Irland

Konfessioneller Glaubensunterricht in staatlichen Grundschulen wird abgeschafft

Kommunion
Demnächst gibt es keinen Erstkommunionsunterricht mehr an staatlichen Grundschulen in Irland

In Irland dominiert die katholische Kirche den Bildungsbereich. Sogar an staatlichen Schulen durfte sie bislang Kindern Unterricht im Glauben erteilen. Das soll sich nach dem Willen der zuständigen Schulbehörde nun ändern.

Über 90% der Grundschulen in Irland stehen in kirchlicher Trägerschaft – obwohl sie vom Staat finanziert werden. Als Gegengewicht zur Vormachtstellung insbesondere der katholischen Kirche im Bildungssektor werden seit 2008 sogenannte Community National Schools (Nationale Gemeinschaftsschulen) in staatlicher Trägerschaft etabliert.

Community National Schools verstehen sich laut dem irischen Bildungsminister Richard Bruton als "multi-konfessionelle Schulen, die alle Glaubensrichtungen willkommen heißen und eine Atmosphäre schaffen, in der der Glauben respektiert wird ohne irgendeinen speziellen Glauben zu fördern". Dieser Aufgabe entsprechend bieten die staatlichen Grundschulen einen multi-religiösen Gemeinschaftsunterricht für alle Schüler an. Sofern Eltern den Unterricht ihrer Kinder in einer bestimmten Religion wünschten, war bisher allerdings auch dieser erlaubt. In der Praxis betraf dies vor allem katholische Schüler. Nicht zuletzt, weil der Staat Irland der katholischen Kirche bei Gründung der Community National Schools zugesichert hatte, dass sie dort katholischen Schülern dieselbe religiöse Ausbildung anbieten dürfe wie an katholischen Schulen. Zuvor hatte die katholische Kirche gedroht, dem neuen Schulmodell widrigenfalls die Unterstützung zu verweigern.

Doch die staatliche Behörde Education and Training Boards Ireland (ETBI), die im vergangenen Jahr die Aufsicht über die Community National Schools übernommen hat, sieht das anders und positionierte sich nun laut irischen und britischen Medienberichten deutlich gegen konfessionellen Religionsunterricht. ETBI-Generalsekretär Michael Moriarty erklärte hierzu: "Wenn jeder gleich behandelt werden soll, müssen Einweisungen in den Glauben außerhalb der Schulzeit stattfinden." Von der Änderung betroffen ist an den Grundschulen vor allem der katholische Vorbereitungsunterricht für die Erstkommunion, der nach dem Willen der ETBI zukünftig an Community National Schools nicht mehr erfolgen soll.

Im noch immer stark von der katholischen Kirche dominierten Irland stellt die Entscheidung der ETBI einen Meilenstein auf dem Weg zu einem weltanschaulich neutralen Bildungssystem dar. Allerdings dürfte dieser Weg noch ein recht langer sein. Denn zum einen hat im multi-religiösen Konzept der Community National Schools Glauben grundsätzlich noch immer einen höheren Wert als Nicht-Glauben und zum anderen gibt es in ganz Irland bislang erst zwölf staatliche Community National Schools, für die neue Regelung der ETBI nun gilt.

Kommentare (2)

Kay Krause (nicht überprüft)

Mo. 25 Sep 2017 - 15:25

Herzlichen Glückwunsch an Irland! Macht weiter so, das ist ein guter Anfang! gebt nicht auf, laßt Euch von dieser Mafia (genannt Kirche) nicht drohen!
Ich wünsche mir nur 1 (in Worten: einen) namhaften deutschen Politiker, der es wagt, die reale Trennung von Staat und Kirche in die Hand zu nehmen, der dieses Thema aufgreift und dafür sorgt, dass unschuldige Kinder nicht mehr auf Staatskosten religiös indoktriniert werden!

Olaf Mogel (nicht überprüft)

Mi. 27 Sep 2017 - 17:17

Antwort auf von Kay Krause (nicht überprüft)

Also wenn die Italiener die Homo-Ehe zulassen und jetzt auch noch die Iren religionsfreie Grundschulen befördern: Das kann doch nur das Fliegende Spaghettimonster bewerkstelligt haben! Arrrrrrrgh!

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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