Brasilien

Mädchen tragen blau, Jungs tragen rosa

Die neue brasilianische Ministerin für Familie, Frauen und Menschenrechte, Damares Alves, hatte mit ihrer Aussage, dass Mädchen rosa Kleidung zu tragen hätte und Jungen blau eingekleidet sein sollten, für Entrüstung in Brasilien gesorgt. Alves gab an, Kinder in Zukunft vor Indoktrination schützen zu wollen. Die Reaktion in Form von Protesten und Bildern von Männern in rosa Kleidung ließen nicht lange auf sich warten, sodass die Ministerin schließlich zurückruderte und erklärte, dass alle Kinder alle Farben tragen dürften.

Wer glaubt, es sei ein Vorurteil, dass evangelikale Christen womöglich sehr einfache Weltbilder haben und bestrebt sind, komplizierte Probleme mit vermeintlich einfachen Lösungen zu überdecken, wird eines besseren belehrt, seit Alves den Posten als Ministerin für Frauen, Familie und Menschenrechte angetreten hat.

Die Pastorin hatte von Anfang an angekündigt, Abtreibungen nicht zu legalisieren, um kein "unschuldiges Blut" zu vergießen. Dass Frauen, die ein Kind nicht austragen können oder wollen, dann illegale Abtreibungen unter unhygienischen Bedingungen durchführen lassen und womöglich daran sterben oder schwer krank werden, ignoriert sie.

Caetano Veloso via Twitter
Caetano Veloso via Twitter

Ebenso glaubt sie, Fragen zu Geschlecht und Geschlechtsidentität ausblenden zu können, indem Kindern möglichst plakativ eine Identität aufgedrückt wird.

Glücklicherweise erhielt die neue Ministerin direkt Gegenwind von unzähligen Menschen. Der brasilianische Sänger Caetano Veloso verbreitete bei Twitter ein Bild von sich in einem rosa T-Shirt mit der Aufschrift "Proteja seus amigos" (in etwa "Schützen Sie Ihre Freunde". Ihm schlossen sich Prominente, aber auch viele andere Menschen unter Hashtags wie #MeninosVestemRosa (in etwa "Jungen tragen rosa") an. Dabei tragen Jungen und Männer rosa, Mädchen und Frauen blau und manche Menschen, um Ministerin Alves nun komplett zu verwirren, rosa und blau.

Dem Protest schlossen sich gar Nachrichtensendungen im Fernsehen an. So moderierte eine Journalistin komplett in blau, während ihr Kollege seine Meldungen in einem hellrosa Sakko durchgab.

Kommentare (5)

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Fr. 11 Jan 2019 - 10:09

Die neue brasilianische Ministerin gegen Familie, Frauen und Menschenrechte...

A.S. (nicht überprüft)

Fr. 11 Jan 2019 - 11:26

Ein Hoch auf den zivilen, fantasievollen Widerstand!

Alle Religioten wollen anderen Menschen Vorschriften machen. So etwas nennt man Herrschaft. Religion ist die Herrschaft von Idioten (und Heuchlern). Die übrigen Menschen lassen sich mit "guten Taten" blenden und halten Religion für etwas Gutes und Schützenswertes. Was für Dummköpfe!

David See (nicht überprüft)

Fr. 11 Jan 2019 - 12:10

in Brasilien war ich noch nie, aber ich denke das ist so ein freies land mit so freien menschen und so bunt wie kann dann so eine rechte Regierung an die macht kommen.

struppi (nicht überprüft)

Fr. 11 Jan 2019 - 21:49

<em>Ebenso glaubt sie, Fragen zu Geschlecht und Geschlechtsidentität ausblenden zu können, indem Kindern möglichst plakativ eine Identität aufgedrückt wird.</em>

Das hat sie so gesagt?

Ich finde den Artikel sehr uninformativ. In welchen Kontext hat die Ministerin das gesagt? Welche Indoktrination?

Und welches Interesse hat der Humanismus daran, dass Mädchen keine rosa Kleidung tragen sollen? Was gibt es gegen eine Identität zu sagen?

Kay Krause (nicht überprüft)

Sa. 12 Jan 2019 - 16:52

Das passt doch alles perfekt zusammen: Am besten schon die katholische Zwangstaufe (geistige Früh-Vergewaltigung!) im rosa Taufkleidchen, Pate und Patin entzückt und begeistert, und schon biste programmiert: Frauen an den Herd und in die Kirche, Kinder in die warme Stube zum Herrn Pfarrer, der ihnen auf dem Weg über den Schlüpfer den wahren Glauben beibringt. Was für eine wunderbare, heile Welt ist das doch! Und wir antireligiösen Idioten finanzieren das Ganze auch noch zwangsweise! Pfui Deifi!

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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