An der Tel Aviv University ist man den Dialekten der Fledermäuse auf der Spur

Wolkengesänge der Flughunde

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Rousettus egyptiacus
rousettus egyptiacus

Es braucht einen ganzen Flughundschwarm, um dem Nachwuchs beizubringen, sich zu artikulieren, das fanden Yossi Yovel und sein Team von der Tel Aviv University heraus. Es sind nur wenige Säugetiere außer dem Menschen bekannt, welche die Kommunikation mit den Artgenossen erst lernen müssen, darunter Robben und Wale – und Fledermäuse, zu denen die Flughunde gehören.

Die meisten Virtuosen unter den Vögeln lernen das Singen an einem Vorbild, in der Regel sind es die Väter. Bei Säugetieren ist das Prinzip Kleinfamilie in Sachen Lernen zu kommunizieren out. Der Sound aller Artgenossen, die zum Schwarm gehören oder zur Herde, beeinflusst, was die Jungen lernen. Bei Fledermäusen hat man dies relativ unaufwendig nachweisen können..

15 tragende Weibchen Ägyptischer Flughunde (Rousettus aegyptiacus), die zur Gattung der Fledermäuse gehören, wurden im Landesinneren Israels eingefangen und auf drei Versuchsräumlichkeiten aufgeteilt. Es wurde darauf geachtet, dass die Tiere genetisch untereinander nicht zu nah verwandt waren. Nach der Geburt der Flughundbabys blieben die Mütter noch 12 Wochen mit dem Nachwuchs beisammen, so lange, wie sie ihn säugten. Die ganze Zeit wurden ihre Gehege unterdessen mit Aufnahmen von drei verschiedenen, ihnen fremden Fledermausdialekten beschallt, von denen eine Gruppe sehr hohe Stimmen hatte, die anderen sehr tiefe. Im dritten Aufnahmepool kamen beide Stimmlagen vor. Die Aufnahmen bildeten den heranwachsenden Flughunden noch 17 weitere Wochen eine ständige Geräuschkulisse. Dann wurde gemessen und untersucht, wie die Youngster sich artikulierten. Sie taten es samt und sonders derart, wie sie es die ganze Zeit über via Mikrophon gehört hatten. Angeboren konnte das nicht sein, denn blutsverwandt waren sie nicht.

Fledermäuse sind sehr soziale Wesen. Sie leben zu Dutzenden bis mehreren Hunderttausenden in Höhlen. Da ist es im Allgemeinen stockfinster, und Geräusche bilden die einzige Orientierungsmöglichkeit. So erklärt sich, dass ihre Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit für das, was ihnen zu Ohren kommt, besonders ausgeprägt ist.

In einem weiteren Schritt wollen die Forscher nun beobachten, ob die Flughunde, wieder in die Wildnis entlassen, ihren neu erworbenen Dialekt an die nächste Generation weitergeben. Dann könnte man von einer regelrechten Kultur bei den Flughunden sprechen. Von ganz elementaren Prozessen, wie sie sich auch einmal beim Menschen zugetragen haben müssen, als er das Sprechen lernte.