Absonderliche Verurteilungen der Vereinten Nationen gegen Israel

Ein aufklärerisches Buch gegen einseitige Zerrbilder

Israelische Flagge

Der Publizist Alex Feuerherdt und der Politikwissenschaftler Florian Markl kritisieren in ihrem Buch "Vereinte Nationen gegen Israel. Wie die UNO den jüdischen Staat delegitimiert" die im Titel angesprochene absonderliche Verurteilungspraxis. Auch wenn man den beiden Autoren eine einseitig pro-israelische Beschreibung zuschreiben will, stimmen doch die notwendigen Einwände gegen den falschen Maßstab, der für die Politik des jüdischen Staates häufig angelegt wird.

Bei der Diskussion über den Nahostkonflikt kann man mitunter hören: "Aber Israel ist doch mehrfach von den Vereinten Nationen verurteilt worden …" Dem ist tatsächlich so: Der 2006 gegründete UN-Menschenrechtsrat verurteilte diesen Staat bis 2015 62 Mal, während alle anderen Staaten nur 55 Mal verurteilt wurden. Da es viele Diktaturen mit erheblichen Menschenrechtsverletzungen unter den Nationen gibt, erscheint hier Israel wie der "Obermenschenrechtsverletzer" der Welt.

Hier kann verständlicherweise irgendetwas nicht stimmen. Noch absonderlicher wird es, wenn man einzelne Entscheidungen betrachtet: 2015 wurde auf der Jahressitzung der UN-Frauenrechtskommission ein einziger Staat für die Verletzung von Frauenrechten verurteilt. Es war aber weder Afghanistan noch Iran, weder Pakistan noch Saudi-Arabien, sondern Israel. Diese beiden Daten machen deutlich, dass von einer angemessenen Einschätzung gegenüber dem jüdischen Staat nicht gesprochen werden kann. Doch warum agieren die UN derart einseitig gegen ihn?

Antwort auf diese Frage geben wollen der Publizist Alex Feuerherdt und der Politikwissenschaftler Florian Markl in ihrem Buch "Vereinte Nationen gegen Israel. Wie die UNO den jüdischen Staat delegitimiert". Darin geht es zunächst um die Vorgeschichte der Gründung Israels und des UN-Teilungsplans von 1947. Danach erörtern die Autoren die Frage, inwieweit die Entstehung Israels eben durch den UN-Beschluss erfolgte.

Was grundsätzliche UN-Resolutionen zum Rückzug aus den "besetzten Gebieten" und zum "Rückkehrrecht" für Palästinenser konkret bedeuten würden, thematisieren sie anschließend im Rückblick auf die Entwicklungen in den 1950er und 1960er Jahren. Für den Beginn der 1970er Jahre konstatieren Feuerherdt und Markl danach einen Bruch der bisherigen eher pro-israelischen und die Hinwendung zu einer anti-israelischen Orientierung in der UN, was auf die Entstehung neuer Staaten nach der Entkolonialisierung, den Einsatz der "Öl-Waffe" durch die OPEC-Staaten und den Aufstieg der Palestine Liberation Organization (PLO) als politischen Faktor zurückgeführt wird.

Buchcover
Buchcover (Link zum Verlag)

Dabei betonen die Autoren, dass gerade die Deutung des Kampfes gegen Israel als "antiimperialistisch" und "progressiv" bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber dem palästinensischen Terrorismus zu einem Wandel beitrug. Den inhaltlichen Tiefpunkt habe man durch die "Zionismus ist Rassismus"-Resolution von 1975 erreicht, wobei deren politische Entstehung wie der spätere Abschied davon genauer thematisiert werden.

Dann wird noch ausführlicher dargestellt und kommentiert, wie einzelne UN-Gremien mit Israel umgehen, ob dies das Flüchtlingshilfswerk, die Frauenrechtskommission, die Gesundheitskommission, die Kulturorganisation, die Menschenrechtskommission oder Nicht-Regierungsorganisationen in deren Umfeld sind. Bilanzierend schreiben die beiden Autoren, es sei angesichts der kontinuierlichen absurden und unverhältnismäßigen Verurteilungen "keineswegs abwegig, die Vereinten Nationen mit ihren Unter- und Nebenorganisationen als größte antizionistische Organisation der Welt zu bezeichnen" (Seite 282).

