Bildung

Türkisches Schulbuch: Keine Ehe mit Atheisten

In der Türkei sorgt ein neues Lehrbuch und die darin enthaltenen Empfehlungen zur Ehe für Aufregung. Kritiker sehen ein weiteres Zeichen für eine zunehmende Islamisierung des Landes.

Laut der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet könnten Schüler in der Türkei bald ein neues Schulbuch für die Oberstufe bekommen, das den Titel "Das Leben des Propheten Mohammed" trägt. Insbesondere in säkularen Kreisen ist man alarmiert, da das Buch fundamentalistische Positionen zum Thema Ehe und Familie verbreitet. So wird dort die Ehe mit Atheisten als unzulässig erklärt und der Mann als Familienoberhaupt angesehen, dem die Frau "die nötige Achtung und Ergebung" erweisen müsse.

Zunehmende Atheistenfeindlichkeit

Erst im Januar dieses Jahres kündigte das türkische Bildungsministerium die Umsetzunge eines Maßnahmepakets an. Darunter befand sich die Forderung, dass "Säkularismus" und "Atheismus" in Religionsbüchern als "problematische Überzeugungen" und als "Krankheiten" eingestuft werden sollen. Zudem wurde die Evolutionstheorie aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen.

Schon länger stellt sich die religiös-autoritäre AKP-Regierung gegen säkulare und wissenschaftliche Positionen, die mit der islamischen Lehre nicht zu vereinbaren sind. Sie sorgte dafür, dass zunehmend kreationistische Inhalte im Bildungssystem verankert wurden und sperrte mehrmals den Zugang zu religionskritischen Internetseiten.

Kommentare (9)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 8 Sep 2017 - 11:13

Eines muss man dem osmanischen Sultan lassen: Wenn er konsequent ist, dann ist er das konsequent!

Thomas Göring (nicht überprüft)

Fr. 8 Sep 2017 - 15:52

... und so geht es Schritt für Schritt in Richtung islamischer Gottesstaat.

Dieter Bauer (nicht überprüft)

Sa. 9 Sep 2017 - 00:10

Wen wundert's, dass Märchen aus tausend und einer Nacht Urstände feiern? Lässt sich doch mit Religiotie soooo viel Machterhalt und Volksverdummung bewerkstelligen. Religionen sind nun mal Bewahrer von Märchen und Fantasien.

Kay Krause (nicht überprüft)

Sa. 9 Sep 2017 - 07:25

Und wer merkt's (?): die Religionsfanatiker in der Türkei nähern sich den Religionsfanatikern in den USA an. Wunderbare Welt, let's go zurück in's Mittelalter!

Wolfgang (nicht überprüft)

Sa. 9 Sep 2017 - 08:15

Wir müssen aber weiter mit der Türkei im Gespräch bleiben. Also so tun, als ob noch alle Türen zum EU-Beitritt offen sind!
Habt ihr bei allem noch alle Tassen im Schrank? Ehescheidung geht anders.

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mi. 20 Sep 2017 - 22:43

Antwort auf von Wolfgang (nicht überprüft)

Nein, nicht so tun, als ob noch alle Türen für den EU-Beitritt offen stehen, aber im Gespräch bleiben. Die Türkei ist ein großes Land, Nato-Partner und Heimat vieler Menschen, die in Deutschland leben oder sogar Deutsche sind. Nicht reden ist die schlechteste Option - außer aufeinander schießen.
Nebenbei bemerkt: Wir reden auch mit China, die jährlich tausende Menschen hinrichten, mit Myanmar, die momentan ethnische Säuberungen betreiben, mit den Saudis, die im Jemen Krieg führen und sogar mit den USA, die ungezählte völkerrechtswidrige Kriege und Konflikte angezettelt haben.
Und das ist gut so. Alles ist besser als die Alternative.

Wolfgang (nicht überprüft)

Sa. 9 Sep 2017 - 08:27

Wenn ein Atheist eine "Gläubige" heiratet, verspricht das eine "bewegte" Ehe. Dann ist immer was los. Das verlangt auch sehr viel Selbstvertrauen, sich gegen ein Phantom zu behaupten. Glauben ist leicht, Denken schon schwieriger. Ich denke lieber. Und ich denke,
das ein imaginärer Gott bei mir keine Chancen hat. Arme Türkei.

Mschlindwein (nicht überprüft)

Sa. 9 Sep 2017 - 11:14

"Erst im Januar dieses Jahres..."
Siehe http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-abc-dieses-jahres-diesen-jahres-a-325940.html

Fjotolf (nicht überprüft)

Sa. 9 Sep 2017 - 11:43

Die im Buch "Das Leben des Propheten Mohammed" vermittelten Sittlichkeitsstandards und Wertevorstellungen sind keineswegs fundamentalistisch, sondern entsprechen den Glaubenssätzen und der Ethik der islamischen Orthodoxie.
Mohammed war ebenso wie Luther nach heutiger Rechtsauffassung ein Krimineller. Selbst wenn es sich bei Mohammed nicht um eine historische Persönlichkeit, sondern lediglich um ein literarisches Kunstprodukt handeln sollte, wäre die Figur Mohammed als narratologisches Gewaltparadigma immer noch die wichtigste Legitimationsgrundlage für islamisch begründete und motivierte Ausübung unterschiedlichster Formen der Gewalt.

Florian Chefai

Hier sollte eine kurze Beschreibung des Autors bzw. der Autorin stehen. Die Autoren sind noch nicht angelegt, weil im Rahmen der Migration diese Daten nicht zuverlässig aus dem Freitext-Inhalt zu extrahieren sind.

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