Schweiz
Trennung von Staat und Kirche muss endlich angepackt werden
Foto: gemeinfrei (wikimedia)
BERN (CH). (hpd) Die Schweiz figuriert in der kürzlich veröffentlichten WIN/Gallup-Studie unter den 15 am wenigsten religiösen Ländern der Welt. Nur noch 38 Prozent der Einwohner bezeichnen sich hierzulande als religiös. Die Freidenker fordern deshalb: Die Politik muss diesen gesellschaftlichen Wandel endlich aufnehmen und Staat und Kirche entflechten und die Religionskunde in der Schule modernisieren.
Der Trend ist klar und unumkehrbar: je jünger, desto unbedeutender die Rolle der Religion. Nur 26 Prozent der 18- bis 24-Jährigen bezeichnet sich in der Schweiz als religiös, bei den 25- bis 34-Jährigen sind es auch nur 30 Prozent. Einzig bei den über 65-Jährigen gibt noch eine knappe Mehrheit von 55 Prozent an, religiös zu sein. (Datenblatt Schweiz)
Mit der Abnahme der Religiosität verliert auch die gesellschaftliche Rolle der Religionsgemeinschaften an Bedeutung. Die Gründe für ihre Privilegierung durch den weltlichen Staat sind nicht mehr gegeben. Die Aufgabe des Staates ist primär, ihre Kultusfreiheit in den Grenzen des Rechtsstaates sicherzustellen. Dies bedingt keine öffentliche Anerkennung und schon gar keine pauschalen Subventionierungen. Abgeltungen sollen nur für Leistungen erbracht werden, die tatsächlich im Interesse der Allgemeinheit erfolgen, und die keinerlei missionarischen Charakter haben. Die staatlich geschaffene Monopolstellung der Kirchen beispielsweise in der Spitalseelsorge muss beendet werden, denn sie wird den Bedürfnissen der Bevölkerungsmehrheit nicht gerecht.
Insbesondere muss die säkulare Realität unserer Gesellschaft endlich auch im Bildungssystem Berücksichtigung finden, fordert der Präsident der Schweizerischen Freidenker-Vereinigung, Andreas Kyriacou. "Es muss vermittelt werden, dass ethisches Handeln nicht von religiösem Glauben abhängt und dass Kindern aus nicht-religiösen Familien nichts fehlt. Das Zürcher Schulfach 'Religion und Kultur' etwa zeichnet ein Bild, das mit der gesellschaftlichen Realität nichts zu tun hat: Es wird suggeriert, Religion sei omnipräsent und ein Grundbestandteil des Lebens eines jeden Einzelnen. Die Kinder werden so dargestellt, wie sie die Autoren gerne hätten, nicht, wie sie sind." Das Zürcher Fach müsse deshalb grundlegend überarbeitet werden, fordert Kyriacou. Ethik sei in den Vordergrund zu stellen, die Religionskunde könne in den Geschichtsunterricht eingebettet werden.
Pressemitteilung der Freidenker Schweiz
Kommentare (7)
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religion in den
religion in den geschichtsunterricht einbetten XD
Oeffentliche Kirchgemeinden
Oeffentliche Kirchgemeinden soll es auch in Zukunft geben. Das heisst aber nicht, dass jeder einer Landeskirche angehören muss. Auch sollten die Gebäude vielseitig (auch von andern) genutzt werden dürfen und jedermann kirchliche Feiertage nach seinem Gutdünken begehen können, sofern jedermann auch zu seinem Recht kommt. Doch eine Entflechtung analog Freidenker ginge zu weit, denn der Staat gibt ja auch für andere Einrichtungen Geld aus, z. B. Sportstadione, grosse Schauspielhäuser und Veranstaltungen, welche auch nicht jedermann benutzt. Was heisst Freidenker ? - Jeder von uns hat seinen Glauben und denkt frei. Es steht keiner Gruppe zu, alles von sich zu weisen, was nicht in ihr Konzept passt. Ich sehe die Situation eher, dass die meisten von uns grundsätzlich Gott nicht in Frage stellen, eher sind sie mit ihrer Kirche unzufrieden und wenden sich deshalb von ihr ab. Uebrigens wurden ethische und rechtliche Grundsätze auch aus der Religion übernommen (vgl. 10 Gebote in der Bibel).