Man mag den Autoren auch bei den historischen Beschreibungen eine einseitig pro-israelische Orientierung zuschreiben, gleichwohl kann ein solcher Einwand nicht die berechtigte Kritik minimieren, welche bei der Kommentierung der Politik Israels durch die unterschiedlichen UN-Gremien vorgetragen wird. Allein schon die einleitend erwähnten beiden Beispiele machen deutlich, dass bei Israel mit einem falschen Maß gemessen wird.

Doch woran liegt das genau? Hier sind die Autoren interessanterweise etwas zurückhaltend. Der Anfang der 1970er Jahre erfolgte Wandel wird differenziert und überzeugend veranschaulicht. Auch weisen Feuerherdt und Markl gegen Ende auf den Antisemitismus als Bedingungsfaktor hin, indessen ohne hier eine genaue Erläuterung zum Wirkungszusammenhang vorzunehmen. Deutlich wird in der Gesamtschau, dass das moralische Ansehen der UN angesichts solchen Vorgehens stärker hinterfragt werden muss. Wenn Diktatoren-Vertreter über Menschenrechtsverletzungen Israels richten sollen, dann ist mehr als nur etwas faul im Staate der UN.

Alex Feuerherdt/Florian Markl: "Vereinte Nationen gegen Israel. Wie die UN den jüdischen Staat delegitimiert", Berlin 2018 (Hentrich & Hentrich-Verlag), 333 Seiten, 24,90 Euro

Kommentare (6)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 27 Mär 2019 - 11:38

"Hier sind die Autoren interessanterweise etwas zurückhaltend."
Ja, warum nur?

Martin Mair (nicht überprüft)

Mi. 27 Mär 2019 - 15:08

Ist die Bezeichnung "jüdischer Staat" doch nicht eine Art von Rassismus? Nationalstaaten sind ja willkürlich, weil es ja auf EINEM Gebiet gemäß der autoritären Nationalstaatenlogik nicht mehrere Nationalstaaten geben darf.

Nationalismus in dieser Form ist und bleibt ein Übel! Der hpd wird immer unglaubwürdiger!

Peter Müller (nicht überprüft)

Do. 28 Mär 2019 - 12:07

"Ein aufklärerisches Buch gegen einseitige Zerrbilder"

"Auch wenn man den beiden Autoren eine einseitig pro-israelische Beschreibung zuschreiben will..."

Das widerspricht sich ja schon gleich im ersten Satz. Da braucht man gar nicht erst weiter zu lesen um zu wissen, dass da nur noch das übliche Hasbara-Gelaber kommt.

Manfred H. (nicht überprüft)

Fr. 29 Mär 2019 - 11:14

Antwort auf von Peter Müller (nicht überprüft)

Passen Sie auf: Sie repräsentieren im konkreten Falle "man" und "wollen"...
Lassen Sie sich den von Ihnen kritisierten Satz einfach nochmal durch den Kopf gehen.

Werner Rohr (nicht überprüft)

Fr. 29 Mär 2019 - 11:20

Es ist eben keine gute Idee einen Staat auf dem Gebiet anderer Völker zu gründen mit der schönen Begründung ein GOTT habe einem das Land in einem "heiligen" Buch versprochen.Wenn dann die ursprüngliche Bevölkerung rigide vertrieben oder umgebracht wird wenn sie sich wehrt muss man sich schon die eine oder andere Kritik daran gefallenlassen.

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mo. 1 Apr 2019 - 22:44

Antwort auf von Werner Rohr (nicht überprüft)

Nicht die Israelis haben sich dieses Land genommen, sondern die Engländer, unter deren Völkerbundsmandat das Land verwaltet wurde, haben es ihnen gegeben. Den Krieg haben die "Vereinigten Arabischen Armeen" begonnen und verloren. Israel hat sich daraufhin erobertes Gebiet einverleibt, so wie das Russland und Frankreich 3 Jahre vorher in Deutschland auch gemacht hatten. Hätten sich die Palästinenser mit den Realitäten ebenso arrangiert wie die Deutschen nach ihrem verlorenen Krieg, könnten sie evtl. heute eine gute Nachbarschaft mit den Israelis pflegen - so wie wir mit den Franzosen. Aber dazu gehören eben Intelligenz und Pragmatismus.

Armin Pfahl-Traughber

Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, Jg. 1963, ist hauptamtlich Lehrender an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung mit den Schwerpunkten "Politischer Extremismus" und "Politische Ideengeschichte". Außerdem gibt er seit 2008 ebendort das "Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung" heraus.

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