Bundestag diskutiert über Völkermord an Armeniern

im Bundestag
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BERLIN. (hpd) Heute diskutiert der Bundestag über den Beschluss einer Resolution, die das Massaker an der armenischen Bevölkerung 1915/16 durch die jungtürkische Regierung des damaligen Osmanischen Reichs als Völkermord anerkennt. Die Resolution wurde im Vorfeld kontrovers diskutiert, insbesondere der türkische Präsident Erdogan kritisierte diese Vorlage auf’s Heftigste.

"Wenn dieser Text angenommen wird und Deutschland in diese Falle tappt, könnte dies alle unsere Beziehungen zu Deutschland, wo drei Millionen Türken leben und das unser NATO-Verbündeter ist, verschlechtern" drohte Erdogan bereits. Auch der neue Ministerpräsident Binali Yildirim warnte, dass die Resolution "haltlose und ungerechte politische Urteile enthalte".

Im Antrag der Koalitionsfraktionen und der Grünen wird die Bundesregierung aufgefordert, weiterhin zu einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung mit der Vertreibung und fast vollständigen Vernichtung der Armenier 1915/1916 sowie der Rolle des Deutschen Reiches beizutragen und die türkische Seite zu ermutigen, sich mit den damaligen Vertreibungen und Massakern offen auseinanderzusetzen, um damit den notwendigen Grundstein zu einer Versöhnung mit dem armenischen Volk zu legen. Auch solle sich die Regierung dafür einsetzen, dass zwischen Türken und Armeniern durch die Aufarbeitung von Vergangenheit Annäherung, Versöhnung und Verzeihen historischer Schuld erreicht wird.

Die Linksfraktion bewertet die "systematisch geplante und organisierte Vernichtung der armenischen Bevölkerung" als Völkermord nach der Konvention der Vereinten Nationen über die Bestrafung und Verhütung des Völkermords von 1948. Nach dem Forschungsstand in der Wissenschaft stelle die aramäisch-assyrische Bevölkerung eine weitere Opfergruppe des "Völkermordverbrechens" dar.

Bereits im Vorfeld wurden nicht wenige Abgeordnete von türkisch-islamischen Verbänden unter Druck gesetzt, sie sollen der Resolution nicht zustimmen. Der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat (DIE LINKE) äußerte sich etwa auf Facebook wie folgt: "Unglaublich, wie viele E-Mails wegen der Abstimmung zum Völkermord an den Armeniern 1915/1916 durch das Osmanische Reich im Bundestag eingehen. Eine organisierte Aktion von Lobbygruppen, die den Völkermord leugnen, versucht nun, Abgeordnete systematisch unter Druck zu setzen."

Näheres zur Debatte folgt in Kürze im hpd.

Kommentare (5)

Dieter Bauer (nicht überprüft)

Do. 2 Jun 2016 - 16:38

Wahrheit muss Wahrheit bleiben, auch wenn dies Manchem schwer fällt. Wo ein Großteil der Weltgemeinschaft einer Einstufung geschichtlich belegter Vorgänge als Völkermord bereits zugestimmt hat, kann die Eigenwilligkeit Regierender getrost vernachlässigt werden.

David (nicht überprüft)

Fr. 3 Jun 2016 - 15:04

Antwort auf von Dieter Bauer (nicht überprüft)

was halt für mich zur frage steht ist. wird das nur gemacht weil die Armenier christen waren, wenn es Muslime gewesen wären hätte es den Bundestag wohl wenig interessiert

Was soll die Religionszugehörigkeitsfrage? Es geht um Menschen und ihre Rechte. Dass ein offensichtlich einseitig ausgerichtetes Denken keine neutrale Sichtweise zulässt, ist wenig verwunderlich. Wann endlich treten fantasiegeprägte Denk- und Handlungsweisen den Rückzug an und überlassen einem friedvolleren Miteinander das Feld?

Entschuldige, David, aber putze mal Dein Weltbild. Es geht nicht immer und in allem um Religionen. Sondern um Völkermord.

Niemand nimmt an, dass die Vernichtung der Juden irgendetwas mit deren Religion zu tun hatte. Mit Deiner Logik allerdings labelst Du die Opfer.

die Geschichte wird halt von den Siegern geschrieben und mir kommt es so vor und das der bundestag jetzt auf einmal so menschlich daher kommt aus lauter gefühl da zweifel ich, das hat andere gründe.

Paul Hilger

Der Autor studiert Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Trier. Er ist Mitglied des Rates der Stadt Trier für die Partei DIE LINKE. 
Des Weiteren ist er Mitglied der "Bundesarbeitsgemeinschaft Laizismus" in der LINKEN und beschäftigt sich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen.

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