Aberglaube im Ministerium

Jetzt schlägt's 13!

Das neue Sozialgesetzbuch soll nicht die Nummer 13 tragen. Stattdessen soll auf die Nummer 12 die Nummer 14 folgen. So will es das Bundessozialministerium. Aus Aberglaube.

Manchmal fragt man sich angesichts des grassierenden Irrsinns, ob die Welt noch zu retten ist. Und mitunter sind es ganz kleine Dinge, die einen verzweifeln lassen. Einen in dieser Hinsicht ungeahnten Tiefschlag landete nun das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter Führung von Minister Hubertus Heil (SPD).

Der Minister plant ein neues Sozialgesetzbuch, in welchem die Entschädigung von Opfern, beispielsweise von Terroranschlägen, geregelt werden soll. Da das bislang letzte Sozialgesetzbuch die Nummer 12 trägt (SGB XII), müsste nach den gängigen Regeln der Nummerierung das neue Sozialgesetzbuch die Nummer 13 tragen. Müsste. Wird es aber nicht tun. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen bestätigte Ministeriumssprecherin Christina Jäger am vergangenen Freitag, dass das neue Sozialgesetzbuch die Nummer 14 tragen soll (SGB XIV). So jedenfalls sieht es ein Referentenentwurf vor, der vom Kabinett voraussichtlich im Frühjahr beschlossen werden soll.

Nach dem Grund für die ungewöhnliche Nummerierung befragt, erklärte Jäger, dass "mehrere Argumente, auch von Seiten der Betroffenenverbände (…) sorgsam abgewogen" worden seien. "Letztendlich fiel die Entscheidung auf SGB XIV, weil die Argumente dafür überwogen." Welche Argumente das sind, dürfte klar sein: Der Aberglaube, die 13 sei eine Unglückszahl.

Die Angst vor der Zahl 13 entbehrt jeder rationalen Grundlage. Es ist eine erlernte Angst, da der Mythos der 13 als Unglückszahl über viele Jahrhunderte und Kulturgrenzen hinweg tradiert wurde. Bei sensiblen Gemütern kann sich diese Angst sogar zu einer waschechten Phobie steigern. Sie trägt die Bezeichnung "Triskaidekaphobie".

Dass Hotels oder Fluglinien auf den möglichen Aberglauben ihrer Kunden eingehen und Gebäude ohne 13. Stockwerk oder keinen Sitzplatz mit der Nummer 13 anbieten, ist eine Entscheidung, die ein privates Wirtschaftsunternehmen selbstverständlich legitimerweise treffen darf, wenn es sich davon einen Gewinn verspricht. Auch für Zimmereinrichtungen nach Feng Shui, astrologische Beratungen oder sonstigen abergläubischen Klimbim gibt es bekanntlich ein interessiertes Kundensegment, das zufriedengestellt werden möchte.

Etwas völlig anderes ist es jedoch, wenn Politik oder Justiz ihre Entscheidungen an Aberglauben jeglicher Art ausrichten, wie im aktuellen Fall geschehen. Auch wenn das Auslassen der Nummer 13 bei der Nummerierung von Gesetzesbüchern auf den ersten Blick niemandem zu schaden scheint, wird an solchen Entscheidungen eine gefährliche Tendenz deutlich. Denn wie geht es weiter? Lässt das Kabinett demnächst auspendeln, ob es die Bundeswehr in ein Kriegsgebiet schickt? Gibt es für Angestellte in der öffentlichen Verwaltung demnächst flächendeckend Globuli statt Grippeimpfungen? Legt die Rentenkasse unsere Gelder demnächst nach astrologischen Planetenkonstellationen an?

Aber nun ja, vielleicht kommt das Ministerium ja doch noch zur Vernunft. Angesichts solchen Irrsinns, verzapft von einem sozialdemokratisch geführten Ministerium, wären ansonsten bei der nächsten Wahl 13 Prozent für die SPD nicht überraschend. Wenn sie Glück hat.

Kommentare (36)

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 11:30

Ich frage mich jetzt natürlich, was die Vertreter der institutionalisierten Esoterik dazu sagen. Schließlich sind doch andere Aberglauben das erbliche Feindbild der beiden großen Christenkirchen. Oder schweigen sie stille, um keine schlafenden Schafe zu wecken oder einfach - ganz im Sinne eines bestimmten Petrusbriefes - unter der Knute des ach so weltlichen Staates zu kuschen?

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 11:39

Irrationales Denken wird so zur Staatspolitik, genauso wie bei der massiver staatlicher Förderung des religiösen Glaubens. Wenn diese Entscheidung Schule macht, dann werden die Gesetzartikel auch umnummeriert und "13" als offizieller Staatsfeind deklariert.

