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Vorbilder 23.11.2012 · Nr. 14441

AHA! Psychologen (2)

Bearbeitung und Collage: F. Lorenz
Bearbeitung und Collage: F. Lorenz

(hpd) Den „Vater der experimentellen Psychologie“ und den Verfasser eines der grundlegenden Werke der politischen Psychologie stellt der hpd heute vor. Aber auch die Pionierin der psychoanalytischen Behandlung von Psychosen und denjenigen, der die Theorien zur kognitiven Dissonanz und der sozialen Vergleiche vertrat. Einer von ihnen ist zudem weit über die Grenzen der Psychologie hinaus bekannt geworden, als Autor von „Die Kunst des Liebens“. Sie waren alle vier bekennende Atheisten.


Bereits im Mai 2012 präsentierte der hpd acht AHA! Psychologen: Sigmund Freud, Karen Horney, Carl Rogers, Abraham Maslow, Albert Ellis, Nick Humphrey, Susan Blackmore und Steven Pinker. Deren zum Teil streng religiöse Erziehung mag sie hin zur Psychologie und weg von der Religion getrieben haben. Freud arbeitete eng mit der hier vorgestellten Ruth Brunswick zusammen, Karen Horney war gar mit Erich Fromm liiert.


Die Psychologen sind nach Geburtsdatum sortiert.

 

Wilhelm Maximilian Wundt, 16. August 1832 – 31. August 1920, war ein deutscher Arzt, Psychologe, Physiologe, Philosoph und Professor, der heute als einer der Gründungsväter der modernen Psychologie anerkannt ist. Er wird weithin als „Vater der experimentellen Psychologie“ gesehen.
Wundt studierte von 1851-1856 an den Universitäten Tübingen, Heidelberg und Berlin. Nach seinem Abschluss in Medizin in Heidelberg, wurde er 1858 Assistent des Arztes und Physiologen Hermann von Helmholtz.
1874 veröffentlichte er ein Werk, das eines der wichtigsten in der Geschichte der Psychologie werden sollte: Grundzüge der physiologischen Psychologie. Es war das erste Buch, das eigens für den Bereich der Psychologie geschrieben wurde. Das System der Psychologie in den Grundzügen sollte die unmittelbaren Erfahrungen des Bewusstseins untersuchen, einschließlich der Gefühle, Emotionen, Willensentscheidungen und Ideen.
1879 gründete Wundt das erste offizielle Labor für psychologische Forschung an der Universität Leipzig. Durch die Schaffung dieses Labors war es ihm möglich, die Natur religiöser Überzeugungen zu untersuchen, mentale Störungen und abnormales Verhalten zu identifizieren und beschädigte Teile des Gehirns zu orten. Indem er das tat, gelang es ihm, Psychologie als eine von anderen Themenfeldern getrennte Wissenschaft zu etablieren.
Außerdem formierte er 1881 das erste Journal für psychologische Forschung.
Nach ihm sind die Asteroiden 635 Vundtia und 11040 Wundt ehrenhalber benannt.
Autobiografisch äußerte sich Wundt, der aus einem protestantischen Elternhaus stammte, kaum zu seinen religiösen Überzeugungen. Allerdings lassen einige Hinweise und Stellungnahmen in seiner Ethik erkennen, dass er weder an eine Seele noch an einen persönlichen Gott glaubte. Dies führte zu weitreichenden Konsequenzen für das Menschenbild – wie auch für seine Ethik, denn folgerichtig konnte es keine Letztbegründung aus einem Gott geben. Darüber hinaus vertrat er einen Evolutionismus und ging davon aus, dass sich die ethischen Normen kulturell im Zuge der geistigen Entwicklung des Menschen veränderten. Seine Verleugnung der Seele brachte ihm polemische Reaktionen von Anhängern der christlich orientierten Psychologie und Philosophie ein.

