Religiöse Rechte – Notizen Dezember 2012

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US-Flag / Foto: Andrea Church (morguefile)

USA. (hpd) 2012 ist vorüber. Nach einem langen Jahr steht Barack Obama als alter und neuer US-Präsident fest, während sich seine Herausforderer in den Primaries eine Schlammschlacht ungeahnten Ausmaßes geliefert haben. Kurz vor Jahresende war der Christlichen Rechten aber nicht an einem friedlichen Fest gelegen. Wie immer warnte sie spätestens seit dem Herbst vor den gottlosen Angriffen auf Weihnachten. Außerdem trat eine Bluttat eine hitzige Diskussion los.

Der Amoklauf des 20-jährigen Adam Lanza an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut sorgte für weltweites Entsetzen. Der psychisch gestörte Täter erschoss zuerst seine Mutter, begab sich dann an die Schule, um 26 Schüler und Lehrerinnen zu töten und richtete sich anschließend selbst. In den USA entbrannte bald darauf eine Debatte um zu weiche Waffengesetze. Die Christliche Rechte bot jedoch schnell andere Erklärungen an.

Buster Wilson von der American Family Association wurde in seiner Sendung vom „stolzen Besitzer“ eines Stumgewehrs (der gleichen Marke wie Lanzas) angerufen, der seinem Frust an der Obama-Regierung freien Lauf ließ und ankündigte sich auch gewaltsam gegen die US-Regierung zu wehren. Wilson sprach dem Anrufer noch Mut zu, als er entgegnete, dass auch die Gründungsväter der USA kaum anders gedacht hätten, als sie sich gegen die Wilkür der britischen Kolonialherrschaft wehrten. Wilson selbst erklärte, dass nicht freier Waffenbesitz, sondern mangelnder Glaube an Gott die Ursache des Massakers sei. Für den Psychologen James Dobson war klar, dass der Amoklauf die Strafe Gottes für Atheismus, Abtreibungen und Homoehe darstellt. Auch der ehemalige Gouverneur Mike Huckabee schloss sich dieser Sichtweise an. (Quelle 1) (Quelle 2) (Quelle 3)

Bryan Fischer beantwortete die Frage, warum Gott den ermordeten Kindern nicht geholfen habe. 1962 wurde in den USA das Schulgebet abgeschafft. Gott sei ein „Gentleman“ der eben dort, wo er unerwünscht sei, nicht hingehe. (Quelle)

Die Organisation Operation Save America attackierte die Verwaltung der Kleinstadt Newtown, weil sie angesichts der Katastrophe eine Weihnachtsfeier abgesagt hatte. Dies sei Teil eines Planes, Gott zu verdrängen. Auch der ökumenische Gottesdienst für die Toten sei eine Beleidigung Gottes, weil Jesus nicht im Mittelpunkt der Zeremonie gestanden hätte. Die Westboro Baptist Church unter Leitung von Fred Phelps kündigte an, auf der Trauerfeier Gott dafür zu danken, dass er Adam Lanza  geschickt habe, dies wurde allerdings von den Behörden untersagt. (Quelle 1) (Quelle 2)

Im konservativen World Net Daily war zu lesen, dass es sich bei dem Amoklauf um einen „inside job“ der amerikanischen Regierung handele, um strengere Waffengesetze zu verabschieden.  Genauso habe auch Hitler den Reichstand niederbrennen lassen um einen Vorwand für die Verfolgung der KPD zu haben. (Diese These ist allerdings unter Historikern umstritten.) (Quelle)

Tea-Party-Vertreter Judson Phillips forderte Eltern auf, ihre Kinder zuhause zu unterrichten und nicht mehr in öffentliche Schulen zu schicken. Außerdem sollten künftig Milizionäre wie George Zimmerman vor Schule patroullieren.  Gegen Zimmerman wird wegen eines angeblich rassistischen Mordes ermittelt. Außerdem sollten alle Lehrer bewaffnet sein und eine Ausbildung wie Sondereinsatzkommandos der Polizei erhalten, um sich gegen Angriffe der Hamas und der Iranischen Revolutionsgarden auf amerikanische Schulen wehren zu können. (Quelle 1) (Quelle 2)