Andrea Pirstinger (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 11:42

Was bleibt da noch anderes als verschärfte Satire?
Die Bezeichnung "TRISKAIDEKAphobie" kannte ich bisher noch nicht.
Danke für die Aufklärung.

Udo Zeitvogel (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 12:06

Ich lachte ob des letzten Absatzes. Allerdings gehe ich tatsächlich eher von einer humoristischen Motivation für die Nummerierung aus als von tatsächlichem Aberglauben. Scheint mir ein PR-Gag zu sein.

David Z (nicht überprüft)

Di. 15 Jan 2019 - 14:04

Antwort auf von Udo Zeitvogel (nicht überprüft)

Ich fūrchte, die Aktion hat bei dem Thema mit Humor wenig am Hut und ist bitterer ernst. Populismus meets Aberglaube.

annen anne Nerede (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 12:44

Solange Waffen und Soldaten mit Segenssprüchen "besprochen" werden........

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 12:44

Weiterführende Fachliteratur:
https://www.der-postillon.com/2019/01/sonntagsfrage-heil-13.html

Martin Mair (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 12:58

Freitag der 13. wird in Wien von der Obdachlosenzeigung "Aufgustin" als Glückstag inszeniert ;-)

http://www.f13.at

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 13:09

....vielleicht kommt das Ministerium ja doch noch zur Vernunft.
Ha, ha, ha! Jetzt schlägt' s dreizehn!

Mal ehrlich, hat es bei einem Ministerium jemals Vernunft gegeben? Es ist eher ein Mysterium!

Kay Krause (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 13:44

Ich plädiere dafür, auch den Freitag abzuschaffen, der ja bekanntlich auch als Unglückstag gilt! Ja, sind wir denn wirklich von lauter Irren umgeben?

Also nicht alle Namen sind schlecht: Wenn einer Feierabend heißt und der Chef ruft "Feierabend" dann steigert sich doch Wert des Chefs.
Es stimmt aber, wir haben laute Irre.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 13:47

Das beweist doch wieder, dass unsere Politiker nicht in der Aufklärung angekommen sind. Ursache dürfte wohl die frühkindliche Prägung mit Glauben, bzw. Aberglauben - was ja wohl dasselbe ist - sein.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 14:52

"Welche Argumente das sind, dürfte klar sein: Der Aberglaube, die 13 sei eine Unglückszahl."
Dürfte oder ist?

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 15:10

Mich wundert das nicht, dass der Herr Bundesminister für Arbeit und Soziales Herr HEIL,
derartig abergläubisch ist, denn er glaubt ja auch an die Märchen in der Bibel, aber nur mit dieser Grundtendenz kann man in der Politik der BRD etwas werden.
Traurig genug das wieder einmal die Vernunft verliert, wie so oft in unserem Rechtsstaat.

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Di. 15 Jan 2019 - 10:17

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Und Gott sprach."Jeder Mensch sei zu etwas Nütze und sei es als abschreckendes Beispiel!"

Minister zu sein ist kein Amt, es ist ein Wunder!!

fritzi (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 15:47

......der weg vom dummi zum dhimmi ist nicht weit......

Roland Schütze (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 18:07

Chapeau! Das Heilsche Ministerium ist auf der richtigen Spur. Diese wird aber leider nicht bis an die Wurzel des Übels zurückverfolgt: das System der natürlichen Zahlen. Hier sollte man nach meiner Überzeugung eine längst überfällige Korrektur vornehmen: ...9, 10, 11, 12, 14, 14, 15, 16... Bei dem zu erwartenden sorgsamen zeit-, energie- und geldfressenden Abwägungsprozess stehe ich Herrn Heil gerne zur Verfügung.

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Mo. 21 Jan 2019 - 09:06

Antwort auf von Roland Schütze (nicht überprüft)

Besser wäre auf binären Zahlensystem unzusteigen und so zählen wie jeder normaler Computer: 0, 1, 10, 11, 100, 101, usw.

Sven F (nicht überprüft)

Mi. 27 Feb 2019 - 12:19

Antwort auf von Konrad Schiemert (nicht überprüft)

"Besser wäre auf binären Zahlensystem unzusteigen und so zählen wie jeder normaler Computer: 0, 1, 10, 11, 100, 101, usw."

Aber dann bitte die Unglückszahl 1101 auslassen!

Erich Mauerböck (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 18:18

Als DER ANTICHRIST steht es mir ganz offensichtlich zu, hiermit den 13. Kommentar abzugeben!

