Leitlinie zum Kinderschutz in der Medizin

Beschneidungsbetroffene werden nicht gehört

kampagnenfahrzeug_beschneidungskampagne.jpg

Beschneidungskampagne - vor dem Bundeskanzleramt
Beschneidungskampagne - vor dem Bundeskanzleramt

BERLIN. (hpd) An der Universität Bonn wird derzeit eine neue S3-Leitlinie zum Kinderschutz in der Medizin erstellt. Dabei werden die Belange der Beschneidungsbetroffenen jedoch nicht beachtet.

Die Leitliniengruppe unter Dr. Ingo Franke hat sich auf Nachfragen durch Fachärzte und den Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. wiederholt geweigert, die Thematik nicht-therapeutischer Vorhautamputationen ("Beschneidung") in dieser Leitlinie zu behandeln und entsprechende Fälle und Literatur zu berücksichtigen. Auf der Webseite von MOGiS heißt es: "Nach Anfrage durch Fachleute und den Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. hat es die Leitliniengruppe zur S3-Leitlinie 'Kinderschutz in der Medizin' mit Verweis auf Beschneidungen in Afrika und den USA abgelehnt sich mit dem Thema nicht-therapeutischer Vorhautentfernungen bei Kindern zu befassen."

Nun wenden sich die Kritikerinnen und Kritiker und Betroffene in einem offenen Protestbrief – den jeder mitzeichnen sollte, der diese Ignoranz kritisiert – an die Leitliniengruppe. "Ihre Ablehnung der Befassung mit nicht-therapeutischen Vorhautamputationen bei kleinen Jungen im Rahmen Ihrer Ausarbeitung einer Leitlinie für den Kinderschutz in der Medizin ist für leidvoll betroffene Beschneidungsopfer und auch für Ärzte und Therapeuten, die diese später behandeln, nicht nachvollziehbar. Die körperlichen, seelischen und sexuellen Beeinträchtigungen derjenigen, die als Kind von einem solchen Eingriff betroffenen sind und als Erwachsene mit den Folgen dieses chirurgischen Eingriffs in ihre sexuelle Selbstbestimmung leben müssen, sind in vielen Fällen mit großem Leid verbunden."

Zu den Unterstützern gehören Prof. Dr. Matthias Franz (Universitätsklinikum Düsseldorf), Prof. Dr. Tonio Walter (Universität Regensburg), Prof. Dr. Maximilian Stehr (Chefarzt Kinderurologie Klinikum Haller Wiese Nürnberg), Dr. Thomas Fischbach (Präsident Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte), Christa Müller (Vorsitzende (I)NTACT e.V.) u.v.m.