Kirchenkritischer griechischer Schriftsteller festgenommen

petros_tatsopoulos_1.jpg

Petros Tatsopoulos, prominenter griechische Schriftsteller und Politiker (2008)
Petros Tatsopoulos

Anfang dieser Woche wurde der prominente griechische Schriftsteller und Politiker Petros Tatsopoulos in Athen festgenommen, nachdem er auf einer von der Buchhandlung "Free Thinking Zone" organisierten Veranstaltung zum Thema Religion und Erziehung gesprochen hatte. 

Tatsopoulos ist eine der wenigen Personen des öffentlichen Lebens, die seit Jahren offene Kritik an der griechisch-orthodoxen Kirche und deren Position im griechischen Staat üben.

Wie die griechische Tageszeitung Kathimerini berichtet, liegt der Festnahme eine Klage des Fernsehmoderators Philippos Kambouris zugrunde. Der Kläger ist Kandidat der rechtspopulistischen Partei Elliniki Lysi ("Griechische Lösung") und beschludigt den Schriftsteller der Verleumdung, der Beleidigung seines Glaubens und Verletzung seiner Religionsfreiheit.

Grund dafür ist eine Äußerung, die Tatsopoulos in den Sozialen Medien getätigt hat. Nachdem der Kläger Kambouris bei einem Klosterbesuch in Nea Makri im östlichen Attika behauptet hatte, Schutzpatron Ephraim habe ein Wunder vollbracht, das ihm nach einem Schlaganfall im Jahr 2020 das Leben gerettet habe, merkte Tatsopoulos an, dass Kambouris seinen Glauben benutze, um die Wählergunst zu gewinnen. Tatsächlich ist Wunderglauben in weiten Teilen der griechischen Bevölkerung verbreitet, so dass gut vorstellbar ist, dass manch einer einem Politiker, dem die wundertätigen Heiligen derart hold zu sein scheinen, bereitwillig sein Vertrauen schenken mag.

Nach Eingreifen der Staatsanwaltschaft wurde Tatsopoulos inzwischen aus der Haft entlassen. Auch liegt mittlerweile eine Stellungnahme von Yannis Oikonomou als Vertreter der griechischen Regierung vor, in der betont wird, dass die Meinungsfreiheit in der griechischen Verfassung verankert ist und nicht für politische Zwecke missbraucht werden sollte.

Unterstützen Sie uns bei Steady!