"Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage"

USA: Mormonen keine Mehrheit mehr in Utah

Salt Lake Assembly Hall
Die Salt Lake Assembly Hall, ein Gebäude der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage am Temple Square in Salt Lake City, Utah.

Utah ist der US-Bundesstaat mit den meisten Gläubigen der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage". Die Kirche geht sogar davon aus, dass noch immer eine Mehrheit der Bevölkerung von über 60 Prozent ihr angehört. Ein aktuelles Papier, welches verschiedene Angaben untersucht und auch eine eigene Bevölkerungsbefragung beauftragt hat, kommt zu einem anderen Schluss: Demnach fühle sich nur noch eine Minderheit von 42 Prozent der Menschen in Utah dieser Kirche zugehörig.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage oder auch The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, kurz LDS, deren Anhänger auch als "Mormonen" bekannt sind, hat ihren Hauptsitz und die meisten Gläubigen in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah. Nach eigenen Angaben sollen sich 2.173.560 Menschen und somit über 60 Prozent der Bevölkerung zu ihr bekennen.

Eine Zahl, der ein im Journal of Religion and Demography erschienenes Paper mit dem Titel "Mormons Are No Longer a Majority in Utah: Causes, Consequences, and Implications for the Sociology of Religion" (Mormonen sind in Utah nicht mehr in der Mehrheit: Ursachen, Folgen und Implikationen für die Religionssoziologie) widerspricht. Die Soziolog*innen Ryan T. Cragun, Bethany Gull und Rick Phillips haben in ihrer Veröffentlichung untersucht, wie die Kirche zu ihren Zahlen kommt und Gründe für einen Verlust gläubiger Menschen zusammengetragen.

Die LDS zählt, nach Angaben der Wissenschaftler*innen im Paper, alle Menschen, die in ihr getauft wurden und die Firmung durchlaufen haben, als zur Kirche zugehörig – abzüglich der wenigen Personen, die exkommuniziert wurden oder selbst formell darum baten, aus dem Kirchenverzeichnis gelöscht zu werden. Alle anderen verbleiben als Mitglieder bis sie sterben oder, wenn nichts weiter von ihnen bekannt ist, bis zum 110. Geburtstag.

Um an akkuratere Zahlen zu gelangen haben Cragun, Gull und Phillips das Umfrage- und Datensammlungsunternehmen Qualtrics aus Utah eine eigene Bevölkerungsbefragung durchführen lassen. Befragt wurden im August 2022 1.909 Personen über 20 Jahre.

Von diesen Befragten gaben nur 42 Prozent an, zur LDS zu gehören. Eine weit geringere Zahl, als die von der Kirche genannte. Die Befragung ergab jedoch auch, dass Personen, die bereits mit 12 zur Kirche gehörten, zumeist auch dabei blieben. Zwei Drittel derer, die mit 12 zur LDS gehörten, blieben auch als Erwachsene dabei. Nur 24 Prozent derer, die als Kind dazu gehörten, haben die Kirche als Erwachsene verlassen. Dabei fällt auf, dass die Meisten von ihnen sich keiner Religion mehr zugehörig fühlen. Wenige sind zu anderen Religionen gewechselt.

Von der unterschiedlichen Zählung einmal ab, verliert die LDS, trotz Zugewinnen durch Konvertierte, auch Gläubige durch Säkularisierung und geringere Geburtenraten. In Utah sinkt der Prozentsatz der LDS Gläubigen in der Gesamtbevölkerung auch durch Zuwanderung aus anderen Bundesstaaten, in denen weit weniger Personen zu dieser Kirche gehören.

Akkurate Zahlen zu Gläubigen der LDS zu haben, dürfte auch für die Politik interessant sein. Wird der Kirche doch bisher ein Einfluss auf die Politik des Bundesstaates Utah nachgesagt. So soll dieser zum Beispiel die Gesetze zu Alkohol beeinflusst haben und auch für die geringe Dichte an Kaffeehäusern verantwortlich sein.

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Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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