"1000 Kreuze Marsch" Münster 2016

Christen demonstrieren gegen Abtreibung

1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Weiße Holzkreuze sind das Markenzeichen der christlichen "Lebensschützer"
Abtreibung? - Nein danke!
Konservativer christlicher Aufkleber im Anti-AKW-Stil
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
1000-Kreuze-Marsch Münster 2016
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
1000 Kreuze Marsch Münster 2016 - mit Bild der Münsteraner Lebensschützer-Ikone Kardinal von Galen
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Der Marsch der Lebensschützer stand unter massivem Polizeischutz
Polizei beim 1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Einsatzzüge mehrerer Polizei-Hundertschaften aus Nordrhein-Westfalen waren für den 1000-Kreuze-Marsch nach Münster gekommen
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Gegendemonstranten demonstrierten gegen fundamentalistische christ*innen ...
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
... und für einen selbstbestimmmten Umgang mit dem eigenen Körper
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Die Polizei versucht, die Gegendemonstranten vom 1000-Kreuze-Marsch möglichst fernzuhalten
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Die Trennung von "Lebensschützern" und Gegendemonstranten ist nur mit massivem Polizeiaufgebot möglich
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Die Trennung funktioniert nicht immer vollständig - eine Gruppe Gegendemonstranten macht den christlichen Abtreibungsgegnern ein Alternativangebot: ...
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
... Statt 1000 Kreuzen für ungeborene Kinder, 25.000 Kreuze im Gedenken an die Mittelmeertoten
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Die meisten Aktionen der Gegendemonstranten waren friedlich. Es kam jedoch auch zu einer Rangelei mit einem Journalisten sowie zum Wurf einer Flasche Rote-Beete-Saft in die Menge der christlichen Lebensschützer.
Kreuz
Ehemals weißes Holzkreuz nach der Begegnung mit einer Flasche Rote-Beete-Saft
Kardinal von Galen Statue
Der 1000-Kreuze-Marsch endete vor dem Kardinal-von-Galen-Denkmal auf dem Domplatz von Münster
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Die knapp 100 Teilnehmer des 1000-Kreuze-Marsches kniend beim Abschlussgebet
1000 Kreuze Marsch Münster 2016
Rund doppelt so viele Gegendemonstranten hatten sich bei der Abschlussveranstaltung auf dem Domplatz von Münster versammelt.
My body my choice
My body - My choice!

MÜNSTER. (hpd) Wie in jedem Jahr fand der Saisonauftakt der alljährlichen "Lebensschützermärsche" in Deutschland am vergangenen Samstag in Münster/Westfalen statt. Flankiert wurde der Marsch christlicher Abtreibungsgegner von zahlreichen Gegendemonstranten.

Weiße Holzkreuze sind ihr Markenzeichen. Mit ihnen demonstrieren christliche Lebensschützer weltweit gegen das Recht auf Abtreibung, indem sie "der Opfer dieser 'Kultur des Todes'" gedenken, "die uns auf eindrucksvolle Weise in verabscheuungswürdiger Weise verdeutlicht, wozu der angeblich moderne und aufgeklärte Mensch heutzutage in der Lage ist und sogar auf ein Recht auf solche Art des Tötens Unschuldiger pocht."

Aus dem geplanten Marsch unter dem Motto "1000 Kreuze für das Leben" wurde in Münster jedoch allenfalls ein 100-Kreuze-Marsch, denn auf dem Vorplatz der Aegidiikirche hatten sich am frühen Samstagnachmittag nur knapp 100 potentielle Kreuzträger versammelt.

Der von der christlichen Lebensschutzvereinigung EuroProLife organisierte 1000-Kreuze-Marsch durch Münster findet seit 2003 statt. Der Gebetszug durch die konservative westfälische Metropole ist in jedem Jahr traditionell der erste Marsch der sogenannten Lebensschützer in Deutschland. Ihm folgen Märsche verschiedener christlicher Organisatoren in diversen Großstädten wie beispielsweise der "Marsch für das Leben" in Berlin.

