Geschichte

Der junge Honecker

Wer war der Generalsekretär der SED und Vorsitzende des Staatsraates der DDR, Erich Honecker, bevor ihn Walter Ulbricht am 20. Mai 1945 im Berliner Lokal "Rose" entdeckte und für die Funktion des KPD-Jugendbeauftragten auserkor, woraus sich eine unglaubliche Karriere entwickelte? Wie wurde der "Dissident" und Kommunist sozialisiert, was prägte ihn bis an sein Lebensende? Was ist dran an dem sich aus der "Wende"-Zeit" fortschleppenden Verriss, er sei ein "notorischer Lebenslügner"? Der renommierte Historiker der DDR-Geschichte Martin Sabrow hat über ihn ein umfängliches, erkenntnisreiches und spannend zu lesendes Buch publiziert, das vom Kulturwissenschaftler Horst Groschopp rezensiert wird.

Bürokratie und Massenmord

Der Historiker Peter Logerich legt mit "Wannseekonferenz. Der Weg zur 'Endlösung'" eine Darstellung und Deutung der bürokratischen Vorbereitung des Massenmordes an den Juden im Zweiten Weltkrieg vor. Der Autor entzieht sich einfachen Erklärungen und macht auf die Komplexität des Prozesses aufmerksam, wobei er auch Detailaspekte der Konferenz akribisch untersucht und so eine schlüssige Interpretation präsentiert.

Gewalt und Monotheismus

Der Ägyptologe Jan Assmann geht in seinem Buch "Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung" erneut dem Kontext von Gewalt und Monotheismus nach. Dabei beschränkt er sich auf eine kenntnisreiche Darstellung zur Entstehungsgeschichte, eine darüber hinausgehende Erörterung im strukturellen oder übergeschichtlichen Sinne findet man darin nicht.

Geschichte politischen Denkens in Portraits

Otfried Höffe, der lange Philosophie an der Universität Tübingen gelehrt hat, legt mit "Geschichte des politischen Denkens. Zwölf Porträts und acht Miniaturen" eine Gesamtdarstellung zum Thema mit Vorlesungscharakter vor. Der durch Lehr- und Publikationstätigkeit ausgewiesene Experte liefert damit einen überaus informativen Überblick, der sich aber nicht immer als wirkliche Einführung lesen lässt und hier und da insbesondere bei der Kommentierung etwas mehr Systematik verdient hätte.

"Sklaverei als Menschenrecht"

Schon der Titel des Buches von Rainer Roth scheint ein Widerspruch zu sein. Doch auch der Inhalt könnte viele irritieren, beschreibt er doch bürgerliche Aufklärer von Locke, Montesquieu über Rousseau bis Kant als Rassisten, Sklaverei nicht als moralischen Unfall der bürgerlichen Gesellschaft, sondern als ökonomisches Fundament von deren Industrialisierung und des Reichtums von Handels- und Industrieunternehmern im 18. / 19. Jahrhundert.

Die Frühgeschichte der USA ist bis heute prägend

Der Historiker Michael Hochgeschwender legt mit "Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763 – 1815" eine ausführliche und lesenswerte Studie zum Thema vor. Dabei widerlegt der Autor weit verbreitete Gründungsmythen, neigt aber mitunter auch zur Detailverliebtheit und hätte die ökonomischen Interessen noch stärker hervorheben können.

Karl war weder groß noch Vorbild

Rolf Bergmeier legt in seinem jüngsten Buch keine weitere Karl-Biografie vor, sondern versucht vielmehr, dem Historiker-Mainstream, der den Regenten zum "Vater Europas" hochstilisiert und entsprechend lobhudelt, entgegenzutreten. Zu Recht, meint Hans Trutnau.