13.3.1986
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Erinnerungskultur 3 Mär 2008 - 14:44 Nr. 4004
BERLIN. (hpd) Sturmgepeitscht und Schirm tragend, die Mützen tief in die Stirn gedrückt, nahm gestern Nachmittag am Eingang Bahn Tower am Potsdamer Platz eine Menge Interessierter teil an der Denkmalseinweihung für den italienischen Philosophen Giordano Bruno.
Geschaffen hat diese Skulptur der Berliner Bildhauer Alexander Polzin. Die sechs Meter große, kopfunter hängende Menschenfigur wurde aus einem einzigen Fichtenstamm herausgeschnitten und dann in Bronze gegossen. Die angedeutete Schraubbewegung zielt auf das Inbild des nackten, geschundenen Menschen mit überstreckten Füßen, Armen und Händen.
Die sechs Finger an einer der beiden Hände bringt den visionären Abweichler, den Theoretiker des Übermenschlichen in’s Spiel. Der Brustansatz verweist auf die undogmatische, arkane, gleichsam feminine Seite Brunos Naturphilosophie.
Das Holz, das dem Entwurf zu Grunde liegt, ein Kohlenstoffmaterial, verwandelt sich mit all seiner Maserung in eine Kupfer-Zinn-Legierung. „Damit haben wir, was wir brauchen: eine Rhetorik des Feuers, die diesem Mann gerecht wird, eine Ahnung von der Sprache der Alchemie und der Metamorphosen, die ihn als Pantheisten beflügelte. Bruno war gewiß der furchloseste und aufrichtigste aller neuzeitlichen Kosmologen.“ Der 1962 in Dresden geborene Schriftsteller Durs Grünbein beschrieb in seiner Rede sehr lyrisch die Anziehungskraft Brunos auf Polzin, Nola, Budapest und Berlin als Stationen des Werkes und gleichsam das Wirken Giordano Brunos eindrucksvoll.
Für Dr. Ernst Salcher, Vorstandmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung, ist die Skulptur „kein Werk der ästhetischen Beiläufigkeit, sondern der gezielten Irritation. Diese Skulptur stemmt sich mit Macht gegen den Strom der täglich an ihr vorbei hastenden Menschen, sie widersteht ihm, sie geht nicht auf in ihm … – weil sie mitteilen will: ’Das alles ist lange her und man kann sich zu Recht fragen, warum wir heute – an diesem zentralen Platz inmitten Europas – noch einmal ein Giordano Bruno- Denkmal aufstellen.’
In Ergänzung der Denkmalseinweihung finden in Berlin eine Podiumsdiskussion sowie ein internationales Kolloquium statt.
GG
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