Während die Anzahl der christlichen Marsch-Teilnehmer in Münster mit knapp 100 gegenüber dem Vorjahr geringer war, gab es in diesem Jahr erstaunlich viele junge Männer und Frauen unter den Lebensschützern.

Wolfgang Hering, Versammlungsleiter des 1000-Kreuze-Marsches, gab den Versammelten vor Veranstaltungsbeginn neben klärenden Details zum Ablauf der Kreuzausgabe bekannt, dass es sich bei dem Marsch um einen "Gebetszug" und nicht um eine politische Demonstration handele. Auf etwaigen Widerstand oder gar Anfeindungen empfahl er, mit verstärktem Gebet zu reagieren.

Dass mit Widerstand zu rechnen sein würde, war aufgrund der Gegendemonstrationen in den Vorjahren kein Geheimnis. Auch in diesem Jahr hatte das Aktionsbündnis "Gegen 1000 Kreuze" wieder dazu aufgerufen, den Marsch der christlichen Lebensschützer nicht unwidersprochen hinzunehmen und deutlich für das Recht auf Abtreibung einzutreten.

Als sich der 1000-Kreuze-Marsch, ausgerüstet mit Holzkreuzen, Bildern von Föten und Neugeborenen, "Abtreibung? – Nein danke!"-Aufklebern  sowie einem Marienbildnis an der Spitze singend in Bewegung setzte, säumten bereits rund 200 Gegendemonstranten den Weg der knapp 100 Lebensschützer. Zwischen beiden Gruppen: Ein enormes Polizeiaufgebot. Einsatzzüge mehrerer Polizei-Hundertschaften aus Nordrhein-Westfalen versuchten, die Gegendemonstranten von den Lebensschützern fernzuhalten. 

Vollständig gelang die Trennung jedoch nicht. Mit Sprechchören und Trillerpfeifen ließen die Gegendemonstranten die Teilnehmer des 1000-Kreuze-Marsches auf ihrem Weg durch die Altstadt von Münster wissen, was sie von christlich fundamentalistischen Auffassungen zu Themen wie Schwangerschaftsabbruch, Frauenrechte und Homosexualität hielten. Die Teilnehmer des christlichen Marsches wurden von Gegendemonstranten mit Konfetti und Kondomen sowie einer Flasche Rote-Beete-Saft beworfen.

Als ein Gegendemonstrant dem Versammlungsleiter der Lebensschützer das Mikrofon aus der Hand riss, drohte die Situation kurzzeitig zu eskalieren: Ein Journalist hatte das Entwenden des Mikrofons zufällig mit seinem Handy gefilmt, was ihm aus Reihen der Gegendemonstranten Schläge sowie den Versuch einbrachte, sein Handy zu stehlen.

Der 1000-Kreuze-Marsch endete nach rund anderthalb Stunden mit einem Gebet am Kardinal-von-Galen-Denkmal auf dem Domplatz von Münster. Kardinal von Galen wird von den christlichen Lebensschützern besonders verehrt, da er sich als Bischof von Münster während des Dritten Reichs für den Schutz des sogenannten "unwerten Lebens" und damit gegen die vom NS-Regime angeordnete Tötung von Kranken und Behinderten aussprach. Außerhalb konservativer christlicher Kreise ist Galen aufgrund weiterer Äußerungen hingegen nicht unumstritten. Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion lobte er beispielsweise ausdrücklich als Kampf gegen den gottlosen Bolschewismus. Die ehemalige Theologieprofessorin Uta Ranke-Heinemann sieht in der Person des Kardinals von Galen die Bündelung der "Lebenslüge des deutschen Nachkriegskatholizismus"

Das Schlussgebet am Galen-Denkmal wurde überraschend von Gegendemonstranten unterbrochen, die sich bereits vor Beginn des 1000-Kreuze-Marsches unter die Teilnehmer gemischt hatten. Während die Lebensschützer knieten, sprangen sie auf und demonstrierten lautstark gegen christlichen Fundamentalismus, ehe sie von der Polizei zu Boden gerungen und in Gewahrsam genommen wurden. Laut Polizeiangaben kam es während der gesamten Veranstaltung zu fünf Anzeigen gegen Gegendemonstranten.

