Indien

Taj Mahal droht religiösem Fanatismus zum Opfer zu fallen

Das Taj Mahal
Das Taj Mahal

Umweltverschmutzung macht dem berühmten indischen Grabmal seit Jahren zu schaffen. Dringend müssten Erhaltungsmaßnahmen eingeleitet werden. Passiert ist bisher nichts, auch aus ideologischen Gründen. Jetzt droht das Unfassbare: der Abriss.

Es ist das berühmteste Bauwerk Indiens und das bekannteste Mausoleum der Welt: Der Taj Mahal, eines der sieben Weltwunder der Moderne. Aber sogar ein Weltkulturerbe dieses Ranges scheint vor religiösem Fanatismus nicht gefeit zu sein. Denn: Es ist ein Denkmal muslimischer Herrschaft, Großmogul Sha Jahan ließ es im 17. Jahrhundert für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal errichten, als diese starb. Der hindu-nationalistischen Partei BJP, der auch der seit 2014 amtierende Premierminister Narendra Modi angehört, ist das ein Dorn im Auge.

2015 stellten sechs Rechtsanwälte einen Antrag auf Umwandlung des islamischen Baudenkmals in einen hinduistischen Tempel. Das musste die Zentralregierung zwar ablehnen. Im vergangenen Herbst verkündete aber dann die Provinzregierung von Uttar Pradesh, der Taj Mahal spiegele nicht die indische Kultur wider. Sie veranlasste, dass er aus Tourismusprospekten gestrichen wurde. Wenig überraschend: Auch in diesem Bundesstaat, in dem das berühmte Mausoleum steht, ist die BJP seit gut einem Jahr an der Macht. Ministerpräsident ist Yogi Adityanath, ein radikaler Hindu-Priester.

Auf die Werbung ist das weltberühmte Grabmal nicht angewiesen: Pro Tag hat es zwischen 40.000 und 70.000 Besucher – so viele, dass Indiens Regierung sogar schon die inländischen Touristen begrenzte. Dennoch zeugt das Vorgehen von einer feindseligen Haltung der Behörden gegenüber dem Taj Mahal. Zusätzlich strich Uttar Pradesh die Gelder, die im Haushalt 2018 zur Instandhaltung des Weltkulturerbes vorgesehen waren.

Dabei wären genau diese Mittel bitter nötig: Schon 2011 hatten Kunsthistoriker und Umweltschützer vor einem Verfall oder gar Einsturz dieses fantastischen Gebäudes gewarnt, an dem einst 20.000 Menschen und 1.000 Elefanten Jahrzehnte lang bauten. Grund dafür sind Umweltveränderungen und -zerstörungen. Der Pegel des Flusses Yamuna, an dem der Taj Mahal liegt, ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken, da Firmen das Wasser ableiten. So kamen die hölzernen Stützpfeiler des monumentalen Bauwerks mit Luft in Kontakt, was sie marode macht. Hinzu kommt die Luftverschmutzung durch die umliegende Millionenstadt Agra, die die Fassade angreift. Durch Abholzung ist das Mausoleum außerdem Sandstürmen schutzlos ausgesetzt.

Nun hat sich das oberste Gericht Indiens mit dem Fall befasst. Es stellte sich heraus, dass es keine zuständige Behörde für die wichtigste Sehenswürdigkeit des Landes gibt. Das verantwortliche Bundesland hat jetzt einen Aktionsplan vorgelegt, der Aufforstungen ebenso vorsieht wie sich von umweltverschmutzenden Industrien und Plastikmüll zu verabschieden. Erfahrungsgemäß gibt es aber Zweifel an den Erfolgsaussichten dieses Vorhabens. Bisher ist nichts passiert. Das Gericht hat der Regierung jetzt ein drastisches Ultimatum gestellt: Wenn nicht sofort Erhaltungsmaßnahmen eingeleitet werden, soll das Weltkulturerbe abgerissen werden, wie die Nordbayerischen Nachrichten gestern in ihrer Printausgabe berichteten. Der Wille, es zu bewahren, ist bei den Hindu-Nationalisten bisher nicht erkennbar. Man kann nur hoffen, dass wenigstens die wirtschaftliche Bedeutung die Touristenattraktion zu retten vermag.

Kommentare (8)

Kai (nicht überprüft)

Sa. 11 Aug 2018 - 16:13

Na und? Das ist nur ein Haufen Steine, weg damit. Es ist alles eitel.

Petra Pausch (nicht überprüft)

Mo. 13 Aug 2018 - 11:12

Antwort auf von Kai (nicht überprüft)

Meinen Sie das ehrlich? Einfach mal ein Weltkulturerbe weghauen, weil es ein "Haufen Steine" ist?

Michael (nicht überprüft)

Mo. 13 Aug 2018 - 15:04

Antwort auf von Kai (nicht überprüft)

Naja, Sie und ich sind auch nur ein Haufen Kohlenstoff, deswegen sollten wir auch nicht einfach entsorgt werden, oder? Kulturell und historisch waere es ein arger Verlust, ganz besonders wenn es wegen einem Haufen verblendeter Deisten passiert.

Adolf von Stau… (nicht überprüft)

Mo. 13 Aug 2018 - 20:40

Antwort auf von Kai (nicht überprüft)

Ich bin auch nicht religiös und mir sind die ganzen Tempel egal. Histroisch gesehen allerdings finde ich es wichtig Geschichte unserer Kultur zu erhalten.
So finde ich es auch nicht falsch, wenn der Kölner Dom erhalten wird (mithilfe von Steuergeldern) ebenso bin ich froh, dass wir in Hamburg keinen Dom haben. :-)

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

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