Irland: Blasphemie-Paragraph aus Verfassung gestrichen

Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit

Einer modernen Republik unwürdig, ein Hemmnis für öffentliche Debatten und die Meinungsfreiheit und ein Beispiel für diejenigen Länder, die drastische Strafen für die Lästerung vermeintlicher Götter, Propheten und heiliger Bücher fordern. All das sei der Anti-Blasphemie-Paragraph Irlands nach Aussagen von Justizminister Charlie Flanagan gewesen. Doch damit ist seit diesem Monat Schluss. Die im Referendum von 2018 geforderte Abschaffung ist in Kraft getreten.

Während Deutschland mit Paragraph 166 des Strafgesetzbuches noch immer einen Paragraphen hat, der Blasphemie, also die vermeintliche Beleidigung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen mit bis zu drei Jahren Haft bestraft, ist Irland schon weiter. Seit diesem Monat ist Blasphemie keine Straftat mehr. Im Oktober 2018 stimmten über 60 Prozent derer, die sich an der Abstimmung beteiligten, für ein Ende der Strafbarkeit von Blasphemie. Besonders Menschen unter 35 empfanden die Anti-Blasphemie-Gesetzgebung als unzeitgemäß.

Justizminister Charlie Flanagan begrüßte den Schritt. Unter anderem, weil er die Meinungsfreiheit und öffentliche Debatten stützt, aber auch, weil das Land eine wachsende Diversität aufweise, während die Anti-Blasphemie-Gesetzgebung noch aus einer Zeit stamme, in der der Staat eng mit nur einer Religion verknüpft gewesen sei. Auch wies er darauf hin, dass andere Länder, welche Blasphemie unter scharfe Strafen bis hin zum Tode gestellt hätten, Irland als Beispiel für die Bestrafung der Gotteslästerung verwendet hätten.

Die Änderung der Verfassung sieht er nicht als Angriff auf religiöse Gruppen oder als eine Verschiebung von Privilegien.

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Kommentare (9)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Fr. 24 Jan 2020 - 13:25

In Irland scheint es doch klügere Menschen zu geben welche an der Gesetzgebung mitarbeiten da sollten sich unsere Duckmäuser in der Politik mal ein Beispiel nehmen denn in dieser Beziehung steckt die BRD noch im Mittelalter fest.

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Fr. 24 Jan 2020 - 14:14

Kompromissvorschlag:§166 bleibt und wird wie folgt ergänzt: "Die Gotteslästerung kann nur von der betroffenen Göttin/vom betroffenen Gott persönlich angezeigt werden." Keine Kirche dürfte gegen diese Änderung etwas haben, da sie ständig die reale Existenz der Göttinnen/Götter predigen.

Wolfgang Graff (nicht überprüft)

Sa. 25 Jan 2020 - 14:07

Antwort auf von Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Diese Idee hatten schon die alten Römer vertreten: Offensae deorum diis curae (Um die Gotteslästerungen kümmern sich die Götter selbst)

awmrkl (nicht überprüft)

Di. 28 Jan 2020 - 00:26

Antwort auf von Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Das ist mE ein wirklich (toller!) ernstzunehmender Vorschlag!

Denn StGB bzw BGB nimmt auch Klagen wg Beleidigung, Schmähung, Mobbing usw NUR von persönlich Betroffenen (bzw ihren beauftragten, bevollmächtigten(!) Anwälten) an, und nicht von Dritten, selbsternannten, angeblich stellvertretend Beleidigten.

Und weitere Ergänzung:
"und unter Angabe einer ladungsfähigen Adresse"

:-)

Markus Stüker (nicht überprüft)

Fr. 24 Jan 2020 - 17:49

Ich begrüße die Änderung der Verfassung in Irland. Ich würde mir wünschen dass die Bundesregierung auch endlich den Paragraph 166 kippt. Er ist einfach nicht zeitgemäß. In England ticken die Uhren auch noch anders. Ich habe heute in The Times gelesen das die Church of England Sex nur für verheiratete heterosexuelle Paare erlaubt. Heterogene Paare die in einer zivilen Partnerschaft leben sollten bitte vom Sex absehen. Zum Glück wird die Church of England - die offizielle Kirche in England - von den meisten Bürgern auf der Insel ignoriert. Hier ist der Link zum Arikel: https://www.thetimes.co.uk/article/church-of-england-sex-is-for-married-straight-couples-only-vl60czphl?shareToken=e58b2c61827acc502871da3317dfcc91

Zeitenzeuge (nicht überprüft)

Mo. 27 Jan 2020 - 10:27

Wer hätte vor ein paar Jahren noch gedacht, dass uns das damals noch erzkatholische Irland in Sachen Freiheit von der Religion mal so schnell überholen würde!

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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