Ihr pragmatischer Ansatz zur
Ihr pragmatischer Ansatz zur Verflechtung von Kirche und Gesellschaft in Ehren, aber die Vergleichbarkeit hinkt doch ein wenig:
"Doch eine Entflechtung analog Freidenker ginge zu weit, denn der Staat gibt ja auch für andere Einrichtungen Geld aus, z. B. Sportstadione, grosse Schauspielhäuser und Veranstaltungen, welche auch nicht jedermann benutzt."
Die von Ihnen genannten Institutionen haben einen objektiven Wert. Der ist jedoch bei Kirchen kaum bis gar nicht erkennbar. Echte Tätigkeiten, wie das Betreiben von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern oder karitativen Einrichtungen brauchen keine Religion, um zu funktionieren. Stattdessen wird dort auf Staatskosten missioniert. Genauso Religionsunterricht etc. Das sind völlig zweckfreie Veranstaltungen, die a) Steuergeld kosten und b) wiederum der Missionierung dienen.
"Ich sehe die Situation eher, dass die meisten von uns grundsätzlich Gott nicht in Frage stellen, eher sind sie mit ihrer Kirche unzufrieden und wenden sich deshalb von ihr ab."
Wäre dies so (Umfragen belegen das Gegenteil), dann wäre dies ein weiterer Grund, Kirchen jegliche Form der Missionierung auf Staatskosten zu nehmen. Denn Religion ist in ihrem Markenkern sinnlos, weil sie letztlich auf Märchen aus einer bronzezeitlichen Hirtenkultur im vorderen Orient basiert. Das hat mit hier und heute nichts zu tun.
Als Privatsache mag gerne jeder jeden Spleen verfolgen, doch bitte aus seinem eigenen Geld finanziert oder ehrenamtlich.
Deshalb: GOTT UND STAAT SEPARAT!
Herr Kammermeier, ich lasse
Herr Kammermeier, ich lasse Ihnen Ihren Glauben, doch jeder Mensch hat irgend ein Interesse, sei es Sport, Mode, Kultur oder er findet Halt im Glauben. Dies alles ist immer noch besser als in Alkohol oder Suchtmittel zu versinken und im Leben nicht mehr weiter zu wissen. Es sind zweierlei Situationen, ob es einem gut geht oder schlecht. Wie urteilt man bei letzterem ? - Ich könnte dies im heutigen Zeitpunkt auch nicht beurteilen und wäre nötigenfalls um Hilfe auch von anderer Seite froh. Es gibt keine Einrichtung, welche alle Interessen gleich abdeckt. Einen Kontakt zu Andersdenkenden zu haben, schadet niemand, auch wenn man es zum Teil mitfinanziert. Umgekehrt war noch niemand unglücklich, wenn er nötigenfalls von andern Hilfe erhielt.Leider geht es heute bei vielen Bürgern nur nach der Aussage "recht ist, was mir nützt".
Bei uns in Regensburg geht es
Bei uns in Regensburg geht es mit der r.-k. Kirchensteuerkirche massiv bergab:
03.2014 - 56,1% r.-k. Mitglieder
03.2015 - 54,6% r.-k. Mitglieder
Die ev. Kirchensteuerkirche hat nach meiner Hochrechnung 2014 in Deutschland 1,8% ihrer Mitglieder verloren.
Siehe: http://www.monopole.de/aktuelles/kirchenaustritte-steigerung-evangelische-landeskirchen-2013-2014/
Von den ev. Mitgliedern gehen unter 3,4% am Sonntag in die Kirche, von den r.-k. Mitgliedern 10%. Die Kirchenbindung ist relativ schwach und verfällt weiter. Jahr für Jahr gibt es ungefähr 2% weniger Taufen.
"Der Trend ist [...]
"Der Trend ist [...] unumkehrbar" würde ich mich nicht wagen zu behaupten, auch wenn dies aus einer religionskritischen Perspektive wünscherwert erscheinen kann.
Wer sich die Mühe macht die
Wer sich die Mühe macht die Quelle der Daten, eine WIN/Gallup-Umfrage, aufzusuchen, der wird sich die Augen reiben: Die Ergebnisse der globalen Umfrage zeigen praktisch insgesamt genau das Gegenteil des hier lokal festgestellten Trends. -- Es gibt demnach weltweit nach wie vor eine große Mehrheit religiöser Menschen und da gerade junge Menschen religiös seien, sollte die Bedeutung der Religion eher zu denn abnehmen. Das erscheint ebenso bedenkenswert wie bedenklich.