Bund für Geistesfreiheit München
Entfernung der "Judensau"-Skulpturen an bayerischen Kirchen gefordert
Foto: © Superbass, Wikimedia CC BY-SA 4.0
Der Bund für Geistesfreiheit München (BfG München) schließt sich der Forderung von Felix Klein, dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, an. Klein möchte erreichen, dass das "Judensau"-Relief an der Lutherkirche in Wittenberg entfernt wird.
In Deutschland gibt es mindestens 20 solcher Schmähskulpturen an christlichen Kirchen - in Bayern z.B. an Kirchen in Bayreuth, Regensburg, Nürnberg oder Bamberg, worauf der bfg München schon seit vielen Jahren aufmerksam macht.
Angesichts des Terroranschlags auf die Synagoge in Halle auf, fordert der bfg München die katholische und evangelische Kirche in Bayern auf, endlich ein Zeichen zu setzen:
"Gerade in einer Zeit, in der sich Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft weiter ausbreiten, müssen solche Schmähskulpturen an christlichen Kirchen entfernt werden. Oder sie werden mit Hinweistafeln versehen, die deutlich machen, dass die 'Judensau'-Reliefs Ausdruck des im Christentum Jahrhunderte lang verbreiteten und geschürten Hasses gegen Juden sind, der zu Vertreibungen, Raub, Pogromen und schließlich zum Mord an den europäischen Juden durch die Nazis führte. Das ist bisher bei den wenigsten Hinweistafeln der Fall", sagt Michael Wladarsch, Vorsitzender des bfg München gegenüber dem hpd.
Das Bildmotiv der "Judensau" entstand im Hochmittelalter als häufiges Bildmotiv der antijudaistischen christlichen Kunst. "Es sollte Juden verhöhnen, ausgrenzen und demütigen, da das Schwein im Judentum als unrein (hebr. tame) gilt und einem religiösen Nahrungstabu unterliegt. Spottbilder mit dem Judensaumotiv sind seit dem frühen 13. Jahrhundert belegt und auf Steinreliefs und Skulpturen an etwa 30 Kirchen und anderen Gebäuden vor allem in Deutschland bis heute zu sehen." (Wikipedia)
Bereits seit den 1830er Jahren sind Schimpfwörter wie "Judensau" oder "Judenschwein" in der deutschsprachigen Literatur belegt. "Die Nationalsozialisten griffen diese Bildmotive und Schimpfwörter auf und verwendeten sie zur Hetze, Verleumdung, Demütigung und Bedrohung." Die Nutzung dieser Ausdrücke kann hierzulande als Volksverhetzung geahndet werden. Umso unbegreiflicher, dass die entsprechenden Figuren an Kirchen in Deutschland bislang ohne Konsequenzen blieben.
Kommentare (20)
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Das zeigt doch deutlich die
Das zeigt doch deutlich die wahre Gesinnung unserer " Christlichen" Regierung, dass man diese Schandmale nicht gleich nach 1945 entfernt hat und dies ist Wasser auf die Mühlen der ewig Nationalen in der AfD.
Widerspruch: ein Schandmal
Widerspruch: ein Schandmal ja - aber wofür ? Gerade deshalb sollte man es - d.h. die Judensau - original belassen, weil in hohem Maße anschaulich. Sonst glaubt man "es" ja kaum; Bücher zu dieser kriminellen europäisch-christlichen Geschichte werden ja so häufig nicht gelesen. Diese verschwindet doch nicht, indem man eine Skulptur
verschwinden lässt.
Wie weit sind wir gesunken.
Wie weit sind wir gesunken. Das Relief „Die Judensau „ stellt Menschen jüdischer Herkunft dar, die auf das Abartigste was es gibt dargestellt werden. Einer hebt den Schwanz der Sau und schaut in den Hintern hinein, während die anderen unter der Sau liegen. Das zeigt an, dass Juden weniger Wert sind als ein Schwein.
So eine Denunzierung im 21. Jahrhundert die sogar noch von Gerichten als Historie angesehen wird, ist die größte Schande für uns Deutsche. Ich frage mich? Welcher Hinderungsgrund steckt dahinter solche furchtbare Reliefs zu beseitigen die sogar an Kirchen angebracht sind.
Ich schäme mich jedenfalls, dass niemand fähig ist hier einzugreifen.
Die „Judensäue“ sollen ruhig
Die „Judensäue“ sollen ruhig an den Kirchen bleiben. Sie sind der Beweis, dass Anti-Judaismus und Anti-Semitismus von den Kirchen ausging und immer noch ausgeht. Seien sie uns eine Mahnung.
