Russland

Christlich-orthodoxer Religionsunterricht an staatlichen Schulen?

Laut Bericht der russischen Zeitung Kommersant könnte bald Unterricht in orthodoxer christlicher Kultur zum Lehrplan der Schulen in Russland gehören. Kritiker hatten bereits im August bei Ernennung der strenggläubigen orthodoxen Christin Olga Wasiljewa zur Bildungsministerin vor einer solchen Entwicklung gewarnt.

Das Fach "Orthodoxe christliche Kultur" soll laut Kommersant demnächst Kindern an staatlichen Schulen von der ersten bis zur elften Klasse erteilt werden. Darin fänden sich Inhalte wie "die moralische Kultur in der orthodoxen Familie", "der christliche Krieger" oder "verfälschte biblische Texte wie sie von Sekten genutzt werden". Auch die korrekte Benennung unterschiedlicher Arten von Kirchenglocken sowie die Nutzung des orthodoxen Kalenders gehörten zum Lernstoff.

Laut Moscow Times erhalten Kinder in Russland derzeit Unterricht in "religiösen Kulturen und säkularer Ethik" sowie "der spirituellen und moralischen Kultur der Völker Russlands". Der Vorstoß, den Lehrplan zu ändern, stamme von Mitgliedern der Russischen föderalen Vereinigung für Bildung und Methodologie, die für die Lehrpläne des Landes zuständig ist.

Bildungsministerin Olga Wasiljewa bestritt das Vorhandensein solcher Pläne. Die erst im August zur Bildungsministerin ernannte Wasiljewa ist strenggläubige orthodoxe Christin. Kritiker hatten bei ihrer Ernennung die Sorge geäußert, dass sie sich für die Wiedereinführung des Religionsunterrichts an staatlichen russischen Schulen einsetzen könnte, für die sich die russisch-orthodoxe Kirche bereits seit Jahren stark macht.