Rezension

Antisemitismus, Nahost-Konflikt und Zionismus

(hpd) Der israelische Historiker Moshe Zuckermann veröffentlicht in „Wider den Zeitgeist. Bd. I“ Aufsätze und Gespräche. Dabei kritisiert der Autor die Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs zur Immunisierung vor Kritik, berücksichtigt aber nicht intensiv genug die Existenz von antisemitischen Mentalitäten hinter bestimmten Einwänden.

Lebenswelt als Marktgesellschaft

(hpd) Der in Harvard lehrende Philosoph Michael J. Sandel kritisiert das Eindringen des Marktdenkens in die soziale Lebenswelt. Die dazu geschilderten Beispiele geben einen bedrohlichen Eindruck von den gesellschaftlichen Folgen; gleichwohl hätte man sich dazu auch etwas mehr analytischen Tiefgang gewünscht.

Abkehr von der Opfer-Perspektive

(hpd) Peter Menasse, Chefredakteur des jüdischen Magazins NU in Österreich, formuliert in seinem Essay eine Kritik an der Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs und des Selbstverständnisses als Opfer. Sein damit einhergehender Appell an eine Neupositionierung jüdischer Identität wird leider beleglos, formal unstrukturiert und inhaltlich zugespitzt – eben essaystisch – vorgetragen.

Menschenrechte als Alibi

(hpd) Der in Teheran geborene Schriftsteller und Publizist Bahman Nirumand hat eine kenntnisreiche Analyse vorgelegt, wie man das von ihm gewohnt ist. Es geht um die Nahostpolitik des Westens und das mangelnde Engagement für Menschenrechte in Bezug auf die politische Situation im Nahen Osten. Und es geht auch um "den Islam".

Burschenschaftler, FPÖ und Neonazis

(hpd) Der Journalist Hans-Henning Scharsach legt ein Buch vor, das eine Fülle von Belegen für das Bestehen eines Netzwerkes von Burschenschaftlern, FPÖ und Neonazis enthält. Der Autor liefert auf über 300 Seiten mit über 1000 Fußnoten einschlägige Belege, aber leider keine Auseinandersetzung mit den politischen Positionen Straches.

Spannung im Netz

(hpd) Man nehme die vorhandene unterschwellige Angst der Mehrheit der Bevölkerung vor dem Internet, einige aktuelle Schlagworte wie "Krise", "Occupy" und "Anonymous" und baue aus diesen Schlagworten und einer Handvoll Personen einen Roman. Das klingt abgedroschen und lässt nicht viel erwarten. Doch Thore D. Hansen baut aus diesen Versatzstücken eine bestechend spannende Story.

Die Kirchen als Arbeitgeber

(hpd) Eva Müller berichtet in ihrem Buch vom Schicksal der Leiterin eines katholischen Kindergartens, die nach der Trennung von ihrem Mann und dem Beginn einer neuen Liebesbeziehung entlassen wird. Der skandalöse Fall macht exemplarisch deutlich, wie sehr der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland inhaltliche Beurteilungen des Privatlebens von Mitarbeitern zur Umsetzung von Kündigungen nutzen kann.

Nichts Neues gegen den Neuen Atheismus

(hpd) Die weltweiten Bestseller der Neuen Atheisten wie z.B. Richard Dawkins´ „Gotteswahn“ lässt die Vertreter des irrationalen Glaubens nicht ruhen und so versuchen sie immer wieder aufs Neue, die naturwissenschaftlich fundierten Thesen der Neuen Atheisten zu widerlegen. Auch das Buch „Antwort auf den Neuen Atheismus“ ist Ausdruck völliger Ignoranz von Fakten und logischen Schlussfolgerungen.

"Netzgemüse"

(hpd) Wer - wie ich auch - pubertierende Kinder im Haushalt hat (bzw. hatte), kennt das: Man sieht von seinen Kindern nur noch den Scheitel, "weil die ständig über dem Smartphone hängen." Wichtiger als Essen, Reden und Schlafen (vom Lernen einmal ganz abgesehen) scheint das verdammte Smartphone zu sein, das in einer Tour möpt und trillert und unsere Sprößlinge von all dem abhält, das wir für Wichtig(er) halten.

Schiefe Wahrnehmungen von einer Rundreise

(hpd) Der US-amerikanische Journalist Tuvia Tenenbom berichtet von einer Rundreise durch die Bundesrepublik, wo er bei all seinen Gesprächspartnern einen „eingefleischten Antisemitismus“ ausgemacht haben will. Statt dem im Klappentext des Verlages angekündigten erhellenden und provokativen Buch hat man es aber eher mit einem langweiligen und stereotypen Werk zu tun.