Kay Krause (nicht überprüft)

Mi. 16 Jan 2019 - 07:01

Antwort auf von Erich Mauerböck (nicht überprüft)

Dreizehn Kommentar' sind nicht genug,
für diesen neuen (dummen) Volksbetrug!
Warum nimmt er mit Kommentar nicht teil,
der Esotherik-Mi (ni) ster Heil?
Dieser wohlgenährte Mann,
war mir doch von Anfang an,
suspekt und nicht geheuer;
doch so langsam (ich sag's ehrlich)
halt' ich ihn für unentbehrlich,
wird er mir lieb und teuer!
In der Bibel hab' ich es gelesen:
12 Apostel sind es einst gewesen,
die den Heiland stets begleiten.
Heil kam erst zu viel spät'ren Zeiten,
um die böse dreizehn zu vermeiden.
Und so hat doch dieser kluge Mann,
dem Weltenfrieden gut getan(?)

Thorsten (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 19:43

12 Kommentare aktuell... bringt das Unglück, wenn ich jetzt was schreibe? Nein, die Welt ist wohl nicht zu retten... aber vielleicht bin ich ja auch der 14.

Torge Wegner (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 21:11

Erschreckend die völlige Missachtung oder Unkenntnis wissenschaftlich-psychologischer Argumente. Phobien/Aberglaube werden erwiesenermaßen durch Vermeidung stärker! Außerdem treten sie häufiger auf, weil Maßnahmen wie oben genannte Aufmerksamkeit erregen und den Eindruck erwecken, die Phobie sei berechtigt.
Die Maßnahme des Bundessozialministeriums erzeugt also langfristig das Gegenteil von dem, was sie bezwecken soll.
Es sollte offensichtlich sein, dass ein adäquates Mittel gegen Phobien die Ursachen betrachtet und nicht die Symptome.

Götz (nicht überprüft)

Mo. 14 Jan 2019 - 21:57

Ich finde das richtig. Die Zahl 13 hat in der bisherigen Gesetzgebung nur Unglück gebracht. Hier 3 Beispiele: Art. 13 Grundgesetz „(1) Die Wohnung ist unverletzlich.“ Eine unnötige bürokratische Hürde für die Polizei, sonst nichts. Oder § 13 BGB: Hier wird der Verbraucher definiert. Jedem ist bekannt, dass der Verbraucher maßgeblich zur Umweltverschmutzung beiträgt. Schließlich § 13 StGB: „Begehen durch Unterlassen“ Eine Vorschrift, die ohnehin niemand versteht und wenn, bedeutet sie sie für den Verurteilten nichts wie Unglück.

Susann Bur (nicht überprüft)

Di. 15 Jan 2019 - 09:29

Es geht doch nichts über qualifiziertes politisches Personal, das es versteht, die WIRKLICHEN sozialen Problem schnell und einfach im Sinne der Bevölkerung zu lösen.
(Sarkasmus Ende)

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Di. 15 Jan 2019 - 12:52

Das dürfte jetzt der dreizehnte Kommentar sein. Und nun?

René (nicht überprüft)

Mi. 16 Jan 2019 - 14:04

Antwort auf von Stefan Dewald (nicht überprüft)

Neee, auch Deiner war kein Treffer. Genausowenig wie die Beiträge der obigen beiden Spekulanten. Ihr habt alle einfach Unglück mit der 13.

Andreas Leber (nicht überprüft)

Di. 15 Jan 2019 - 13:57

Beim Postillon kann man darüber abstimmen, was davon zu halten ist: https://www.der-postillon.com/2019/01/sonntagsfrage-heil-13.html

Ich habs ja zuerst nur für Satire gehalten, aber oh Schreck, es scheint ernst zu sein ...!

David Z (nicht überprüft)

Di. 15 Jan 2019 - 13:59

Nur ein weiterer Tropfen in den sich stetig fūllenden Eimer der Unvernunft, den unsere Politiker fröhlich vor sich hertragen.

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Mi. 16 Jan 2019 - 13:21

Antwort auf von David Z (nicht überprüft)

Es gibt und gab nie vernünftige Politiker. Vernünftig waren stets ihre Gegner.

David Zahn (nicht überprüft)

Sa. 19 Jan 2019 - 16:42

Antwort auf von Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Ja, eine Frage der Perspektive. Gelegentlich kann aber auch noch das gute alte Argument mit in die Bewertung eingebunden werden.

Kay Krause (nicht überprüft)

Di. 15 Jan 2019 - 18:30

Frage1) : sprechen Minister sich eigentlich mit ihrer Parteiführung (bzw.der Kanzlerin) ab, bevor sie solchen Unfug unterzeichnen?
Frage 2.) schon mehrfach von mir gestellte Frage, offensichtlich wagt niemand sich an eine Antwort heran?: Wo endet "Glaube", und wo beginnt "Aberglaube"? Und - bittesehr: Wer entscheidet das?

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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