Aktuelle Bertelsmann-Studie

Kinderbetreuung durch Quereinsteiger nimmt zu

Symbolbild
Symbolbild

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung stellt fest, dass in den meisten Bundesländern der Anteil an Fachkräften in den Kita-Teams weiter zurückgegangen ist. Dabei gebe es jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen, auch innerhalb eines Bundeslandes. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der anhaltende Kostendruck auf die Kommunen.

Wie aus einer Auswertung der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, ist in mehreren Bundesländern die Quote an Fachkräften in Kindertagesstätten erneut zurückgegangen. So ist der Anteil der Kitas mit hoher Fachkraftquote zwischen 2023 und 2024 in zehn Bundesländern gesunken. Am stärksten fiel der Rückgang in Bremen, im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern aus.

Die höchsten Fachkraftquoten verzeichnen weiterhin die ostdeutschen Bundesländer: Thüringen liegt dabei an der Spitze mit rund 90 Prozent vor Sachsen und Brandenburg mit 86 beziehungsweise 82 Prozent. Bei den westdeutschen Ländern liegt Hessen an der Spitze mit 35 Prozent vor Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Am niedrigsten liegt der Anteil von pädagogisch qualifiziertem Personal in Bayern mit 3,6 Prozent.

Dabei betonen Politiker immer wieder, wie extrem wichtig frühkindliche Bildung sei. Dass dazu qualifiziertes Personal beschäftigt wird, scheitert nach Angaben der Stiftung häufig an den leeren Kassen der Kommunen. Quereinsteiger sind für weniger Gehalt zu haben als qualifizierte Fachkräfte.

"Neue Berufsgruppen für die Kitas zu gewinnen, ist grundsätzlich gut. Aber darunter darf die Professionalität nicht leiden. Um das Aufwachsen, Lernen und die Entwicklung der Kinder individuell zu fördern, braucht es die nötige pädagogische Qualifikation", sagt Anette Stein, Expertin für frühkindliche Bildung bei der Bertelsmann Stiftung. Der Zusammenhang zwischen Fachkraft-Quote und Kita-Qualität ist wissenschaftlich belegt.

Eine Änderung scheint jedoch nicht in Sicht, da die schwarz-rote Koalition insbesondere an den Sozialausgaben sparen will. Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke sagte in einem Interview: "Gerade jetzt, wo sich wieder mehr Menschen Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft machen, bräuchte es aus der Politik Signale von Stabilität und Verlässlichkeit. Das Trommelfeuer gegen den Sozialstaat legt die Axt an den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Das dürfen wir unter keinen Umständen zulassen!" "Angesichts knapper Kassen ist die Versuchung groß, an der Kita-Qualität zu sparen – ohne Rücksicht auf die langfristigen Folgen", mahnt deshalb auch Anette Stein.

So fordert denn auch die Bertelsmann Stiftung eine verlässliche Mitfinanzierung von Bund und Ländern sowie einheitliche Personalstandards. "Bund und Länder müssten die Kosten für frühkindliche Bildung dauerhaft mitfinanzieren. Erst kürzlich hat unser Kommunaler Finanzreport das Rekorddefizit der Städte und Gemeinden belegt und die Notwendigkeit für eine Bund-Länder-Staatsreform zur Sicherung der Kommunalfinanzen unterstrichen."

Unterstützen Sie uns bei Steady!

Kommentare (2)

Ines (nicht überprüft)

Mi. 1 Okt 2025 - 11:16

Ich finde den Text sehr unverständlich formuliert. "Am niedrigsten liegt der Anteil von pädagogisch qualifiziertem Personal in Bayern mit 3,6 Prozent." klingt, als würden dort nur 3,6% des Personals pädagogische Fachkräfte sein. Da ich selbst in diesem Bereich arbeite, ist mir aber bekannt, dass dies mit den aktuellen Vorgaben gar nicht möglich sein kann. Zum Glück ist die Studie verlinkt und wer ein bisschen liest, findet dann auch den passenden Textabschnitt im Original. In Bayern haben nur 3,6% der Kitas (ohne Horte) eine hohe Fachkraftquote, d.h. 82,5 Prozent und mehr des pädagogisch tätigen Personals in diesen KiTas haben mindestens einen fachlich einschlägigen Fachschulabschluss.

Ines (nicht überprüft)

Mi. 1 Okt 2025 - 11:21

Der schnelle Ausbau hat seinen Preis: "Wiesen im Jahr 2017 bundesweit in 41 Prozent aller KiTa-Teams 82,5 Prozent und mehr der pädagogisch Tätigen mindestens einen fachlich einschlägigen Fachschulabschluss auf, traf dies 2024 mit 31 Prozent nur noch auf rund jedes dritte KiTa-Team zu (vgl. Abb. 4). Dieser Rückgang zeigt sich sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland in etwa gleichem Ausmaß, wenngleich von einem unterschiedlichen Niveau ausgehend: Während in Ostdeutschland der Anteil aller KiTa-Teams mit einer Fachkraft-Quote von 82,5 Prozent und mehr von 78 Prozent auf 69 Prozent sank, ging er in Westdeutschland von 32 Prozent auf 22 Prozent zurück. Demgegenüber gab es einen Anstieg des Anteils an KiTas mit einer Fachkraft-Quote von 50 bis unter 70 Prozent sowohl in Ostdeutschland von 7 auf 11 Prozent als auch in Westdeutschland, hier von 33 auf 39 Prozent."

Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel