Warum die kirchlichen Sonderrechte ein Auslaufmodell sind

Privilegien ohne Rückhalt

Kirchensteuer, Staatsleistungen aus Steuermitteln, der Sonderweg beim kirchlichen Arbeitsrecht, der konfessionelle Religionsunterricht an staatlichen Schulen: Eine aktuelle INSA-Umfrage zeigt: 31 Prozent der Bürger befürworten eine Einschränkung dieser Privilegien – ein Trend, der mit 39 Prozent ausgerechnet unter CDU/CSU-Anhängern am stärksten ausgeprägt ist. 

Symbolbild
Fiktive Umfragesituation, im Hintergrund symbolisch das Bundeskanzleramt und die Berliner Gedächtniskirche, die in der Realität nicht nebeneinander liegen.

Die überkommenen Privilegien der Kirchen geraten in Deutschland immer stärker unter Druck. Das zeigt eine aktuelle Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere im Auftrag der evangelischen Kirchenzeitungen Glaube + Heimat und Der Sonntag. Rund 31 Prozent der Deutschen sprechen sich demnach für eine Reduzierung dieser Sonderrechte aus – dieser hohe Wert dürfte nicht nur den Auftraggebern der Studie zu denken geben. 

Besonders bemerkenswert ist die breite Zustimmung im bürgerlich-konservativen Spektrum: Ausgerechnet bei den Anhängern der Parteien CDU und CSU ist der Wunsch nach einer Abschaffung der kirchlichen Sonderrechte mit 39 Prozent am stärksten ausgeprägt. Sie übertreffen damit sogar die Konfessionsfreien (35 Prozent). Und selbst bei den befragten Katholiken fordert über ein Drittel (34 Prozent) das Ende der Privilegien.

Ein Blick auf die Bundesländer offenbart ein starkes West-Ost-Gefälle bei der Frage nach den Sonderrechten. Während im Westen 32 Prozent an den Privilegien rütteln wollen, sind es im Osten 26 Prozent. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg mit 35,4 Prozent, in Bayern sind es 29,7 Prozent. In Sachsen sind es etwas weniger, 27,7 Prozent, in Thüringen 21 Prozent.

Aber warum ist der Wunsch nach Reformen im Osten weniger verbreitet als im Südwesten? Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Kirchen dort im Alltag der allermeisten Menschen nur noch eine geringe Rolle spielen. Die Sonderrechte werden im stark säkularisierten Osten viel weniger als Problem wahrgenommen als in Regionen, wo noch kirchliche Strukturen dominieren.

Keine Erwartungen mehr an die Kirchen

Dafür spricht auch, dass in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin insgesamt 40 Prozent der Befragten angeben, überhaupt keine Erwartungen mehr an die Kirchen zu haben. Millionen Menschen organisieren ihr Leben und ihr soziales Miteinander unabhängig von religiösen Institutionen. Im Westen sind es immerhin 28 Prozent, die nichts von der Kirche erwarten.

Zudem fällt auf, dass das Bedürfnis nach Einmischung der Kirchen in in die Politik denkbar gering ist. Gerade einmal neun Prozent der Deutschen wünschen sich überhaupt noch, dass Kirchen in politischen Fragen Partei ergreifen. Lediglich Anhänger der Freikirchen würden mehr politische Stellungnahmen der Kirchen begrüßen.

Wenn die Befragten überhaupt noch Erwartungen an die Kirchen formulieren, dann sind diese rein praktischer und humanitärer Natur. So fordern 34 Prozent mehr Engagement für Menschen in Not und soziale Hilfsangebote – in Sachsen sind es sogar 36,3 Prozent. Dagegen verblasst der Wunsch nach weltanschaulicher Sinnstiftung: Lediglich 19 Prozent suchen bei den Kirchen noch Orientierung in Glaubens- und Ethikfragen – in Thüringen sind es sogar nur 10 Prozent.

Kommentare (4)

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Unechter Pole (nicht überprüft)

Do. 13 Aug 2026 - 23:13

Die Kirchensteuerzahler wollen, dass diese abgeschafft wird. Mich wundert das nicht wirklich.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Sa. 15 Aug 2026 - 13:24

Antwort auf von Unechter Pole (nicht überprüft)

Wofür ist eigentlich eine Kirchensteuer gut ? die Kirchen basieren nur auf die Erfindung eines erdachten Wesens Namens "GOTT" welchen noch NIE jemand real gesehen oder gehört hat, dieser
Spukt nur in den Köpfen der indoktrinierten Menschen, welchen die Pfaffen sich zu nutze machen um
mit diesem Märchen ohne viel Arbeit enormen Reichtum generieren und vom Volk sich riesige Tempel bauen lassen, genannt Kirchen, es wird höchste Zeit, daß die Menschen diesen Schwindel durchschauen und die Konsequenzen daraus ziehen.

