Klima
Saubere Luft sorgt für wärmere Winter
Foto: © Gisa Bodenstein
Es liegt nicht nur am Klimawandel: Viele erinnern sich noch an die kalten und schneereichen Jahre ihrer Jugend, während aktuell ein milder Winter auf den nächsten folgt. Forscher aus den USA haben jetzt herausgefunden, dass das auch mit der geringeren Luftverschmutzung zu tun hat.
In der Auflistung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der zehn mildesten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen finden sich nur zwei aus der Zeit vor 1990, wenn man die Jahre 1981 bis 2010 als Referenzperiode heranzieht. Ein Grund dafür ist der Klimawandel. Es gibt aber einen weiteren, wie jetzt Wissenschaftler des California Institute of Technology herausfanden und ihre Ergebnisse in Nature Climate Change veröffentlichten.
Im Zuge des Wirtschaftswunders der Nachkriegsjahre hatten die industrielle Produktion und somit auch die Emissionen stark zugenommen. Dies erzeugte Luftverschmutzung durch Kleinstpartikel, sogenannte Aerosole. Diese absorbierten Sonnenlicht und trugen zur Wolkenbildung bei, indem sie als sogenannte "Kondensationskerne" wirkten. Dies war ein Grund für die härteren Winter der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, schreibt spektrum.de.
Die Situation änderte sich mit den dann folgenden Luftreinhaltungsmaßnahmen der westlichen Industrienationen, die beispielsweise den Einbau von Filteranlagen in Kraftwerksschornsteine oder von Katalysatoren in die Abgasanlagen von Autos vorsahen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Industrie trug das Seinige bei.
Die Folge dieser Entwicklungen war eine geringere Aerosol-Konzentration in der Luft, die wiederum zu weniger Wolkenbildung und mehr Sonneneinstrahlung führte. Die Forscher des California Institute of Technology leiten daraus einen Anstieg der Temperatur zusätzlich zum Treibhauseffekt ab. Ein weiteres Ergebnis sei ein stabilerer europäischer Jetstream, der Kaltlufteinbrüche aus der nördlichen Polarregion verhindert. Deshalb wurden die europäischen Winter wärmer und extreme Kaltwetterereignisse seltener.
Da das Luftreinhaltungspotenzial in Europa weitgehend erschöpft ist, wird die Erwärmung aufgrund saubererer Luft nicht weiter fortschreiten, prognostizieren die US-Wissenschaftler. Allerdings könnte ein ähnlicher Prozess im Nordosten Asiens stattfinden, wenn sich dort vergleichbare Maßnahmen flächendeckend durchsetzen. Aktuell ist die Luft dort gerade im Winter noch stark belastet.

Kommentare (8)
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Wichtig wäre hier aus meiner
Wichtig wäre hier aus meiner Sicht eine unmissverständliche Einordnung (oder bei Unkenntnis zumindest die Frage danach), welchen Stellenwert der Beitrag "sauberere Luft" im Spektrum der Ursachen der Klimaerwärmung hat. Ist es ein tatsächlich gravierender Einfluss oder eher eine Fußnote...? Denn schließlich berührt dies ja die Frage danach, wie dringend und radikal wir umsteuern müssen.
Das ist m.E. eher eine
Das ist m.E. eher eine Fußnote; selbst in der Originalarbeit von Yuan Wang et al. fehlt zumindest im Abstract eine solche Einordnung. Zusätzlich skeptisch macht mich die Aussage, dass Jetstreams (die in Reisefliegerhöhe strömen) Kaltlufteinbrüche (die in Bodennähe von N kommen) verhindern sollen. Hatten wir nicht gerade die Schneemassen in den Alpen? Und Wärmerekorde in der Arktis? Richtiger wäre, dass die wandernden Jetstream-Mäander die Zugbahn von Tiefs steuern und wir mal auf der warmen, mal auf der kalten Seite der Tiefs liegen. Beim nächsten Kaltlufteinbruch (Hoch über Schottland, Tief über SE-Europa) ist das Thema kalter Kaffee.
Sagt mal,seit ihr jetzt schon
Sagt mal,seit ihr jetzt schon auf der Spur von Donald Trump??
Das ist ja wohl der grösste Mist,den Ihr in der letzten Zeit veröffentlicht habt!
Ja, es wäre interessant, wer
Ja, es wäre interessant, wer die Studie finanziert hat. Anscheinend ist "California Institute of Technology" noch keine Garantie für ihre Richtigkeit.
Uii. Da passt einem aber
Uii. Da passt einem aber etwas nicht ins Weltbild, sodass hier sogar von "größter Mist" geredet wird.
Klima wird nun mal von mehr als nur einem Faktor beeinflusst und nur, weil man entdeckt, dass noch ein weiterer Faktor neben CO² Emissionen zu einer Erwärmung geführt hat, heißt das noch lange nicht, dass wir weiter Treibhausgase emitieren können. Wo ist also bitte der "Mist"?
Sollte hier keine substanzielle Kritik am Artikel oder wahlweise direkt der Forschungsarbeit zustande kommen, würde ich vorschlagen sich die Polemik in Zukunft zu sparen.
Ich erinnere mich noch gut an
Ich erinnere mich noch gut an die Winter der 60er- und 70er-Jahre. Daher stammt auch die Vorstellung von "weiße Weihnacht". Die gab es praktisch immer. Schnee durch den Dezember, oft bis Ostern. Entsprechend waren die Straßenverhältnisse mit vielen Unfällen. In Frankfurt riesige Matschhaufen am Straßenrand, ausrutschende Passanten, Verkehrschaos. Ich habe die dicken Pullover gehasst, sie haben gekratzt, waren aber unverzichtbar wie Pudelmützen mit lächerlichem Bommel. Kältefrei in der Schule, wenn gar nichts mehr ging.
Will ich diese Zeit zurück? In abgeschwächter Form schon. Aber dafür Dreck in die Luft schleudern? Was ich nämlich nicht vermisse, ist der Gestank der Autos und die rußenden Schornsteine. Wir beseitigen am besten jetzt erstmal die fossilen Brennstoffe und stellen auf Wasserstoff um. Vielleicht entstehen ja dann durch die zusätzlichen Wasserdampfemissionen so viele Wolken, das das Klima wieder kälter wird und die Winter etwas härter. Aber wirklich nur ein bisschen. Nicht alles war früher besser...
Danke für diesen
Danke für diesen aufschlussreichen, wichtigen Beitrag, der besonders für naturwissenschaftliche und technische Laien bedeutsam ist. Umweltschutz ist und bleibt ein zentrales wichtiges Thema, sollte aber faktenbasiert erörtert und behandelt werden. - Wichtiger erscheint die zunehmende Umweltverschmutzung der Gewässer, denn ohne eine gute Qualität von Süsswasser und den komplexen Öko-Systemen der Meere wird man künftig als Lebewesen schlechte Karten haben.
„Da das
„Da das Luftreinhaltungspotenzial in Europa weitgehend erschöpft ist,“ - Wer soll d a s denn glauben?