 

Ruth Jane Mack Brunswick wurde am 17. Februar 1897 in Chicago geboren. Ihre Eltern waren Amerikaner mit deutsch-jüdischen Wurzeln.
Ihre Bildung gestaltete sich unregelmäßig, aber sie war schon früh versiert in der Literatur, der Musik und den Künsten. 1918 absolvierte sie das Radcliffe College, wo Elmer Ernest Southard, eine Harvard-Eminenz, sie in die intrinsische Welt der Psychologie eingeführt hatte. Da sie aufgrund ihres Geschlechts bei Harvard nicht angenommen wurde, besuchte Brunswick die Tufts Medical School, die sie 1922 mit Cum Laude abschloss.
In Wien unterzog sie sich bei Sigmund Freud (ebenfalls Atheist) einer Psychoanalyse, später wurde sie ein vertrautes Mitglied von Freuds Psychoanalytiker-Zirkel, wo sie eine wichtige Rolle als Mediatorin zwischen amerikanischen Analytikern und Freuds Zirkel einnahm.
Brunswick war Pionierin in der psychoanalytischen Behandlung von Psychosen sowie dem Studium der emotionalen Entwicklung zwischen jungen Kindern und ihren Müttern und der Wichtigkeit dieser Beziehung bei der Entstehung mentaler Krankheiten.
Ruth Brunswick war charmant, intelligent, feminin und lebenslustig. Ihre Großzügigkeit bedingte, dass sie vielen ihrer Freunde dazu verhalf, Österreich zu verlassen, nachdem die Nazis einmarschiert waren. Sie musste Wien auch verlassen, um ihr eigenes Leben zu retten.
Zu ihrer atheistischen Überzeugung heißt es: „Obwohl sie in ihrer Jugend die zionistischen Sympathien ihres Vaters teilte, war sie ansonsten nicht in jüdische Angelegenheiten verwickelt und war der Überzeugung nach Atheistin.“
"Although in her youth she had shared her father's Zionist sympathies, she was not otherwise involved in Jewish affairs and was by conviction an atheist." (BRUNSWICK, Ruth Jane Mack (Feb. 17, 1897-Jan. 24, 1946)' in Notable American Women: 1607-1950. Retrieved August 01, 2008)

 

Erich Seligmann Fromm, 23. März 1900 – 18. März 1980, war ein deutscher Sozialpsychologe, Psychoanalytiker, Soziologe, humanistischer Philosoph und demokratischer Sozialist. Er war mit der Frankfurter Schule der Kritischen Theorie.
Fromm war das einzige Kind jüdisch-orthodoxer Eltern. 1918 begann er seine akademischen Studien der Rechtswissenschaft an der Universität in Frankfurt am Main. Ab Sommersemester 1919 studierte er an der Universität Heidelberg, wo er von Recht zu Soziologie bei Alfred Weber (dem Bruder des bekannten Soziologen Max Weber) und dem Psychiatrie-Philosophen Karl Jaspers wechselte. 1922 schloss er sein Studium in Heidelberg mit dem Doktortitel ab.
Mitte der 1920er wurde er in Frieda Reichmanns psychoanalytischer Heilanstalt in Heidelberg zum Psychoanalytiker ausgebildet und eröffnete 1927 seine eigene klinische Praxis. 1930 wurde er Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und beendete seine psychoanalytische Ausbildung.
Nachdem die Nazis in Deutschland die Macht übernahmen, zog Fromm nach Genf und ging anschließend, 1934, an die Columbia University in New York.
Beginnend mit seinem einflussreichen Werk, das er 1941 verfasste, Escape from Freedom (Die Furcht vor der Freiheit), waren die Schriften Fromms bemerkenswert wegen ihrer sozialen und politischen Kommentare wie auch wegen ihrer philosophischen und psychologischen Untermauerungen. Die Furcht vor der Freiheit wird gar als eines der grundlegenden Werke der politischen Psychologie angesehen.
Sein populärstes Buch, Die Kunst des Liebens, das 1956 erschien, rekapitulierte und vervollständige die theoretischen Prinzipien der menschlichen Natur, wie sie in seinen vorherigen Werken zu finden waren.
Zentral für seine Weltsicht war Fromms Interpretation des Talmud, welchen er bereits als junger Mann unter Rabbi J. Horowitz zu studieren begann und dessen Studium er unter Rabbi Salman Baruch Rabinkow fortsetzte, während er an seiner Doktorarbeit in Soziologie an der Universität Heidelberg arbeitete. Fromms Großvater und zwei Ur-Großväter väterlicherseits waren Rabbis. Fromm wandte sich jedoch 1926 vom orthodoxen Judentum ab und hin zu säkularen Interpretationen biblischer Ideale.
Keay Davidson schrieb in einer Biographie Fromms: „Ungefähr um die Zeit herum, hörte er auf, jüdische religiöse Rituale zu beobachten und verwarf eine Angelegenheit, die zuvor sein eigen gewesen war, Zionismus. Er ‚wollte einfach nicht an irgendeiner Teilung der menschlichen Rasse beteiligt sein, ob religiös oder politisch“, erklärte er Jahrzehnte später, als er bereits erklärter Atheist war.“
"About the same time he stopped observing Jewish religious rituals and rejected a cause he had once embraced, Zionism. He "just didn't want to participate in any division of the human race, whether religious or political," he explained decades later (Wershba, p. 12), by which time he was a confirmed atheist." Keay Davidson: "Fromm, Erich Pinchas", American National Biography Online, Feb. 2000)