Die Beleidigung der Juden wird heute lediglich in anderer Form fortgesetzt, z.B durch das unerträgliche Geschwafel vom jüdisch-christlichen Abendland. Nach 2000 Jahren Verfolgung von einer gemeinsamen Geschichte zu reden, heißt nur, dass unsere Politiker immer noch nicht verstanden haben, was Judentum und jüdischer Glaube überhaupt bedeuten. Der heute aktuelle Anti-Semitismus in Deutschland ist eine direkte Folge dieses falschen Verständnisses, wie es von Kirchen und Politikern gepredigt wird. Und genau dafür sind die „Säue“ ein treffendes Sinnbild.
Martin Luther war sehr
Martin Luther war sehr angetan über das hier abgebildete "Kunstwerk". In seinem Pamphlet "Von den Jüden und iren Lügen" schreibt er 1543:
Es ist hie zu Wittenberg an unserer Pfarrkirche eine Sau in Stein gehauen; da liegen junge Ferkel und Juden drunter, die saugen; hinter der Sau steht ein Rabbin, der hebt der Sau das rechte Bein empor, und mit seiner linken Hand zieht er den Pirzel über sich, bückt und guckt mit großem Fleiß der Sau unter dem Pirzel in den Talmud hinein, als wollt er etwas Scharfs und Sonderlichs lesen und ersehen. Daher haben sie gewisslich ihr Schem Hamphoras.
Begriffserklärung:
Pirzel Schweineschwanz
Rabbi Gelehrter innerhalb der jüdischen Tradition
Schem
Hamphoras hebräischer Name für den "unaussprechlichen Namen Gottes"
Talmud eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums
Ich meine nicht, dass die Judensauen zu entfernen sind. Sie sind ein wichtiges Denkmal und dokumentieren eindrücklich die Position der Kirche, die heute noch im alltäglichen Antisemitismus Früchte trägt. Ich gehe sogar noch weiter: Auf diese Machwerke ist besonders hinzuweisen - gern auch mit dem Luther-Zitat. Dessen ekelhafter Antisemitismus ist viel zu wenig bekannt.
Diese Bildwerke sollten auf
Diese Bildwerke sollten auf keinen Fall entfernt werden, sondern mit Tafeln zur Erklärung und zum Gedenken, welche die Distanzierung von Antisemitismus klar zum Ausdruck bringen, versehen werden. Damit funktioniert man sie zu Mahnmälern um.
ich möchte mich ausdrücklich
ich möchte mich ausdrücklich für die "Judensau" aussprechen. Ja, sie soll weiterhin die Kirchen versauen und soll so aufmerksam machen auf die versaute, sprich intolerante Geisteshaltung vieler Protestanten, Katholiken und AfD-Wähler.
Ebenfalls entfernen müsste man dann auch die reaktionären Segenssprüche in vielen Kirchen, die sich auf unsere heldenhaften Wehrmachtssoldaten beziehen und deren Einsatz für Gott und Vaterland verherrlichen.
Die Einstellung jeglicher Zahlungen an die Kirchen und die Übernahme der sozialen Kircheneinrichtungen ist die entscheidende Forderung die hier verwirklicht werden müsste.
Die Schmähskulpturen der
Die Schmähskulpturen der Kirchen sind aber historische Zeugnisse. Ich finde, die christlichen Kirchen sollen auf solche Gebäude verzichten, und diese sind unter einen staatlichen Denkmalschutz zu stellen. Auch mit schwieriger Geschichte muss man sich auseinandersetzen, vor allem die Christen. Es müssen Mahnmale werden, die nicht getilgt werden dürfen.
Diese Skulpturen gehören zu
Diese Skulpturen gehören zu der Kirche und ihrer Religion dazu wie andere Darstellungen und Texte, welche die gleiche Botschaft vermitteln. Sollten auch ebensolche beseitigt werden? Als Zeugen der Geschichte und der Religion sollten sie nicht verschwinden, in den heiligen Häusern sind sie mahnende und erinnernde, "Stolperobjekte", von Nutzen. Bei deren Anblick wird sich kein Jude über das gewohnte Mass hinaus von den Christen herabgewuerdigt fühlen. Was hat der Beauftragte im Sinn? Eitler Aktionismus.
Die Entfernung der
Die Entfernung der Schmähskulpturen in Form einer "Judensau" an Kirchen würde dazu führen, dass die Beweise der seit Jahrhunderten von Christen praktizierten Judenhasses und Antisemitismus unwiederbringlich vernichtet würden. In einigen Jahrzehnten würde sich niemand an diese Schandflecke erinnern und die Kirchen würden behaupten, sie seien nie gegen Juden gewesen. Deshalb sollten die "Judensäue" für die nachfolgenden Generationen als Mahnmale erhalten bleiben.
Selbstverständlich sollten sie Hinweistafeln versehen werden, die, wie im Artikel beschrieben, ihre Bedeutung erläutern.
...und das alles unter der
...und das alles unter der Überschrift: "Christlich-jüdische Zusammenarbeit"!!!
