Rezensionen

Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Band 21

(hpd) Das „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ liegt in seiner einundzwanzigsten Ausgabe vor. Einen Themenschwerpunkt bilden Beiträge zum Antisemitismus in Litauen, darüber hinaus findet man aber in bewährter Qualität auch beachtenswerte Abhandlungen zur Judenfeindschaft in anderen Ländern und zu anderen Zeiten.

Politische Denker im systematischen Überblick

(hpd) Der Politikwissenschaftler Frank R. Pfetsch legt eine systematische Darstellung zu den einschlägigen Denkern von der Antike bis zur Gegenwart vor. Da er seine Arbeit auch vergleichend anlegt, hebt sie sich trotz der mitunter unverständlichen Auswahl der Porträtierten wohltuend von anderen Darstellungen ab.

Mangelnde Gleichheit als Gefahr für Demokratie

(hpd) Der französische Historiker Pierre Rosanvallon schildert die ideen- und real­geschichtliche Entwicklung der Gleich­heits­vor­stellungen in den westlichen Demokratien. Seine Warnungen vor einem Auseinander­driften der politischen und sozialen Ebene von Demokratie verdienen Beachtung, mitunter fehlt es aber an der notwendigen Klarheit und Präzisierung.

Mehr Autobiographie denn Reformvorschläge

(hpd) Winfried Ridder, der zwanzig Jahre lang als Auswerter im Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet hat, will in seinem Buch Position zur aktuellen Debatte über Reformen beziehen. Diese durchaus interessanten Ausführungen nehmen aber nur wenige Seiten des Buches ein, welches mehr eine Art berufliche Autobiographie über die Tätigkeit in den 1970er bis 1990er Jahren ist.

Mehr Analyse, weniger Polit-Kitsch

(hpd) Michael Hardt und Antonio Negri gelten als Theoretiker der globalisierungskritischen Protestbewegung und wollen in ihrem Buch ein entsprechendes Plädoyer für mehr Partizipation vortragen. Die durchaus zutreffenden gesellschaftskritischen Ausführungen hat man von anderen Autoren schon besser lesen können, die konkreten Forderungen bleiben blass und enden im Polit-Kitsch mit religionsähnlichen Zügen.

Warum Nationen scheitern

(hpd) Der Ökonom Daron Acemoglu und der Politikwissenschaftler James A. Robinson untersuchen die Ursachen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung unterschiedlicher Länder. In Demokratie und Rechtstaatlichkeit und nicht in Klima oder Kultur erblicken sie in ihrer gleichwohl stellenweise etwas einseitigen, insgesamt aber überzeugenden Arbeit die entscheidenden Bedingungsfaktoren für Armut und Reichtum.

Irrwege und Lügen der Alternativmedizin

(hpd) Auch in der Medizin gilt anscheinend immer häufiger nicht mehr der naturwissenschaftliche Grundsatz „Wissen statt Glauben!“ und evidenzbasierte Methoden, sondern Quacksalberei. Theodor Much hat dazu ein empfehlenswertes Buch mit vielen Informationen für kritische Leser verfasst.

Eine neue Marx-Biographie

(hpd) Der US-amerikanische Historiker Jonathan Sperber legt eine neue Marx-Biographie vor, welche den Denker nicht aus der Perspektive des 20., sondern des 19. Jahrhunderts sieht. Diese historisierende Perspektive steht für die Besonderheit und Qualität der Lebensbeschreibung auf neuestem Forschungsstand.

Eisenkinder

(hpd) Das Buch "Eisenkinder" von Sabine Rennefanz habe ich durch ein Interview kennengelernt, dass vor einigen Tagen in der FAZ erschien. In diesem Moment wußte ich, dass ich dieses Buch lesen muss. Denn – obschon etwas älter als die Autorin – weiß ich genau, was sie meint. Lebte ich doch nach der "Wende" eben­falls eine Weile wie im luft­lee­ren Raum.

Antisemitismus und Einwanderungsgesellschaft

(hpd) Antisemitismus findet man nicht nur bei den autochthonen Bürgern des Landes, Judenfeindschaft gibt es auch unter Menschen mit Migrationshintergrund, was die Beiträge des vorliegenden Sammelbandes veranschaulichen wollen. Manche Beiträge enthalten beachtenswerte Einschätzungen und Informationen, andere Texte ergehen sich leider in mitunter nebligen und unklaren Reflexionen zum jeweiligen Thema.