Walter Guggemos (nicht überprüft)

Sa. 15 Aug 2026 - 16:21

Auch wenn diese Zahlen nicht unbedingt repräsentativ sein müssen sind sie doch ein guter Anahaltspunkt.
Da ich in Bayern wohne interessieren mit natürlich die bayrischen Zahlen am meisten. In der INSA-Online Umfrage heißt es dazu: "Während zum Beispiel die Reduzierung von Sonderrechten für 35,4 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg denkbar sind, können sich das im benachbarten Bayern nur 29,7 Prozent vorstellen, im Stadtstaat Berlin gar nur 26 Prozent und im Flächenland Brandenburg nur 23 Prozent. In Sachsen sagen dazu 27,7 Prozent "Ja", in Thüringen nur 21 Prozent."
Der zumindest nominale Bevölkerungsanteil der Katholiken und Evangelen in Bayern beträgt aktuell zusammen lt. KI 7,55 Millionen. 1990 waren es noch 9,93 Millionen. Und die Staatsleitungen betragen aktuell 108 Millionen Euro., während sie 1990 nur 63,77 Miillionen betrugen. Die Mitgliederzahlen gehen zurück - der Staatszuschuss steigt.
Zusätzlich zu diesen Finanzleistungen kommen noch z.B. die Kosten für den Religionsunterricht. Und lt. Artikel 131, Absatz 2 der Bayerischen Verfassung steht an oberster Stelle der Bildungsziele "die Ehrfurcht vor Gott“ auch für atheistische Schüler.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 1 Sep 2026 - 15:27

Ich weiß, dass ich mich jetzt unbeliebt mache. Aber warum muss ein dokumentarisch erscheinendes Foto KI-generiert sein? Mir geht es nicht um das Bild an sich, nicht mal um die inzwischen überall grassierenden KI-Fälschungen (nichts anderes sind diese Bilder).

Dass man Symbolbilder verwendet, ist okay und oft die einzige Bebilderungsmöglichkeit. Doch diese waren bisher immer als Symbolbilder erkennbar und traten nicht in Konkurrenz zu echten dokumentarischen Aufnahmen.

Mir geht es also um die schon heute erkennbare Langzeitwirkung auf Menschen: Fotos werden eines Tages keinerlei Informationswert mehr besitzen, weil bereits heute (und in naher Zukunft noch mehr) die entsprechend gefälschten Bilder täuschend echt aussehen.

Ich ertappe mich schon selbst, dass ich bereits mehrere Sekunden brauche, bis ich die Fälschung erkenne, obwohl wir im Filmbereich mit den Möglichkeiten der KI experimentieren - aber immer bei eindeutig fiktionalen Themen.

Es nutzt auch nichts, im Kleingedruckten die Fälschung zuzugeben - wobei "Google Gemini" dem unbedarften Bürger nicht unbedingt etwas sagt. Es geht um den (inzwischen bei vielen als begründet angesehenen) Verdacht, letztlich alle Fotos, die jemandem aus politischen Gründen nicht gefallen, mit der Begründung abzulehnen, sie seien KI-generiert.

Reicht es nicht, dass Rechtspopulisten mit KI-Fälschungen Wahlen manipulieren? Retten wir das Foto als Mittel der Dokumentation und brandmarken diejenigen eindeutig, die durch Fälschungen die Bevölkerung täuschen.

Nicht falsch verstehen: Das unterstelle ich hier beim hpd niemandem, aber ihr arbeitet mit einer Methode, die es eines Tages unnötig macht, überhaupt irgendwelche Fotos im Dokumentarbereich zu veröffentlichen, weil man sie für KI-generiert halten könnte.

Ihr könnt - wenn es gar nicht anders geht - ein solches Symbolbild von einem x-beliebigen Grafikprogramm in eine eindeutig als solche erkennbare Strichgrafik umsetzen lassen. Dies erfüllt den gleichen Zweck und verleitet nicht den Lesern die Glaubwürdigkeit echter Fotos regelmäßig anzuzweifeln, sondern wir deuten gemeinsam mit gutem Gewissen auf die rechten* Fälscher...

*) mir sind bisher politische Fotofälschungen nur aus dem rechten Spektrum bekannt. Aber ich lehne sie natürlich aus jeder Richtung kommend kategorisch ab.

Inge Hüsgen

Die Autorin ist die Chefredakteurin des "Skeptiker", der Vierteljahreszeitschrift der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie Redakteurin beim Humanistischen Pressedienst.

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