Sudan entkriminalisiert Apostasie und beendet Einordnung als islamischer Staat

Nach dem Sturz Omar al-Baschirs war im Sudan eine Übergangsregierung eingesetzt worden, die bereits zahlreiche Veränderungen im Land eingeläutet hat. Zum landesweiten Verbot weiblicher Genitalverstümmelung kommt nun auch die Entkriminalisierung der Apostasie und die Legalisierung des Alkoholkonsums für nicht-muslimische Menschen.

Bereits Ende April hatte die sudanesische Übergangsregierung angekündigt, die weibliche Genitalverstümmelung in all ihren Formen landesweit verbieten zu wollen. Seit dem 10. Juli 2020 nun ist das Gesetz in Kraft. Wer ein Mädchen oder eine junge Frau verstümmelt, riskiert drei Jahre Gefängnis. Einrichtungen wie Krankenhäusern oder ärztlichen Praxen droht die Schließung, sollten sie sich nicht daran halten.

Die Streichung der Einordnung des Sudans als muslimischer Staat bringt jedoch noch weitere Gesetzesänderungen mit sich. Während auf Apostasie, die Abwendung vom Islam, bisher die Todesstrafe stand, wird es in Zukunft legal sein, sich einer anderen Religion zuzuwenden. Justizminister Nasredeen Abdulbari erklärte dazu im Fernsehen, dass niemand das Recht habe, andere als ungläubig zu bezeichnen, da dies die Sicherheit der Gesellschaft bedrohe und Gewalt fördere. Abdulbari verkündete ebenfalls, dass es in Zukunft nicht-muslimischen Menschen gestattet sein werde, Alkohol zu konsumieren. Seit Jahrzehnten war der Alkoholkonsum im Land verboten. Getrunken werden solle jedoch nicht öffentlich und der Frieden sei nicht zu stören.

Noch ist fraglich, wie sichergestellt werden soll, dass die Genitalverstümmelung nicht mehr heimlich in Familien durchgeführt wird.

Auch werden weitere Forderungen an die Regierung herangetragen. So soll sie beispielsweise auch die Anti-Blasphemie-Gesetzgebung auf den Prüfstand stellen.

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Kommentare (4)

David See (nicht überprüft)

Fr. 17 Jul 2020 - 10:07

zuerst dachte ich das heute der 1.april ist als ich den Text las und der hpd mal wieder lustig schreibt, aber es gibt auch mal gute Nachrichten.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Fr. 17 Jul 2020 - 10:33

Der erste Islamische Staat in dem man einen Funken von Vernunft erkennt.
Da sollte man in der BRD auch mal den Blasphemie § auf den Prüfstand stellen.

A.S. (nicht überprüft)

Fr. 17 Jul 2020 - 22:31

Nach Jahren des Schreckens scheint im Sudan eine Phase der Vernunft zu beginnen. Hoffen wir, dass sie lange anhält und anderen zum Vorbild gereicht.

Dieter Bach (nicht überprüft)

Sa. 18 Jul 2020 - 10:44

In einer Welt mit zunehmender religiöser Bevormundung ist das ein leuchtendes Zeichen dafür, dass es doch noch vernunftbegabte Menschen gibt. Dass das ein ehemals islamisches Land der Welt vormacht, fordert uns allerhöchsten Respekt ab.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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