Freedom of Thought Report 2016

"Die Rechte von Nicht-Religiösen sind in Gefahr"

Freedom of Thought Report 2016
Freedom of Thought Report 2016

Es gibt eine neue weltweite Welle der Unterdrückung von humanistischen Werten und Säkularismus. Dies ist das Ergebnis des diesjährigen Freedom of Thought Report der International Humanist and Ethical Union (IHEU).

Seit 2012 veröffentlicht die International Humanist and Ethical Union (IHEU) jährlich einen Bericht darüber, wie es um die Diskriminierung und Verfolgung von Atheisten, Humanisten und Nicht-Gläubigen aller Art weltweit bestellt ist – den Freedom of Thought Report (Gedankenfreiheits-Bericht).

Die diesjährige Ausgabe des Freedom of Thought Report berichtet von Gesetzen gegen Blasphemie oder ähnlichen Verbote der freien Meinungsäußerung in Bezug auf Religion, in 59 Ländern. Gesetze gegen Apostasie, den "Abfall" von der eigenen Religion, gibt es in 22 Ländern. Mindestens 13 Länder sehen für Blasphemie oder Apostasie die Todesstrafe vor.

Einen Grund für die dramatische Situation von Atheisten weltweit sieht Ahmed Shaheed, UN-Sonderberichterstatter und Menschenrechtsexperte, darin, dass zu viele Menschen und Regierungen einen zu engen Begriff von Religionsfreiheit hätten. Dieser führe dazu, dass Humanisten, Atheisten und Nicht-Religiöse keinen Schutz genössen. Shaheed, der das Vorwort zur diesjährigen Ausgabe des Freedom of Thought Report schrieb, weiß, wovon er spricht. Er selbst stammt von den Malediven. Für westliche Touristen ein Urlaubsparadies – für seine Bürger ein Religionsgefängnis. Jeder Bürger der Malediven ist per Gesetz Muslim und das staatliche Recht ist der Sharia untergeordnet. Es gab dort Strafverfolgungen wegen Apostasie und Betreiber atheistischer Facebook-Seiten wurden in den vergangenen Jahren öffentlich geoutet, entführt und gezwungen, ihrem Atheismus abzuschwören.

Der Freedom of Thought Report 2016 untersucht erstmals auch den Trend zu populistischen Parteien und Führern und deren Verbindung zu neuen Formen des "traditionalistischen und religiösen Autoritarismus". Mit Blick auf die jüngsten Präsidentschaftswahlen in Bulgarien, Moldawien und den USA sowie auf die gegenwärtigen Regierungen beispielsweise von Polen und Ungarn, zeigt der Bericht "die sehr reelle Gefahr auf, dass in einigen Ländern, in denen nationalistischer Populismus herrscht, das Recht von gemäßigten Religiösen und Nicht-Religiösen, bestimmte humanistische Werte zu bekunden, abgebaut wird oder sogar ganz verloren gehen könnte".  

Seit diesem Jahr gibt es auch eine Online-Edition des Freedom of Thought Report, die es ermöglicht, die Daten nach Ländern sortiert einzusehen.

"Das ist ein gewaltiger Fortschritt für den Bericht", sagt Andrew Copson, Präsident der IHEU. Ein Fortschritt, der laut Copson gerade zur rechten Zeit kommt, "in einem kritischen Augenblick der Weltpolitik". "Die Rechte und die Gleichstellung von Nicht-Religiösen sind in Gefahr und es gibt eine Welle der Unterdrückung von humanistischen Werten. Der Demokratie und dem Säkularismus wird gerade ernsthafter Schaden zugefügt und für unsere Freiheiten gibt es neue Bedrohungen."

Kommentare (2)

Stefan (nicht überprüft)

Fr. 23 Dez 2016 - 15:56

Diese Berichte sind Jahr für Jahr der aller größte Schwachsinn. Sie schauen nur auf die Gesetzte, aber nicht darauf wie diese praktisch angewandt werden oder auf das soziale Klima. So ist West-Europa tief besorgniserregend wegen kaum verwendeter Blasphemieparagraphen, obwohl Religion im privaten Leben kaum eine Rolle spielt. Die USA sind dagegen ein Paradies weil auf dem Papier weite Religionsfreiheit existiert, aber das gesellschaftliche Klima durch tief verankerten religiösem Extremismus vergiftet ist, die Republikaner ständig einen Gottesstaat errichten wollen und Atheisten die am meisten gehasste Bevölkerungsgruppe sind.

Frank Linnhoff (nicht überprüft)

So. 25 Dez 2016 - 10:57

Herzlichen Dank für diesen Artikel. Es ist tatsächlich sehr interessant die Liste der Staaten aufzurufen und sich zu informieren. Die Bundesrepublik Deutschland gehört leider immer noch zu den Staaten, in welchen große Kirchenprivilegien und keine Trennung von Kirche und Staat existieren. Da bleibt noch viel zu tun.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

Weitere Artikel der Autorin
Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel