Kulturgeschichte

Weihnachtsoratorium

Das Elend des Kulturchristentums

Morgen ist "Christi Himmelfahrt", zehn Tage später folgt "Pfingsten" – Kuriositäten des christlichen Feiertagskalenders, die noch immer gesetzliche Feiertage sind. Michael Murauers Polemik will mit ihrem Titel auf Joachim Kahls erfolgreichstes Buch "Das Elend des Christentums" anspielen und ist ihm zum 85. Geburtstag gewidmet, den er gestern gefeiert hat.

Pyramiden von Gizeh

Zum Tode Erich von Dänikens

Am 10. Januar 2026 endete eine Ära. "Dies ist mein letztes Buch", hatte Erich von Däniken bereits 2024 anlässlich der Veröffentlichung seines autobiografischen Werkes "Notizen aus meinem Leben" verkündet. Nun ist der Superstar der Parawissenschaften und wahrscheinlich erfolgreichster Sachbuchautor aller Zeiten, im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in seinem langjährigen Wohnort Interlaken gestorben.

Alkohol und der Aufstieg komplexer Gesellschaften

Seit langem vermuten Forschende, dass Alkohol eine wichtige Rolle bei der Förderung breit angelegter Kooperationen und der Entwicklung komplexer, hierarchischer Gesellschaften gespielt haben könnte – die "Drunk Hypothesis" (Trunkenheitshypothese). Eine Analyse von 186 nicht-industriellen Gesellschaften ergab einen positiven Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein traditionell hergestellter fermentierter Getränke (wie Met, Wein und Bier) und einem höheren Grad an politischer Komplexität. Der Einfluss von Alkohol war jedoch eher gering. Dies deutet darauf hin, dass andere Faktoren, wie beispielsweise die Landwirtschaft, für die Entstehung komplexer Gesellschaften wichtiger waren.

Kultur als ständige Aneignung

Der in Harvard lehrende Literaturwissenschaftler Martin Puchner wagt in seinem Werk "Kultur. Eine neue Geschichte der Welt" nicht weniger als eine Neuschreibung der Globalgeschichte – jedoch nicht entlang der gewohnten politischen oder wirtschaftlichen Linien, sondern durch die Linse der kulturellen Transferprozesse. Sein zentrales Argument: Kultur entsteht nicht aus Abgrenzung, sondern aufgrund von Durchlässigkeit. Nicht Identität, sondern Aneignung ist ihr Motor.

Rekonstruiertes germanisches Dorf

Als die Nazis sich die Germanen ausdachten

Ob in Fantasy-Literatur, Sonnenwendfeiern oder völkisch aufgeladenen Debatten – die Schatten des Germanenmythos sind heute präsenter als vielen bewusst ist. Angesichts der zunehmenden Vereinnahmung historischer Symbole durch rechte Bewegungen stellt sich die Frage: Wie konnte ein romantisch-verklärtes Bild antiker Stämme zur ideologischen Waffe des Nationalsozialismus werden – und warum wirkt es bis heute fort?

Oktoberfest auf dem Potsdamer Platz: Nicht weniger als Blasphemie!

Dass sich das preußische Partyvolk alljährlich im Berliner Hofbräu-Wirtshaus zu einem sogenannten "Oktoberfest" zusammenrottet, bereitet der bayerischen Intelligentsia seit jeher gewisse Bauchschschmerzen. Mit dem derzeit stattfindenden Oktoberfest auf dem Potsdamer Platz in Berlin allerdings ist die Maß endgültig voll – und Bayern stellt Strafantrag wegen Gotteslästerung.

Bestattung eines (männlichen?) Kindes in Franzhausen II

Tote enthüllen Geschlechterrollen der Bronzezeit

In den 1980er-Jahren entdeckte man beim Bau einer Schnellstraße in Niederösterreich tausende bronzezeitliche Gräber. Jetzt will ein Team aus Archäologie, Gerichtsmedizin und Chemie die Funde wieder zum Leben erwecken. Die Forschenden versuchen herauszufinden, welche Rolle das Geschlecht für das Zusammenleben in der vergangenen Kultur spielte.

MIZ 4/20 erschienen: Kulturkampf – Relikt von vor 150 Jahren?

Vor 150 Jahren begann der sogenannte Kulturkampf. Der Schwerpunkt der MIZ wirft einen Blick auf diese historische Auseinandersetzung zwischen Katholizismus und preußisch-deutschem Staat. Dabei geht es sowohl um die (gar nicht so eindeutige) Einordnung der Ereignisse in die Geschichte von Emanzipation und Repression als auch um eine grundlegende Reflexion kultureller Kämpfe.

Aufklärung bringt Hoffnung und Licht in dunkler Zeit

Das bevorstehende Weihnachtsfest soll in besonderer Weise eine Zeit der Ruhe und Besinnung, der Familie und der Mitmenschlichkeit werden. Weihnachten wird jedoch von Politik und Medien noch immer fast ausschließlich als christliches Fest dargestellt. Die dahinterstehende verengte Sichtweise ist historisch angreifbar, kulturell einseitig und gesellschaftspolitisch verfehlt.