Ein Königlicher Schulkommissar gründet Schulen

Georg Kerschensteiner

* 29. Juli 1854 in München; Δ 15. Januar 1932 in München;
deutscher Pädagoge und Politiker, Reichstagsabgeordneter und Begründer der Berufsschulen.

 

Nach dem Abschluss des Lehrseminars arbeitete er als Lehrergehilfe. 1874 holte er am Gymnasium das Abitur nach. Ab 1877 studierte an der TU München und der Ludwig-Maximilians-Universität Mathematik und Physik und promovierte 1883. In den darauffolgenden Jahre hatte er eine Stelle als Gymnasiallehrer in Nürnberg. Ab 1895 amtierte er in München als Stadtschulrat und Königlicher Schulkommissar.
In dieser Funktion begann er „zum Wohle der Kinder” zuerst das Münchener Schulsystem zu reformieren. Unter anderem führte er das 8. Schuljahr ein, um den Jugendlichen den Übergang ins Berufsleben zu erleichtern. Dann erfolgte zwischen 1904 und 1907 der Hauptteil der Reform, die Umgestaltung der Fortbildungsschule, damit „auch den jungen Menschen in der Arbeitswelt individuelle Entfaltung” ermöglicht werden könne. Auch international erregten seine Aktivitäten Aufmerksamkeit, denn die Zeit war nahezu überall für Schulreformen reif. Kerschensteiner ging es nicht um die Ausbildung billiger Arbeiter, sondern dem „Vater der Berufsschule” ging es um die Charakterbildung der jungen Menschen, die über den bloßen Nützlichkeitsgedanken hinausgehen sollte.
Seine pädagogischen Prinzipien lagen vor allem beim Selbsttun, der praktischen Arbeit und der Spontaneität. Arbeit als pädagogischer Begriff stellte für ihn ein Korrektiv der geisteswissenschaftlichen Pädagogik dar. Er richtete nicht nur Lehrräume für den Physik- und Chemieunterricht ein, sondern auch Holz- und Metallwerkstätten, Schulküchen und Schulgärten. Pädagogik sollte nach seiner Meinung praktische und geistige Arbeit zugleich sein. Er befürwortete auch die Selbsteinschätzung der Schüler ihrer eigenen schulischen Leistungen. Jeder Schüler müsse für sich selbst ein Urteil finden. Seine Vorstellung von Bildung beinhaltete neben der Charakterbildung auch die Erziehung zum Staatsbürger und diese konnte seiner Meinung nach durch Berufserziehung verwirklicht werden. Weitere Ziele waren die Förderung des naturwissenschaftlichen und des Kunstunterrichts. Schüler sollten selbständig lernen und nicht nur vom Lehrer den Stoff vorgetragen bekommen, sie sollten möglichst „am lebendigen Objekt” lernen, wofür der theoretische Lehrstoff in den Hintergrund treten müsse.
Kerschensteiner relativierte als einer der ersten anerkannten Pädagogen den Stellenwert der Religiosität. Man habe „sie mehr als ein Erziehungsmittel, denn als Erziehungsziel zu betrachten”. Zur Kirche bewahrte er Distanz.