Robert Jeffress erklärte, Teil der Verteidigungspolitik müsse die Ablehnung der Homoehe sein. Gegen irdische Feinde könne man sich mit einer großen Armee verteidigen, gegen Gottes Zorn nicht. Pastor Kevin Swanson attackierte seinen Kollegen Rick Warren. Dieser hatte erklärt, trotz seiner konservativen Haltung nicht homophob zu sein, immerhin habe er viele schwule Freunde. Swanson meinte, dass man genauso wenig mit Schwulen befreundet sein dürfe, wie mit Serienmördern. (Quelle 1) (Quelle 2)

Matt Barber erklärte Homosexualität sehr simpel: Die Hälfte aller Schwulen seien in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden. Daran schließt seine nächste Warnung fast nahtlos an. Angeblich würde ein Gesetz in Kalifornien Therapeuten künftig dazu verpflichten, sexuell missbrauchten Kindern einzureden, sie seien transsexuell. (Quelle 1) (Quelle 2)

Scott Lively unterstützte in diesem Monat einen Gesetzesvorstoß, der Homosexualität in Uganda unter Strafe stellt. Schwule können dort inhaftiert werden (vorher war sogar die Einführung der Todesstrafe im Gespräch, dies wurde nach internationalem Druck jedoch zurückgenommen.) Wer nich ins Gefängnis wolle, solle eben keine schwule Beziehung eingehen. (Quelle)

Der US-Präsident geriet wie so oft selbst ins Visier der Rechten. Cathie Adams warf dem Marxisten „Barack Hussein Obama“ vor, sein Hirn durch Drogenkonsum „geröstet“ zu haben und daher immer auf den Teleprompter angewiesen zu sein. Der Vorsitzende der American Family Association, Tim Wildmon erklärte Obamas Wahlsieg damit, dass er schwarz sei. (Quelle 1) (Quelle 2)
 

Wie in jedem Jahr wurde die Rhetorik mit dem nahenden Ende des Jahres schärfer. Die Feinde des Christentums würden angeblich Weihnachten selbst attackieren, um den Glauben an Gott zu vernichten. Laut einer Untersuchung von „Media Matters“ räumte Fox-News-Moderator Bill O'Reilly im Dezember dem angeblichen „Krieg gegen Weihnachten“ mehr als dreimal so viel Sendezeit wie tatsächlichen Kriegen weltweit ein. (Quelle)

Matt Barber und Mat Staver kommentierten eine Entscheidung einer Schule in Florida, ein Krippenspiel nur noch im Wandschrank auszustellen. Für beide war es eine „unbeschreibliche Ironie“, dass ausgerechnet Christen „im Wandschrank leben müssen“. (Diese Formulierung wird für Schwule, die ihre Homosexualität öffentlich verbergen, verwendet.) Sandy Rios erklärte, dass der „Krieg gegen Weihnachten“ ein geheimer Plan der Linken sei. Wahre Christen würden das Christentum verteidigen und daher nicht bemerken, dass Liberale ihre Gesetzesvorhaben immer zur Weihnachtszeit verabschieden. (Quelle 1) (Quelle 2)

Burt Prelutsky, selbst ein Jude, attackierte in World Net Daily den jüdischen „Krieg gegen Weihnachten“. Antisemitismus sei in der US-Gesellschaft kaum noch ein Problem, Christenfeindschaft hingegen schon. Juden, die oft auch ihre eigene Religion hassen würden versuchen Amerika säkularer zu machen und das Christentum auszuschalten. Jüdische Journalisten und Richter seien die neue „spanische Inqusition“. (Quelle)

 

Üblicherweise sind die Personalentscheidungen des Präsidenten unter Republikanern heftig umstritten. Scott Brown zeigte sich jedoch erfreut, dass Barack Obama John Kerry zum Nachfolger der Außenministerin Hillary Clinton ernannte. Gänzlich uneigennützig ist sein Lob jedoch nicht. Kerry muss nun seinen Senatssitz in Massachusetts räumen. Für Brown die Chance zum Comeback. Bei einer Nachwahl für die freie Stelle hätte er die Möglichkeit, wieder in den Senat ziehen. Brown hatte bei den vergangenen Kongresswahlen seinen Sitz verloren, den er erst kurz zuvor gewonnen hatte, als der Tod von Senator Ted Kennedy (ebenfalls Massachusetts) eine Nachwahl erforderlich gemacht hatte.

Redaktion und Übersetzung: Lukas Mihr

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