Griechenland: Keine Kriminalisierung von Blasphemie

Kirche in Griechenland
Kirche in Griechenland

Nach weitgehenden Protesten der Bevölkerung und Spott in den sozialen Medien hat die liberal-konservative Regierung in Griechenland ihre Pläne zur erneuten Kriminalisierung von Blasphemie fallen gelassen. Das Gesetz sollte vermeintlich religiöse Minderheiten schützen und war vorab von großen Teilen der griechisch-orthodoxen Kirche begrüßt worden.

Erst im Jahr 2016 waren die Anti-Blasphemiegesetze unter dem damaligen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras aufgehoben worden. Die aktuelle Regierung des Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis plante die Wiedereinführung der Bestrafung von Blasphemie. Als Grund wurde die gewünschte Deeskalation von Spannungen zwischen rechten Gruppen und muslimischen Geflüchteten in Lagern beziehungsweise bei ihrer Verteilung per Bus im Land genannt.

Die griechisch-orthodoxe Kirche begrüßte den Vorstoß zur Bestrafung von Blasphemie mit bis zu zwei Jahren Haft als Unterstützung zur Wahrung religiöser Gefühle Gläubiger.

Nachdem nicht nur die Öffentlichkeit mit Häme auf den Regierungsvorschlag reagierte, sondern auch Politiker wie Spiros Lappas, Abgeordneter der Partei Syriza, darauf hinwiesen, dass überwiegend fundamentalistische Länder solche Anti-Blasphemiegesetze hätten und ein Gott wohl kaum des Schutzes durch eine Staatsanwaltschaft bedürfe, erklärte Justizminister Costas Tsiaras die Rücknahme des Gesetzesvorschlages.

Kommentare (6)

A.S. (nicht überprüft)

Fr. 15 Nov 2019 - 11:06

Tja, kennt man doch aus Deutschland: Angeblich um Minderheiten zu schützen, werden Meinungsfreiheit und die freie Äußerung derselben eingeschränkt.

In Griechenland hat es diesmal nicht geklappt. In Deutschland haben wir den Blasphemie-Paragraphen noch. Darüber hinaus wird mit dem Schutz "religiöser Gefühle" argumentiert. In meinen Augen ein Versuch, um die Religionen eine erweiterte Bannmeile gegen Kritik zu schaffen.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Fr. 15 Nov 2019 - 14:55

Antwort auf von A.S. (nicht überprüft)

Und wer schützt meine "antireligiösen Gefühle", auf denen darf jeder herumtrampeln wie es ihm beliebt, oder wie? wo bleibt da die Gleichberechtigung?
Wieso bestraft man Andersdenkende, die Religion als sinnlosen Hokkus-Pokkus betrachten mit diesem überflüssigen Blasphemie-Paragraphen?, das Finstere Mittelalter haben wir doch schon hinter uns, oder wie?

M. S. (nicht überprüft)

Fr. 15 Nov 2019 - 22:31

Antwort auf von A.S. (nicht überprüft)

Aber wo kämen wir denn hin, wenn sich Gläubige damit auseinander setzen müssten, dass andere ihren Glauben für Unsinn halten? Sie könnten selber ans Nachdenken kommen und die Argumente der Ungläubigen stichhaltig finden. Das ist eine ernste Gefahr für jede Religion.

Weniger für die Religion als Lehre als die religiösen Machthaber. Die Lehre überdauert in Bibliotheken, selbst wenn schon seit Jahrhunderten niemand mehr an sie glaubt.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Fr. 15 Nov 2019 - 17:17

Um Gotteslästerungen sollten sich die Götter kümmern!

Gotteslaesterung , egal welchen Gottes, hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern mit Respekt. Laesterung heisst verbale Herabwuerdigung in unangemessener Form , Herabwuerdigung der Menschen oder der "Institution" , die gelaestert wird. Keiner kann gezungen werden, einen Gott zu respektieren, an den er nicht glaubt, aber es waere schoen, die Menschen zu respektieren, die daran glauben.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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