 

Leon Festinger, 8. Mai 1919 – 11. Februar 1989, war ein amerikanischer Sozialpsychologe, den man vielleicht am besten wegen seiner Theorien zur kognitiven Dissonanz und des sozialen Vergleichs kennt. Seine Theorien und seine Forschung zeichnen sich dadurch aus, dass sie die vormals dominante behavioristische Sicht der Sozialpsychologie ablehnen, indem sie die Unzulänglichkeit der Reiz-Reaktion-Konditionierung demonstrieren, die über menschliches Verhalten berichtet wurde.
Festinger studierte unter Kurt Lewin, der ein wichtiger Vertreter der modernen Sozialpsychologie war, an der University of Iowa Psychologie. Er machte 1941 seinen Abschluss, war damals aber nicht an Sozialpsychologie interessiert, sondern konzentrierte sich auf die Erforschung von Anspruchsniveaus und Statistik. Er wurde „auf Anordnung“ Sozialpsychologe, als er 1945 Mitarbeiter der Fakultät in Lewins Forschungszentrum für Gruppendynamik am Massachusetts Institute of Technology wurde.
Festinger wird auch dafür gewürdigt, den Gebrauch von Laborexperimenten in der Sozialpsychologie vorangebracht zu haben, auch wenn er gleichzeitig die Wichtigkeit betonte, Situationen im wirklichen Leben zu untersuchen – ein Prinzip, das er selbst wohl bekanntermaßen praktizierte, als er persönlich einen Weltuntergangskult infiltrierte.
Trotz seiner Vorrangstellung in der Sozialpsychologie wandte er sich 1964 der Erforschung visueller Wahrnehmung und 1979 der Archäologie und Geschichte zu. Er begann dann, prähistorische archäologische Daten zu untersuchen und traf sich mit dem Paläontologen und Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould, um seine Ideen zu diskutieren, und archäologische Stätten zu besuchen, um aus erster Hand die Herstellung primitiver Werkzeuge zu untersuchen. Seine Anstrengungen liefen schließlich in seinem Buch The Human Legacy zusammen, in dem er die Evolution von Menschen darstellte und wie sie komplexe Gesellschaften entwickelten. Obgleich es den Anschein hatte, als habe er desillusioniert das Feld der Psychologie vollständig verlassen, sah Festinger diese Forschung als Rückkehr zu den grundlegenden Anliegen der Psychologie an.
Leon Festinger war in Brooklyn als Sohn russisch-jüdischer Immigranten geboren worden. Sein Vater hatte Russland als Radikaler und Atheist verlassen und blieb diesem Standpunkt sein ganzes Leben lang treu. Franz Samelson schrieb in einer Biographie: „Festinger, ein bekennender Atheist, war ein origineller Denker und ein ruheloses, hochmotiviertes Individuum mit (in seinen Worten) ‚wenig Toleranz für Langeweile’.“
"Festinger, a professed atheist, was an original thinker and a restless, highly motivated individual with (in his words) "little tolerance for boredom". " (Franz Samelson: "Festinger, Leon", American National Biography Online, Feb. 2000)


Mehr bekannte AHA! Psychologen konnten nicht ausfindig gemacht werden. Dafür werden in den kommenden Wochen andere Wissenschaftler, wie etwa Physiker, Biologen und Erfinder sowie Künstler (z.B. Schauspieler, Musiker) beim hpd vorgestellt werden. Allesamt Atheisten, Humanisten und/oder Agnostiker.
 

Fiona Lorenz


Anmerkung: Die Originalzitate sind – sofern nicht anders gekennzeichnet (hier: Ruth Brunswick) – wikipedia.org entnommen




AHA! Psychologen (11.5.2012)
AHA! Comiczeichner (19.10.2012) - Hier sind Links auf vorhergehende AHA!-Artikel zu finden.