, dass auch in dem Antrag des grünen Bundesvorstandes für den Parteitag im November die wesentlichen Aussagen des Kommissionsberichts enthalten sein werden.

Walter Otte sagte dem hpd: "Als Parteimitglied seit Anfang der 8oer Jahre, zunächst der Alternativen Liste in Berlin und dann von Bündnis 90 / Die Grünen, freue ich mich besonders über zwei 'Alleinstellungsmerkmale'. Erstens für die Partei: Sie ist die bislang einzige unter den im Bundestag vertretenen Parteien, die einen parteiweiten Prozess zur Erarbeitung einer Position zum "Religionsverfassungsrecht" in Gang gesetzt hat. Und zweitens freue ich mich für die Säkularen Grünen: Sie sind bundesweit die einzige organisierte säkulare Kraft, die eine offizielle Anerkennung ihrer Partei erhalten haben."

Kommentare (5)

Atheist Steinbrenner (nicht überprüft)

Fr. 16 Sep 2016 - 12:52

So sehr mich alles was der Säkularisierung dient erfreut, muss ich aber auch die Frage aufwerfen inwiefern dieser nun anerkannte BAG wirklich Einfluss auf Programm und Abstimmverhalten der Grünen nehmen wird, und tatsächlich jenseits heißer Luft etwas zur Säkularisierung beiträgt.

Zudem stellt sich die Frage ob es für die Mehrheit der Konfessionsfreien klug ist, wegen eines nun anerkannten BAG Säkulare Grüne die Partei der Besserverdienenden zu wählen, die sich doch sonst, meiner Wahnehmung nach, vor allem durch Wünsche nach Einschränkung und Maßnahmen zu Lasten der finanziell schwachen privaten Haushalte hervortut.

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Fr. 16 Sep 2016 - 14:20

Glückwunsch ! Allerdings hoffe ich, dass das kein Alleinstellungsmerkmal bleibt, sondern Schule macht. Von den C-Parteien und der AfD kann man das sicher nicht erwarten aber für die SPD hoffe ich, dass sich die Parteiführung nach der Umbenennung der Laizisten in "Säkulare Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten" an ihre Argumentation erinnert, mit der sie den Antrag auf die Einstufung als Arbeitskreis damals abgeschmettert haben.

Thomas (nicht überprüft)

Fr. 16 Sep 2016 - 17:25

Das ist ja alles sehr erfreulich, aber was hilft's, wenn man Grün wählt und dann trotzdem mit einer C-verpesteten Regierung bestraft wird?

Resnikschek Karin (nicht überprüft)

Sa. 17 Sep 2016 - 17:39

Die Grünen haben auch als erste eine Kommission über Weltanschauungen gegründet. Sehr engagiert auch die Laizist(inn)en in der SPD. Man kann nur hoffen, dass durch die Wahlen 2017 Grüne und SPD und Linke in die Regierung kommen. Denn das verfassungswidrige Ausgrenzen Konfessionsfreier in der BRD, die an Ethik spart und die Kirchen mit Geld überhäuft, muss ein Ende haben. Die mangelnde Werteerziehung des Staates ist ein Element des auseinanderfallenden Europsas. Wenn schon Religion an den Schulen, dann nur zusammen mit Ethik/LER von Kl.1 bis zu humanistischer Philosophie an den Unis. Das würde die Werteerziehung aller Bürger stärken. Und den nach der Wende nicht ausreichend in demokratischen Werten sozialisierten Nord-Ostbürgern helfen und gut tun. Die AfD wurde auch wegen dieser Versäumnisse so stark. Also gebt der CDU/CSU und vor allem der einst laizistisch angehauchten FDP Hilfestellungen an die Hand: Zusammenarbeit von Kirchlichen und Nichtkirchlichen in allen humanitären Fragen auch der Ökologie und Ökonomie! Keine Spaltung in (reiche und mächtige) Gottvolle und (arme) Gottlose. Arbeiten wir an einem gemeinsamen Ethos, das irgendwann zu einem Weltethos erweitert werden kann!

Martin (nicht überprüft)

Di. 20 Sep 2016 - 18:21

Herzlichen Glückwunsch an die Grünen für diesen überfälligen Schritt!

Es ist allerdings etwas unangebracht, den Grünen eine Sonderrolle beim laizistischen Fortschritt zukommen lassen zu wollen. Die Linkspartei hat eine "Bundesarbeitsgruppe Laizismus" bereits vor vier Jahren gegründet:

http://hpd.de/node/13579

Und mir scheint die Linkspartei trotz Bruder Ramelow auch in Programm und Abstimmungsverhalten (siehe Beschneidungssondergesetz) doch deutlich säkularer zu sein als die grüne Partei. Es gibt also noch viel zu tun!

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