Türkei

Erdogan verabschiedet sich vom Laizismus

In der TAZ schreibt Cigdem Akyol über die Allmachtsfantasien des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Sie beklagt, dass ihn niemand dabei aufhält, den laizistischen Staat Türkei zu demontieren.

Ali Mehmet Celal Sengör verkörpert all das, wofür der Staatspräsident nicht steht: er wird als "Hardcore-Kemalist" beschrieben. Er gehört zu den lautesten Atheisten der Türkei – und zu den schärfsten Kritikern des Systems Erdogan.

In der TAZ wird er mit dem Satz zitiert: "In einer Zivilisation können viele Meinungen nebeneinander existieren, ohne dass sich die Menschen einander umbringen... Die Türkei hat dasselbe Kulturniveau wie Afghanistan. Denn Glauben und Politik gehören nicht zusammen, das ist keine Demokratie."

Sengör kritisiert die Politik des Präsidenten als Bedrohung für die Wissenschaft und die Zivilisation. 

Erdogan baut die Türkei in einen islamischen "Ein-Mann-Staat" um und die Regierung verabschiedet sich Schritt für Schritt von dem immer noch obligatorischen Laizismus.

Quelle

Kommentare (7)

Angelika Richter (nicht überprüft)

Di. 24 Feb 2015 - 11:59

Im Prinzip hat Herr Sengör natürlich Recht.
Aber das Problem ist nicht nur Herr Erdogan, sondern die breiten Massen, die ihm anscheinend immer noch ihre Stimme und ihr Vertrauen schenk(t)en.

Das betrifft weniger den Westen sowie auch Küstenregionen, dort sind viele aufgeklärte Menschen die das Problem Erdogan schon lange erkannt haben, Studenten sowieso. Die weitere Entwicklung betrachte ich sehr sorgenvoll und wenn die Freiheit bzw. Demokratie und Menschenrechte weiter eingeschränkt werden, sollten wir uns andere Urlaubsziele suchen. Damit bestrafen wir dann aber auch Menschen die es nicht verdient haben. Was tun?

hakan ugurluel (nicht überprüft)

Mi. 25 Feb 2015 - 08:28

Antwort auf von Bolli (nicht überprüft)

Herr erdogan ist auf dem richtigen weg Meinungsfreiheit demokrati kann nur erdogan denn westen beibringen nicht das ausrotten von Bodenschätze anderen
Länder

Nein. Das einzige was an dem o.g. Bericht objektiv ist, ist die Tatsache, dass Herr Sengör ein radikaler Verfechter des Kemalismus ist. Meine Betonung liegt hier klar auf dem Wort radikal. Das ist genau so, als wenn man einen Nationalsozialisten nach seiner Meinung zum Kommunismus frägt. Die Antwort wäre wohl auch alles andere als Objektiv. Die Berichte über Erdogan sind in unserer westlichen Presse weitab der Realität und allesamt negativ angehaucht. Ich bin überzeugt, das der laizismus z.B in Bayern mehr zu leiden hat als in der Türkei und die polizeilichen Befugnisse nicht geringer sind als dort. In Deutschland sind Kirche und Staat je nach Bundesland teilweise mehr miteinander verbandelt als in Anatolien. Kreuze hängen in klassenzimmern, die kirchensteuer wird durch den Staat eingetrieben, bischöfe mit steuergeldern bezahlt. Kann man jetzt daraus schliessen dass in Deutschland die Trennung von staat und kirche bereits abgeschafft ist und radikale Christen in der Politik am Werke sind? ich denke nein. Halbwahrheiten zu verbreiten und nur Oppositiononelle zu Wort kommen zu lassen, nur weil Sie die eigene Redaktionsmeinung befriedigen ist eine fragliche Art und Weise des Journalismus. Wer was von sich hält lässt mal beide Seiten zu gleichen Teilen zu Wort kommen und überlässt es dann seinen Lesern/Zuschauern sich eine Meinung über ein Thema bilden zu können. Dann würde man wohl eher erkennen, wie stark die Demokratie in der Türkei unter der jetzigen Regierungspartei gestärkt worden ist und warum jeder zweite türkische Wähler des 77 Millionen Volkes diese und dessen politische Führer wählt.

"Kann man jetzt daraus schliessen dass in Deutschland die Trennung von staat und kirche bereits abgeschafft ist und radikale Christen in der Politik am Werke sind?" Damit sind Sie wohl im Irrtum, denn die Trennung von Staat und Kirche wurde in DE noch gar nicht vollzogen! Und radikale Christen sind durchaus am Werke: Man studiere nur die christlich motivierte und organisierte geplante Kriminalisierung, d.h. Verbot von organisierter Sterbehilfe durch den Bundestag.
Bezgl. Türkei stimme ich Ihnen zu, wenn man die Entmachtung und Eingliederung des Militärs in den Zivilstaat betrachtet. Das ist zweifellos ein Fortschritt. Wohl aber von Erdogan vor allem deshalb durchgefochten, weil das Militär traditionell laizisitisch ausgerichtet war/ist. Die Kehrseite ist eine sicherlich nicht zu bestreitende, gezielt beförderte Islamisierung der Gesellschaft, wie nicht nur die massenhafte Umwidmung staatlicher Schulen in Religionsschulen zeigt. Religion aber war und ist überall auf der Welt ein Hindernis für Demokratie, Rechtsstaat und individuelle Grundrechte - auch in DE.

A.M. Celâl Şengör kenne ich persönlich von der 100-Jahr-Feier des (geologischen) Steinmann-Instituts in Bonn Ende 2011 (Şengör ist nach İhsan Ketin* der zweite Geologe aus der Türkei, der für seine Verdienste die Steinmann-Medaille verliehen bekam). Şengör kann als Richard Dawkins der Türkei bezeichnet werden; er ist vor allem eins - konsequent und belesen und kann einen (schon durch seine Statur) 'an die Wand' reden, auch auf Deutsch. Er macht dies gerne und m.E. in Bezug auf Erdoğan berechtigt. Letzterer hat in der Türkei etwas vor, was Rückschritt bedeutet; eine Trennung von Staat und Kirche wie dort gab es in D noch nie (s. Kommentar von valtental). Wirtschaftsboom und der populistische Konservatismus von Erdoğan blenden allerdings auch dort, besonders die Leute auf dem Land. Bei jüngeren, ausgebildeten Leuten (speziell im Westen) ist das komplett anders; eine sehr erfreuliche Entwicklung.
*İhsan Ketin wurde als Atatürk-Stipendiat zum Studium nach Deutschland geschickt, um dann als Lehrer Schüler in der Türkei auszubilden. Er fand dann so großen Gefallen daran, dass er nach dem Studium in Berlin und Bonn eben dort am Steinmann-Institut als erster Türke in Geologie promoviert wurde, dann in der Türkei die universitäre Geologie etablierte und ab Ende der 1930er Jahre als Erster die Natur der von extrem zerstörerischen Erdbeben gekennzeichneten Nordanatolischen Verwerfung erkannte und erklärte (und auf Deutsch publizierte); 1988 erhielt er die Stainmann-Medaille (Şengör 2010).

hakan ugurluel (nicht überprüft)

Mi. 25 Feb 2015 - 08:59

Ich sehe immer noch keinen islamischen land in der türkei seid erdogan regiert wo kommen immer dieser Vorurteile er selber lebt den islam das ist auch sein recht was hatt die Politik mit dem islam zu tun der islam ist unser glauben wenn es auch so wehre der islam ist menschen rechte fraun recht soziale armut Bekämpfung demokrati Meinungsfreiheit wissenschaft Forschung das ist der islam

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