Happy Halloween, ihr Exorzisten!
Foto: Daisy Anderson via Pexels Pexels License
Heute, sobald die Dunkelheit hereinbricht, wird Halloween gefeiert, das Fest der Gruselgestalten. Den katholischen Exorzisten gefällt das gar nicht, halten sie Halloween doch für eine Verehrung der bösen Mächte. Dabei übersehen sie die bösen, schädigenden Tendenzen ganz in ihrer Nähe.
"Süßes, sonst gibt's Saures!" – egal, wie die Antwort ausfällt: Für Pater Francesco Bamonte und seine Mitstreiter ist Halloween in jedem Fall ein Schritt ins Verderben. Bamonte ist Vizepräsident der Internationalen Vereinigung der katholischen Exorzisten (AIE). Offiziell vom Vatikan anerkannt, rücken die rund 900 Kirchenmänner mit 130 Hilfsexorzisten all dem zu Leibe, was sie für böse Mächte halten. Und dazu gehören offenbar auch Gruselspaß und Kürbislaternen. Denn, so lässt Bamonte die arglose Welt wissen, am 31. Oktober würden auch die Anbeter des Teufels ihre "schmutzigen Feierlichkeiten" begehen.
Nachdem der Pater seine Ansichten bereits in Buchform unters Volk gebracht hat, soll nun ein Video das Partyvolk auf den Weg des Glaubens zurückführen. Nach Ansicht des Exorzisten-Vizes sei Halloween nicht nur "irrational" (sic!) und eine "kommerzielle Maschinerie". Schlimmer noch, warnt Bamonte, es handele sich um die "Wiederbelebung eines heidnischen religiösen Festes, bei dem magische Rituale mit Tier- und sogar Menschenopfern durchgeführt wurden". Und damit um eine Bedrohung für katholische Christen. Deshalb, so seine Forderung, soll Schluss sein mit Halloweenpartys in Schulen. Stattdessen möge man doch lieber Allerheiligen feiern. Dieses Hochfest wird von den Katholiken gleich am nächsten Tag, dem 1. November, gefeiert. Andernfalls würden Verzweiflung, Gewalt und moralische Finsternis drohen, schreibt der Exorzisten-Vize.
Dabei könnte Pater Bamonte sich eigentlich ganz entspannt zurücklehnen und einfach einen Pumpkin Spice Latte genießen. Denn die Geschichte vom heidnischen, keltischen Ursprung des Halloween-Brauchtums gilt in der Volkskunde längst als Legende. In Wahrheit stammt das Fest aus dem erzkatholischen Irland und wurde im 19. Jahrhundert von Auswanderern in die USA gebracht. Sogar der Name erinnert noch an das katholische Allerheiligenfest: "All Hallows' Eve" ist einfach der Abend vor Allerheiligen.
Bei genauer Betrachtung gibt es also nichts zu exorzieren an Halloween. Wenn Bamonte und seine Kollegen dennoch gegen "böse", sprich: schädliche Tendenzen in der Gesellschaft vorgehen möchten, ist das durchaus ein lobenswertes Anliegen. Sollten sie dabei auch Korruption, Skandale und Machtmissbrauch innerhalb der Kirche ins Visier nehmen, dürfte es ihnen an Betätigungsfeldern kaum mangeln.

Kommentare (5)
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"Nach Ansicht des Exorzisten
"Nach Ansicht des Exorzisten-Vizes sei Halloween nicht nur "irrational" (sic!) und eine "kommerzielle Maschinerie"... "
Also ziemlich ähnlich wie Weihnachten und Ostern...
Einspruch!
Einspruch!
"Samhain", heute Halloween genannt, ist tatsächlich ein ur-keltisches Fest, bei dem einerseits der Jahresbeginn als auch die Geister der Toten gefeiert wurden.
Aber ich finds immer witzig, wie sich Christen über angebliche Menschenopfer beklagen und selbst nen Kadaver an ner Latte anbeten, der angeblich für ihre Sünden geopfert wurde!
Über die Übernahme und Umbenennung der meisten heidnichen Feste ganz zu schweigen...
Herr Bamonte, als Exorzist
Herr Bamonte, als Exorzist ein Mensch, der sich laut Can. 1172 durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel auszeichnet“, ist vermutlich einer der wenigen, die in einem harmlosen Heidenspaß die "Wiederbelebung eines heidnischen religiösen Festes“ sehen. Ob diese Feste, welche immer er damit meinte, zu Menschenopfern ausarteten, ist mir eine Recherche nicht wert.
Die Wiederbelebung der theologischen Disziplin der Dämonologie durch die Praxis des Exorzismus ist jedoch nicht zu bestreiten. Die Internationale Vereinigung der katholischen Exorzisten (AIE) bekräftigt jedenfalls iin ihren Internet-Auftritten, dass es sich bei Dämonen und dem Teufel um personale Wesen handelt. Diese war die theologisch ideologische Basis für den Hexenwahn, an dem auch etliche „strahlende Gesichter“ von Heiligen jahrhundertelang festhielten. Und dieser hat unbestritten zig-tausende von Menschenopfern gekostet.
Die Warnungen erinnern an die Praktiken der Missionierung, als man versuchte „heidnische“ Rituale zurückzudrängen, wenn man sie nicht in ein kirchlich dfiniertes Ritual überführen konnte. So geschen z.B. während der Hexenverfolgung im Baskenland - habe zufällig am Samstag den Film darüber im TV gesehen.
So wie ich es verstehe geht
So wie ich es verstehe geht Halloween auf Samhain zurück und bekam dann auch noch christliche Elemente. Der Glaube dahinter war, dass man sich verkleidet um eben nicht von bösen Geistern heimgesucht zu werden bzw. dass man so ausschaut als ob man zu diesen Geistern gehört um in Sicherheit zu bleiben. Vielleicht haben die Exorzisten ja Angst, dass andere „normale“ Leute auch Geister austreiben können oder sich davor zu schützen und ihr Beruf dann obsolet wird? Letztens hab ich mit einem irischen Taxifahrer gesprochen der gerne hätte, dass mehr Leute in die (katholische) Kirche gehen und erzählte, dass seine Mutter immer „sehr religiös“ war und zB zu Halloween was für die Verstorbenen auf die Türschwelle stellte (Cookies & Whiskey). Das erinnerte mich dann auch an den Brauch, Santa Claus Cookies und Milch/was Alkoholisches hinzustellen. Die Kürbisse sind übrigens amerikanisch, denn in Irland waren es bis in die 80er noch Rüben mit Kerzen - die waren um einiges schwieriger zu schnitzen. Das war noch richtig keltisch…
Bamonte und seine Kollegen
Bamonte und seine Kollegen müssen ja irgendwie ihre Daseinsberechtigung demonstrieren. Auch wenn es der größte Bockmist ist.