Kunst und Kultur

Religionskritik, Rassismus und politische Debatte im Kinosaal

Eine junge algerische Journalistin taucht mit der Kamera ein in die Welt des slawistischen Islam, zwei junge Filmemacher erkunden den Kosmos einer jungen schwarzen Frau im rassistischen Amerika und eine französische Nachwuchsfilmerin begleitet zwei Schwestern aus der Minderheit der Jenischen in ihrem Alltag. Außerdem präsentiert die Berlinale Filme zu den politischen Folgen der Wirtschaftskrise in Südeuropa und zum Krieg in der Ukraine sowie einen hochbrisanten friedenspolitischen Appell.

Filme zu Menschenrechten, Flucht und LGBTI

Die Berlinale gilt als das politischste aller internationalen Filmfestivals. Auch das diesjährige Programm erfüllt die Erwartungen. So präsentiert die Berlinale etwa Spielfilme, in denen es um männliche Beschneidung, die gesellschaftspolitische Situation im Kongo oder die Revolution einer weiblich-radikalen "Army of Lovers" geht. Dokumentarische Beiträge befassen sich mit dem russischen Justizsystem, dem Alltag im vom Krieg zerrütteten Syrien oder eine schwule Kreuzfahrt geht. 

Mit Elefant in der Handtasche auf der Flucht

Ein burmesischer Flüchtling, der in der Schweiz zum Elefantenpfleger und Dompteur wurde, eine Tierärztin für Straßenhunde und ein Obdachloser bilden in Martin Suters neuen Roman "Elefant" die Phalanx des Guten und retten einen kleinen rosa Elefanten davor, zum Modell für abertausende rosa leuchtende Spielzeugelefäntchen zu werden.

Wolfram P. Kastner

Entscheidung im "Jodl-Prozess" vertagt

Am gestrigen Donnerstag verhandelte das Landgericht München I über den Einspruch gegen eine einstweilige Verfügung gegen den Aktionskünstler Wolfram P. Kastner. Die Verfügung des Gerichts war "… mit der Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro oder einer Haft bis zu 6 Monaten …" verbunden und verbot Kastner "… an dem Grabstein/Grabdenkmal Schilder anzubringen ... Buchstaben … auszubrechen ... Farbe auf den Grabstein/Grabdenkmal aufzubringen ... den Grabplatz zu betreten ...", also Aktionen, welche der Künstler in der Vergangenheit durchgeführt hatte.

Die Künstler beim Anbringen des Mahnschildes

Aufklärung unerwünscht

Stimmen die bayerischen Behörden mit dem braunen Geschichtsrevisionismus des AfD-Politikers Björn Höcke überein - oder stehen sie auf dem Boden des modernen Rechtsstaates, der seine Stärke aus der schonungslosen Aufarbeitung der Vergangenheit gewinnt? Nicht zuletzt um diese Frage geht es am kommenden Donnerstag in einem Verfahren am Münchner Landgericht, das klären soll, ob der Aktionskünstler Wolfram Kastner (Mitglied des GBS-Beirats) gesetzeswidrig handelte, als er ein "Ehrenmal für Alfred Jodl" in ein "Schandmal für einen NS-Kriegsverbrecher" umgestaltete.

Zaide. Eine Flucht. - nach W. A. Mozart

Besonderes Aufsehen erregt derzeit das Musiktheaterprojekt "ZAIDE. EINE FLUCHT", welches der Verein Zuflucht e.V. gemeinsam mit geflüchteten KünstlerInnen entwickelt und in der Alten Kongresshalle in München zur Aufführung gebracht hat. Denn bis kurz vor Schluss war nicht klar, ob es eine Premiere geben würde. Dem Hauptdarsteller Ahmad Shakib Pouya stand die sofortige Abschiebung nach Afghanistan bevor. Pünktlich zu Beginn der Endproben und kurz vor dem Abflug erhielt der Musiker einen einstweiligen Aufschub und die Premiere am 11. Januar war gerettet.

Adorno – der Zauberer

Gisela von Wysocki hat selbst bei Adorno studiert. So kann man erwarten, in dem zweiten, dem neuen Roman der heute 76-jährigen nun einiges über Adorno als Professor zu erfahren. Denn so oder so ähnlich mag es wirklich gewesen sein: Adorno – ein Zauberer, ein Wortzauberer, der sich selbst nur zu gern von Frauen bezaubern ließ. Angehimmelt und charmant. Der Koautor der "Dialektik der Aufklärung" philosophierte, wo immer er auch war.

Dieter Nuhr

Nu(h)r nicht senden!

Aktuell macht ein einstündiges Radioportrait des Kabarettisten Dieter Nuhr im Internet die Runde. Das Feature beleuchtet Nuhrs Religions- und Kirchenkritik. Der Skandal daran: Kein öffentlich-rechtlicher Sender in Deutschland traute sich an die Produktion des Stoffes heran.

Ein Dackel im Marlboro-Land

Wer einen Film über einen Hund dreht, kann den Menschen schon sehr nahe kommen. Ein Dackel wird durchs Leben bugsiert. Nacheinander hat er viele Herren, die er eigentlich nur trösten soll. Vielleicht leiden sie alle daran, dass sie zu viel voneinander erwarten. Todd Solondz' Film "Wiener-Dog" über das wechselvolle Wanderleben eines Dackels im Land der gelebten Träume ist liebevoll, sarkastisch und von heiterer Traurigkeit.