Evangelikale Missionierung an Bremer Schulen
PIKS, das "Projekt in Kirche und Schule"
Foto: pixabay.com CC0 Creative Commons
Eine Vorlage, die den Deputierten für Bildung der bremischen Bürgerschaft von der Verwaltung vorgelegt wurde, basiert auf einer Anfrage der CDU-Abgeordneten Averwerser zur Zusammenarbeit des Projekts "PIKS" der Evangelischen Kirche in Bremen mit den Schulen. Die Deputation soll die entsprechende Vorlage in ihrer Sitzung am 19. Februar zur Kenntnis nehmen und durchwinken.
"Projekt in Kirche und Schule" kurz "PIKS" und die darin enthalten "Klassentage" sind gezielte Angebote der Kirche für den Unterricht. Darunter sind auch dreitätige Klassenfahrten, die in kirchlichen Schullandheimen durchgeführt werden, und seminaristische Angebote während des Unterrichts.
Schon allein diese Mitgliederakquise der Evangelischen Kirche in den Schulen ist grenzwertig, da die Landesverfassung (§ 32) die Rolle der Kirchen außerhalb des Schulunterrichts sieht. In circa 15 Bremer Oberschulen wurden diese Angebote aber bereits durchgeführt.
Das Pikante ist jedoch, dass der Ansprechpartner des dreiköpfigen "PIKS" Teams ein ausgewiesener Evangelikaler ist. Er gehörte über Jahre dem Kirchenvorstand einer evangelikalen Kirchengemeinde in Bremen an und predigt dort noch heute. Laut Webseite der Bremischen Evangelischen Kirche bereitet er das Christival 2022 in Erfurt vor. Das Christival ist eine der zentralen, vor allem auf Jugendliche ausgerichteten Missionsveranstaltungen der Evangelikalen in Deutschland. Das Christival 2008 in Bremen löste vor allem deshalb Widerstände aus, weil dort Seminare zur "Schwulenheilung" angeboten werden sollten.
Die Evangelische Allianz, der Dachverband der Evangelikalen, sieht in gelebter Homosexualität eine Sünde, spricht sich gegen die Ehe für alle aus und organisiert jährlich die sogenannten "Märsche für das Leben" in Berlin mit dem Ziel des vollständigen Verbots der Abtreibung. Politisch sind zahlreiche Protagonisten der Evangelikalen am rechten Rand der Gesellschaft zu verorten. Ihr wohl bekanntester Bremer Vertreter, Olaf Latzel, empfiehlt die tägliche Lektüre der ganzen Bibel als Handlungsanweisung für das Leben.
Die Vorlage der Schulverwaltung kommt zu dem Schluss: "Die Senatorin für Kinder und Bildung bewertet die breit gefächerten Angebote […] im Grundsatz positiv."
Dies bedeutet faktisch eine Absegnung der Missionierungstätigkeit des von einem Evangelikalen angeführten Projektes der Evangelischen Kirche in den Schulen.
Das Forum Säkulares Bremen (FSB) sieht darin eine Verletzung der weltanschaulichen Neutralität des Staates.
Der Einsatz von Evangelikalen unter dem Deckmäntelchen der Bremischen Evangelischen Kirche setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Mensch stelle sich ein ähnliches Angebot muslimischer Verbände unter Führung eines Imams der Muslimbrüder vor. Das Geschrei wäre erheblich. Zu Recht. Missionierende Kirchen und Religionsverbände haben in den staatlichen Schulen nichts verloren.

Kommentare (6)
Netiquette für Kommentare
Die traditionellen Kirchen
Die traditionellen Kirchen werden immer schwächer. Ihre Mission wäre ebenfalls illegal, aber immerhin harmloser als die der Konkurrenzreligionen und -sekten. Deshalb muss die Religion strikt vom Staat getrennt sein, da unter dem Deckmantel der Gleichbehandlung, immer dubiosere Akteure die Privilegien der großen Kirchen fordern.
"Evangelische Allianz" und
"Evangelische Allianz" und Sünde: WTF - so ein geistiger Dünnschi...
Wann werden unsere Politiker
Wann werden unsere Politiker und die Gläubigen endlich einsehen, dass Religion KEINE
GeistESwissenschaft ist, sondern eine GeistERwissenschaft, wobei das Wort Wissenschaft schon völlig überzogen ist.
Schulen sind dafür da, um Kindern und Heranwachsenden Menschen Wissen zu vermitteln
und nicht dafür, den Kirchen Mitglieder zu rekrutieren. Dieser Missbrauch muss verhindert werden und damit auch, die andauernde Indoktrination von unserem Nachwuchs, denn so kommt die Menschheit nicht voran und dreht sich immer in einem sinnlosen Kreis.
"Mitgliederakquise der
"Mitgliederakquise der Evangelischen Kirche in den Schulen ist grenzwertig, da die Landesverfassung (§ 32) die Rolle der Kirchen außerhalb des Schulunterrichts sieht"
Ähmm, ist in den Schulen Bremens nicht auch lt. GG konfessioneller Religionsunterricht (und damit ja Missionierung) obligatorisch?
Wenn nein, dann ist dieser Artikel und seine Aussage sehr OK!
Wenn ja, dann ist dieser Artikel reichlich schräg.
Bremen hat einen Sonderstatus
Bremen hat einen Sonderstatus: https://de.wikipedia.org/wiki/Religionsunterricht_in_Deutschland#Bremen : "In Bremen wird überkonfessioneller christlicher Unterricht in Biblischer Geschichte seit 1947 erteilt. In der Landesverfassung Artikel 32 ist festgeschrieben: "Die allgemeinbildenden öffentlichen Schulen sind Gemeinschaftsschulen mit bekenntnismäßig nicht gebundenem Unterricht in Biblischer Geschichte auf allgemein christlicher Grundlage". Im Unterschied zu den meisten Bundesländern wird dieses Fach nicht in kirchlicher Verantwortung erteilt. In Art. 141 ("Bremer Klausel") erlaubt das Grundgesetz diese Abweichung von Art. 7 GG ausdrücklich."
Schon bemerkenswert, dass die
Schon bemerkenswert, dass die Senatorin bzw. ihr Haus hier keinerlei grundsätzliche Probleme sehen. Um - leicht abgewandelt - mit Schopenhauer zu sprechen: Ist dies nun Naivität oder schon Absicht? Das Bewusstsein für die verfassungsrechtlichen Grundlagen zu Religion und Staat verschwimmt offenbar bereits weit jenseits der ohnehin nach wie vor nicht klar gezogenen Grenzen (Art. 140 GG).