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Stein der Weisen gefunden

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Herbert Steffen /Foto © Evelin Frerk

MASTERSHAUSEN. (hpd) Abseits vom Getümmel der großen Städte lebt in diesem kleinen abgelegenen Ort im Hunsrück ein Mann, von dem gesagt wird, dass er den legendären „Stein der Weisen“ gefunden habe. Wir waren vor Ort.

Allein schon der Name des Ortes, Mastershausen, klingt wie eine Verheißung. Nicht, als sei es eine Mischung aus einem Masters Turnier und Entenhausen, also im Sinne von Tennis spielenden Millionären, nein, ganz und gar nicht. Es klingt eher, als ob hier der Meister, der absolute Meister der Meister, der „Master“ zu finden ist, dass er hier lebt, schon seit langer Zeit, als man noch nicht von „wohnen“, sondern von „hausen“ sprach und damit sachbezogen meinte, dass jemand ein Haus habe – in dem er dann haust -, und die anderen eine Wohnung, in der sie wohnen.

Schon bei der Annäherung merken wir, dass etwas ungewöhnlich ist. Nach dem Verlassen der Bundesautobahn und dem Abbiegen von der Hunsrückhöhenüberlandstraße, in Kastellaun - ein Ort inmitten eines Straßenspinnennetzes, dessen verfallene Burgruine verkündete, dass hier die krasse Gewalt toben konnte, auch wenn die Leute jetzt lächelten -, ging es durch liebliche Landschaften, dann ein scharfes, plötzliches Abbiegen in der Kurve, Verschlafene wären glatt an dem Wegweiser vorbei gefahren. Die Landschaft verändert sich, wird welliger, die Bergschwünge höher, die Talfahrten tiefer und wieder im Tal an der verlassenen Burgruine vorbei, dem Balduinseck, wieder an einer Kurve, dann den Berg hinauf – waren wir schon an der Alten Eiche, dem "Eichbaam" auf der Galgenhöhe vorbei? -, und plötzlich, in der Einöde eine steile Verteidigungsmauer vor uns, die sich dann allerdings als Fabrik herausstellte, und auf dem Podest der Straße Nr. 1 ein Forum. Hier sollte der Master also hausen.

Das Tor stand offen, so fuhren wir hinein, stiegen aus, die Stufen hinauf und schellten. Ein großes gläsernes Auge betrachtete uns, es schien zu blinzeln, so dass ich mir nervös mit den Fingern durch die Haare fuhr. „Ja bitte?“ ertönte unvermittelt eine Stimme aus dem Nirgendwo. „Ja, entschuldigen Sie, wir wollten Sie gerne sprechen.“ „Dann setzen Sie sich noch etwas auf die Bank neben der Tür. Ich bin noch unterwegs und in einer Viertelstunde wieder zu Hause.“

Verdutzt nickten wir. Wieso konnte der Mann uns sehen und aus der Entfernung mit uns sprechen? Also war an den Gerüchten, dass er über besondere Fähigkeiten verfügte, anscheinend doch etwas dran? Und dass er den Stein der Weisen gefunden habe?

Wir schlenderten auf der Terrasse etwas entlang und plötzlich lag der See vor uns. Wir blickten verblüfft herab: War dies der Jungbrunnen, in dem der Master täglich badete? War der runde Pavillon, der auf Stelzen im Wasser stand, der magische Kreis seiner Gefolgsleute, die Blutstreue geschworen hatten, sein Geheimnis nicht preiszugeben?

„Na, da schaut ihr aber?“ klang es plötzlich hinter uns. Wir drehten uns auf der Stelle um, als hätte er uns bei etwas Verbotenem ertappt, und fragten uns, ob wir richtig sahen. Der Master sollte sehr alt sein, doch vor uns stand ein vitaler Mann in besten Jahren.

Er bot uns einen Sitzplatz an und fragte, warum wir ihn sprechen wollten. Wir nahmen allen Mut zusammen: „Sie sollen den Stein der Weisen gefunden haben?“ „Was soll ich gefunden haben, den Stein der Weisen?“ Er lachte dabei, als hätten wir Scherze gemacht. „Ja!“ „Und was soll das sein?“ „Je älter Sie werden, desto jünger scheinen Sie zu sein!“ „Ich?“ Und wieder hörten wir dieses herzliche Lachen. „Und das soll der Stein des Weisen sein?“ Meine Stimme senkte sich zum Flüstern: „Ja! Das Geheimnis des Ewigen Lebens!“

„Ach nein, da kann ich Sie beruhigen, ich werde genauso sterben, wie alle anderen auch. Aber das Leben macht mir immer noch so einen Spaß, dass ich mir damit wohl noch ein bisschen Zeit lasse.“ Wir nickten, fragten: „Und wieso entsteht dieser Eindruck von älter und gleichzeitig jünger werden?“ Er schwieg, sah anscheinend in sich hinein und schaute uns dann an: „Das ist ganz einfach: Erstens eine sinnvolle Arbeit, zweitens persönliche Zufriedenheit und Anerkennung, drittens eine mir zugewandte Lebenspartnerin, viertens ein Freundeskeis und fünf eine nicht zu bändigende Neugier, was alles noch passiert.“

„Das ist die Quadratur des Kreises?“ „Nicht doch, das waren fünf und keine vier Elemente!“ „Und kein Sechs?“ „Sicherlich, aber man muss ja nicht über alles reden.“ „Und das hält Sie so jung?“ „Das kann man wohl sagen.“

„Dann ist das also der Stein der Weisen!“

C.F.

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Die Redaktion des hpd und die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates der GBS gratulieren Herbert Steffen zum 75. Geburtstag am 18. Oktober 2009. Herzliche Glückwünsche und weiter so!

 

Anlässlich des Beiratstreffen der GBS, Ende September 2009, wurden auch einige Interviews aufgezeichnet. Hier eine Auswahl:

5 Jahre GBS. Ein Interview mit Michael Schmidt-Salomon.
Ein Gespräch mit Herbert Steffen.
Ein kurzes Interview mit Shiro Sonoda, Kurator der GBS.
 

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