Michael Schmidt-Salomon im Interview

Evolutionärer Humanismus als Glaubensform

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk bezeichnet der Philosoph Michael Schmidt-Salomon den evolutionären Humanismus als eine "alternative Glaubensform".

Der evolutionäre Humanismus basiert jedoch auf den Erkenntnissen der Naturwissenschaften und steht damit im krassen Gegensatz zu den Religionen.

Das Gespräch ist auf der Seite des Deutschlandfunks nachzuhören.


Nachtrag: Auffällig dabei ist, dass Michael Schmidt-Salomon die Aussagen mit der "Glaubensform" im Interview selbst nicht sagt, sondern dass der Deutschlandfunk ihm das in seinem Begleittext unterstellt.

Kommentare (5)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 15 Apr 2015 - 08:27

Hmm. Wenn der ev. Humanismus (dank naturwissensch. Erkenntnisse) "im krassen Gegensatz zu den Religionen" steht, wie kann er dann eine "alternative Glaubensform" sein? Das ist (für mich) völlig unhaltbar.
Und wenn die menschliche Weiterentwicklung ein Faktum ist, brauche ich daran nicht zu glauben. Für mich ist das eine Erkenntnis, vorläufiges Wissen; nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Und ganz sicher ist das Universum in gewissem Sinn geheimnisvoll (eben weil vieles ungeklärt ist); aber werden deswegen religiöse Gefühle erzeugt? Bei mir nicht. Ich erlebe jedoch gewisse (allerdings ganz und gar unreligiöse) Hochgefühle, wenn ich durch ein Teleskop z.B. die sich in ihrer Position stündlich verändernden Jupitermonde, den gegenwärtigen Jupiter-Epizyklus oder die Plejaden betrachte. Das erzeugt bei mir noch nicht einmal Spiritualität, sondern einfach nur Glück. In Reinform.

Es sei nicht verschwiegen (MSS erwähnte das im Interview nicht), dass J. Huxley "sich für eine neue Religion aussprach, die kompatibel mit der Wissenschaft sei" (Quelle: Artikel "Evolutionärer Humanismus" in de.wikipedia.org). Inwiefern er jedoch mit 'Religion' explizit den ev. Humanismus meinte, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin aber froh, dass es in der Giordano Bruno Stiftung keine Götter, Gurus oder heilige Bücher etc. und mithin keine Religion gibt. Sondern der ev. Humanismus dort m.E. als kritisierbare, entwicklungsfähige Weltanschauung aufgefasst wird. Insofern bin ich eins mit dem interviewten MSS.

"Wenn der ev. Humanismus (dank naturwissensch. Erkenntnisse) "im krassen Gegensatz zu den Religionen" steht, wie kann er dann eine "alternative Glaubensform" sein?"
.
Er kann es sein, weil er im Gegensatz zu den als gesellschaftliche Machstruktur durch intellektuelle Unredlichkeit pervertierten traditionellen Religionen auf einer intellektuell redlichen und also ehrlichen, säkular-religiösen inneren Einstellung beruht ohne Festlegung auf Dogmen: Glauben im wissenschaftlichen Sinne als Vermutung, die jederzeit verifiziert und falsifiziert werden kann und laufend verifiziert und falsifiziert werden muss.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 17 Apr 2015 - 01:08

Antwort auf von C.Scherg (nicht überprüft)

Den Dummfug und inneren Widerspruch von "säkular-religiös" haben wir nun im gbs-Forum genug durchgekaspert. Und "Glauben im wissenschaftlichen Sinne als Vermutung" ist eben KEIN religiöser Glaube, sondern Annahme vorläufigen Wissens, und zwar ohne jegliche - wie Du inzwischen (!) richtig konstatierst: - Dogmen. Der Unterschied zum kritikimmunen Dogmenwahn von Religionen ist da ja so offensichtlich wie kaum sonst etwas.

Hier im Speziellen, wie auch in der (Schein)Auseinandersetzung Wissenschaft versus Glaube, wird die Thematik simplifiziert. Die meisten Menschen und ich selber haben keine schwarz-oder-weiß Weltanschauung. Die schwangere Frau z.B. kann nur glauben, dass es gut ist, ein neues Leben in die Welt zusetzen. Gleichsam weiß sie aus Erfahrung, dass eine Schwangerschaft 9 Monate dauert. Und von zwei solcher gleich denkenden Frauen mag vielleicht eine in der Kirche sein, die andere nicht. Die eine mag hoffen oder gar glauben, es gebe ewiges Leben, die andere nicht. Was ich also hier - hpd - im Zusammenhang Glaube versus Wissenschaft überwiegend wahrnehme, ist in der Summe eine ideologisch konstruierte Schimäre, welche wissenschaftliche Einheit vorgaukelt und im Grunde eine Argumentensammlung gegen alles ist, was mit "Kirche" - wer immer das sein mag - in Zusammenhang gebracht werden soll.
Aber wirkliche Menschen haben nicht nur eine Identität. Und sie entziehen sich der hier überwiegend gebotenen kleinkarierten und unwissenschaftlichen Herangehensweise an Themen wie Wissen, Glauben, Hoffen und Zweifeln von Menschen.
Schaut mal über dieses Forum hier hinaus. Ihr werdet feststellen, dass es bzgl. Wissen und Glauben bei Menschen eine erstaunliche Vielfalt zu entdecken gibt.

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