Vincent Bolloré: Christlicher Rollback für Frankreich

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Vincent Bolloré (2013)
Vincent Bolloré (2013)

Nach dem Vorbild von Peter Thiel betreibt der Multimilliardär Vincent Bolloré einen christlichen Thinktank, um mit einer konservativ-katholischen Agenda Einfluss auf die französische Politik und die Präsidentschaftswahlen 2027 zu nehmen.

Unter dem Namen "L’Institut de l’Espérance" ("Institut der Hoffnung") hat der Medienunternehmer einen neuen politischen Akteur geschaffen. Bolloré, der rechten und ultrakonservativen Kreisen nahesteht, hatte bereits vor wenigen Wochen für Aufsehen gesorgt: Nach der überraschenden Entlassung von Oliver Nora, dem Leiter des renommierten Verlagshauses Grasset, verließen rund 200 Autorinnen und Autoren aus Protest gegen Bolloré den Verlag – darunter prominente Namen wie Bernard-Henri Lévy und Virginie Despentes. Beobachter vergleichen Bollorés Einfluss aus gutem Grund mit Medienmogulen wie Berlusconi oder Murdoch.

Jetzt folgt mit dem Hoffnungsinstitut die nächste Volte des bretonischen Milliardärs. Laut Vereinsregister ist der Zweck des Instituts so definiert: "Ein christlich inspirierter Ort der Reflexion, der Menschen zusammenbringt, die daran interessiert sind, im Dienste des Gemeinwohls vernünftige Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu empfehlen, wobei sie sich zur Förderung dieser Lösungen auf kompetente, mutige und entschlossene Persönlichkeiten stützen." Hinter dieser wohlklingenden Rhetorik verbirgt sich ein klar umrissenes politisches Programm.

Religion als politische Agenda

Das US-Medienunternehmen Bloomberg berichtete unlängst über ein 36-seitiges Grundsatzpapier, in dem 100 Maßnahmen zu verschiedenen Themen vorgeschlagen werden, die der extremen Rechten seit jeher am Herzen liegen und die die rassistische Theorie einer "nationalen Präferenz" vorantreiben sollen. So befürwortet der Thinktank die Wiedereinführung von Schuluniformen und Flaggenzeremonien in den Schulen, zudem sollen Sozialwohnungen nur an französische Staatsbürger vergeben werden.

Zugleich wird eine stärkere Verankerung "christlicher Werte" im öffentlichen Leben gefordert. Besonders deutlich wird dies beim Thema Abtreibung: Das Institut plädiert dafür, bestehende Gesetze zu kippen, damit es wieder straffrei ist, vor Abtreibungspraxen zu demonstrieren und so Schwangerschaftsabbrüche zu behindern. Damit wird ein zentraler Pfeiler liberaler Gesellschaftspolitik offen infrage gestellt.

Bolloré selbst, der nach eigenen Angaben eine religiöse Erweckungserfahrung hatte, als ihm vor Jahren in einer Grotte in den Pyrenäen die Mutter Gottes erschienen sei, macht aus seiner Nähe zum Rassemblement National und dessen Vorsitzenden Jordan Bardella keinen Hehl. Seine politischen und medialen Aktivitäten zielen erkennbar darauf ab, konservativ-religiöse Positionen im laizistischen Frankreich stärker im öffentlichen Diskurs zu verankern.

Der 74-jährige Unternehmer steht damit nicht allein. Wie Peter Thiel gehört er zu einer internationalen Bewegung einflussreicher und extrem wohlhabender Akteure, die Religion gezielt als politisches Instrument im Kulturkampf einsetzen. Was als "Hoffnung" etikettiert wird, erweist sich bei näherem Hinsehen als Versuch, gesellschaftliche Errungenschaften zurückzudrehen und religiös begründete Normen wieder stärker zur Grundlage staatlicher Politik zu machen.

Der Konflikt, den Bolloré befeuert, reicht weit über Frankreich hinaus. Er steht exemplarisch für einen breiteren Trend: die Renaissance eines politisierten Christentums, das nicht auf spirituelle Orientierung zielt, sondern auf Macht und die Einschränkung einer liberalen, säkularen Gesellschaft.

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