Man sollte die Synagogen der
"Man sollte die Synagogen der Juden niederbrennen, ihre Häuser zerstören, ihnen ihre Bücher wegnehmen und den Rabbinern das Lehren verbieten" - schrieb damals das grosse Vorbild der Deutschen: Martin Luther. Und es war kein Zufall, dass die Reichskristallnacht an Luthers Geburtstag war. Bis heute scheinen sich die Deutschen nicht von disem Judenhasser distanzieren zu wollen.
Man kommt im Verständnis von
Man kommt im Verständnis von Geschichte nie weiter, wenn man alles, was "unzeitgemäß ist" vernichtet - und sei es noch so abscheulich. Auch KZs darf man deshalb nicht abreisen, sondern muss sie bewahren. Der einzig richtige Umgang mit derartigen Verhetzungen und Verleumdungen ist, sie genau so erhalten wie sie waren und sind und deutlich herausstellen, wes Geistes Kind sie sind. Richtig deshalb (s.o.):
"... Oder sie werden mit Hinweistafeln versehen, die deutlich machen, dass die 'Judensau'-Reliefs Ausdruck des im Christentum Jahrhunderte lang verbreiteten und geschürten Hasses gegen Juden sind, der zu Vertreibungen, Raub, Pogromen und schließlich zum Mord an den europäischen Juden durch die Nazis führte.
... gegen Juden sind, der zu Vertreibungen, Raub, Pogromen und schließlich zum Mord an den europäischen Juden durch die Nazis führte."
Nach meiner Ausarbeitung ist das Nibelungenlied z.B. eine literarische Reaktion und Anklage gegen den ersten Kreuzugsaufruf durch einen Papst. Das bis dahin friedliche Nebeneinander von Christen und Juden wurde schlagartig beendet und nie wieder hergestellt. Auch wenn dies nicht das vorrangige Ziel der Kreuzzüge war, das Morden an Juden auf dem Zug ins sog. Heilige Land kam der Kirche nicht ungelegen. Die Pogrome nach 1095/1096 finden ihre Spiegelung im Nibelungenlied - "Der Nibelungen Not". Diese Deutung wird gewiss der mehr oder weniger christlichen Forschung nicht gefallen: Siegfried als Usurpator im Namen des Christentums und Hagen als "staatstreuer" Jude und in Notwehr Handelnder sowie eine Kriemhild als allegorische römische Kirche auf der Suche nach dem Heil (Hort).
Aus dem Auge, aus dem Sinn?
Aus dem Auge, aus dem Sinn? Ich halte es dann doch für dringlicher, sich dem aktuellen Antisemitismus zu widmen anstatt dem mittelalterlichen. Aber schnell mal das Gewissen beruhigen fühlt sich halt so gut an.
Katholisch motivierte
Katholisch motivierte Judenhetze kommt in Deutschland nur noch sehr selten vor.
Es ist auch unbelegt, dass der Anblick eines 700 Jahre alten Schweins an der Wittenberger Kirche solche ausloest oder in anderer Weise relevant ist. Hier fehlen einfach empirische Belege.
Mir war das neu, habe etwas
Mir war das neu, habe etwas gelernt. Insofern ist es vllt. im Sinner der Aufklärung die bessere Wahl bei derartige Darstellungen mit entsprechenden Schildern o.Ä. darauf hinzuweisen, als sie zu entfernen!? Ich denke, damit erreicht man mehr, denn Aufklärung ist doch das beste Mittel gegen Antisemitismus bzw. jede Form der Diskriminierung. Zumal das ja zwingend zur Geschichte auch der Kirche gehört. Täte man dieser nicht glatt einen Gefallen, wenn man derartige Zeugnisse einach entfernen würde?
Diese Art von Schmähfiguren
Diese Art von Schmähfiguren müssen unbedingt (und vielmehr mit erläutenden Hinweisen versehen) erhalten bleiben!! Strafen sie doch gerade jetzt dem Gerede vieler Kirchenfunktionäre,Theologen und religiös verblendeter Politiker von der angeblichen Unvereinbarkeit des "christlichen Menschenbildes" mit Antisemitismus Lüge. Wer deren Entfernung fordert, unterstützt - wenn auch ungewollt - diese haltlose Geschichtskittung der christlichen Lobby, die das in ihrem ureigensten Interesse wohl bald selbst fordern wird. Die bewussten Figuren gehören vielmehr ins allgemeine Bewusstsein als ein abschreckendes Beispiel, was es mit dem vielgelobten und -bemühten "christlichen Menschenbild" wirklich auf sich hat, damit dieses haltlose Gefasel endlich einmal von einer breiten Masse hinterfragt wird.
Ich würde gern eine
Ich würde gern eine Stellungnahme der betroffenen Kirchen lesen.
Nachdem ich alle Kommentare
Nachdem ich alle Kommentare dazu gelesen habe, schließe ich mich der Meinung an, dass
man diese Schandmale mit einer aufklärenden Tafel versehen sollte um die Gesinnung der Kirchen deutlich zu machen.
Erhalten + Erklären = Lernen
Erhalten + Erklären = Lernen