Der bfg Bayern spricht mit einem Experten über die Grenzen der Bestattungsmöglichkeiten in Bayern

Konfessionsfreie letzte Ruhe

An diesem Sonntag um 6:30 Uhr erscheint die neueste Folge von „Menschsein“, der Radiosendung des Bundes für Geistesfreiheit Bayern, auf BR 2. Anton Aschenbrenner, ehemaliger katholischer Theologe und heutiger Betreiber von Trauerwäldern, gibt neben allgemeinen Informationen über Bestattungsmöglichkeiten in Bayern Einblicke in laufende und geplante Trauerwald-Projekte. Richtig spannend wird es dann bei der Frage, wie einzelne Dorfpfarrer bislang verhindert haben, dass auch der bfg Bayern Träger eines Trauerwaldes wird.

Trauerwald
Trauerwald in Bayerisch Eisenstein

Seit Menschen ihre Verstorbenen bestatten, ist anzunehmen, dass sie über ein Jenseits spekulieren, in jedem Fall aber dazu in der Lage sind, über das eigene Lebensende hinaus zu denken. Auch wenn es konfessionsfreien Menschen oft fern liegt, sich über ein mögliches Leben nach dem Tod oder eine unsterbliche Seele Gedanken zu machen, so haben sie, wie viele andere Menschen doch bestimmte Vorstellungen und Wünsche, wie ihre Trauerfeier ablaufen soll und wo sie den Ort ihrer letzten Ruhe sehen. 

Es gibt Atheisten, die zu Lebzeiten Kirchenmitglied bleiben, weil sie unbedingt Orgelmusik auf ihrer Trauerfeier möchten. Dann gibt es Christen, die aus der katholischen Kirche austreten, damit ein evangelischer Pfarrer die Trauerrede halten kann. Es gibt Särge, Urnen, Gruften, Denkmäler, Familiengräber, anonyme Bestattungen und wenn man sich global umsieht, unendlich viele alte und neue Traditionen. 

Bereits die Literatur des griechischen Altertums ist voll mit Erzählungen über die Wichtigkeit der korrekten Bestattung. So bricht Antigone in der gleichnamigen Tragödie des Sophokles das Gesetz und nimmt die Todesstrafe durch König Kreon in Kauf, um ihren Bruder würdevoll zu beerdigen. In Homers Ilias begibt sich der trojanische König Priamos ins feindliche Lager um Achilles, welcher seinen Sohn Hektor getötet hat, um die Herausgabe von Hektors Leichnam zu bitten. Trotz erbitterter Feindschaft wird der Tote übergeben und den Trojanern elf Tage für Trauer und Bestattung gewährt.

Die Zeiten, in denen man um das Recht auf eine wunschgemäße Bestattung kämpfen musste, sollten – wenigstens mitten in Europa – nun vorbei sein, sollte man meinen. Tatsächlich droht niemandem mehr die Todesstrafe, der die Verwandtschaft beisetzen will, doch die Wünsche der Menschen und die Möglichkeiten, die das Bayerische Bestattungsgesetz BesG zulässt, gehen an mancher Stelle recht weit auseinander und Reformen wären dringend angezeigt.

Und dann ist es heutzutage nicht König Kreon, der eine junge Frau daran hindern möchte, den Bruder zu bestatten, sondern der Dorfpfarrer einer kleinen bayerischen Gemeinde, der auf intrigante Weise verhindert, dass ein Trauerwald unter der Trägerschaft des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Bayern realisiert werden kann.

Anton Aschenbrenner
Anton Aschenbrenner, Theologe und Betreiber der Trauerwald Bayern GmbH

Die Redaktion von „Menschsein“ spricht mit Anton Aschenbrenner, einem ehemaligen Pfarrer und heutigen konfessionsfreien Trauerredner und Betreiber von sogenannten Trauerwäldern (letzte Ruhestätten ohne religiösen Bezug) über die Möglichkeiten und Grenzen der Bestattung in Bayern. Dabei wird schnell klar, dass das Bayerische Bestattungsgesetz von 1970 so gar nicht mehr der Lebensrealität der Menschen von heute entspricht. Zentraler Punkt ist aus Aschenbrenners Sicht hier nicht zuletzt die Mobilität, mit der wir heutzutage durchs Leben gehen. Dass jemand in einer Gemeinde geboren wird, lebt, stirbt und dort begraben wird, ist nun eher die Ausnahme. Berufliche und private Lebensumstände sorgen dafür, dass Menschen den Wohnort wechseln. Mancher möchte nach dem Tod zurück in die Heimat, ein anderer vielleicht in der neuen Heimat bleiben.

Anton Aschenbrenner studierte katholische Theologie und arbeitete jahrelang als Diakon und Priester in der Diözese Passau, bevor er 2003 heiratete, eine Familie gründete und aus der Kirche austrat. Heute ist er Redner, kirchenunabhängiger Leiter von Zeremonien, Coach und freier Seelsorger. Weiter Informationen zur Person finden sich auf seiner Website.

Auch Angehörige, die ein Grab besuchen und pflegen würden, leben vielleicht viele hundert Kilometer weit entfernt und möchten ihre Verstorbenen im eigenen Garten beisetzen. Doch hier ist das bayerische Bestattungsgesetz streng. Das gehört geändert – sagen sowohl Anton Aschenbrenner als auch der bfg Bayern, der erst kürzlich eine Pressemitteilung dazu herausgegeben hat.

Wo es Trauerwälder gibt, wo sie geplant werden, was sie gegen die Klimakrise ins Feld führen, wie weit die Planungen eines Trauerwaldes unter bfg Bayern-Trägerschaft gediehen sind und was sich 2025 genau zwischen Kirche und Gemeinderat in Tannstein abspielte und einen säkularen Trauerwald an dieser Stelle verhinderte, können Sie am Sonntag auf BR 2 (oder später in der Mediathek des bfg Bayern) erfahren.

Informationen zu den Trauerwäldern gibt es auf der Trauerwald-Website.

Die ganze Sendung kann man am Sonntag, 20.09.2026, 6:30-6:45 Uhr auf BR 2 anhören. Die Sendungen bei BR 2 und gelegentlich auch ausführlichere Interviews sind in der Mediathek des bfg Bayern sowie auf Spotify und Apple Podcasts unter dem Titel „Menschsein – der Podcast des bfg Bayern“ nachzuhören.
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