Kommentare (29)

Wolfgang (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 12:55

Was wäre heute, wenn die Mütter von Wolfgang Amadeus Mozart,
Ludwig van Beethoven, Johann Wolfgang von Goethe, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Prof. Horst Herrmann, Bertrand Russell, Wilhelm Busch, Mark Twain,Giordano da Bruno, um nur einige zu nennen, ihre Kinder abgetrieben hätten???? Diese Frage muss berechtigt sein, ich bin kein Christ!!

Frank Nicolai (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 13:34

Antwort auf von Wolfgang (nicht überprüft)

Nichts wäre anders. Andere Menschen mit anderen Namen hätten die hervorragenden technischen und künstlerischen Leistungen erbracht.

Das ist das Spiel des Zufalls... wie viele Hochbegabte hätten geboren werden können, wenn jeder Sexualakt zwischen Mann und Frau im Laufe der menschlichen Entwicklung zu einer befruchteten Eizelle geführt hätte? Diese Frage läßt sich so wenig beantworten wie die von Ihnen gestellte.

Die Welt wäre ohne die von Ihnen Genannten eine andere; deshalb aber nicht zwingend eine schlechtere.

Petra Pausch (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 14:00

Antwort auf von Wolfgang (nicht überprüft)

Gegenfrage: Was wäre heute, wenn die Mütter von Adolf Hitler, Pol Pot, Josef Stalin, um nur einige zu nennen, ihre Kinder abgetrieben hätten????

Die Welt wäre so, wie wir sie heute kennen ;)

Politische oder sonstige Ideale sind auch heute in den Köpfen von Menschen, welche (absolutistische) Machtansprüche beanspruchen, aktiv und motivieren oft genug zu Taten, welche im nachhinein unmenschlich, unenthisch oder gar unmoralisch genannt werden. Teilw. relativiert man es mit "es musste damals so sein". Das war vor Jahrtausenden, jahrhunderten, dutzenden von Jahren und heute so. Ich bezweifle, dass ohne ein Hitler, Pol Pot, Stalin, Göbbels und Co. eine klar "bessere" Welt gegeben hätte. Wenn es nicht die kommunistische, stalinistische, diktatorische oder sonstige Staatspolitik ist, dann wird eine religiöse Motivation die Oberhand gewinnen.

Gerade die "Moralaposteln" der Gesellschaft haben bis zum heutigem Tage kein Zeichen für ein "Paradies auf Erden" setzen können. Selbst unter den Christen herrscht keine Gemeinsamkeit. Erst recht unter den unterschiedlichen Religionen - insb. den monotheistischen. Heute sprengen sich gar Menschen *für* ihre Götter/Propheten in die Luft. Eine Karikatur, ein Posting oder ein "schiefer Blick" kann in manchen Kreisen zum Tode führen. Hitler, Stalin oder Dschingis Khan hatten "ihre" Gründe für ihre Taten. Doch auch ohne ihnen kann und wird der Mensch grausam und brutal sein.

Die Welt wäre nicht sehr viel anders. Wir hätten aller Wahrscheinlichkeit nach Entdeckungen nicht zur selben Zeit gehabt, und die eine oder andere Erfindung möglicherweise nicht gehabt, aber auch ohne die Teflonpfanne oder der Mondlandung hat der Mensch jahrtausende lang gelebt ;) Somit wären wir, egal mit oder ohne Hitler, Gutenberg, Mutter Theresa, Einstein oder mich auch weiterhin auf der Welt, würden irgendwas essen und trinken und uns irgendwie durch den Tag bewegen. Mit anderen Gegenständen, anderen Fortbewegungsmitteln oder Idealen? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht ;)

Zum Thema:
Wenn Christen nicht abtreiben wollen, dann sollen sie nicht abtreiben. Niemand zwingt sie dazu. :)
Wenn sie anderen diese Freiheit nicht gönnen, weil sie in ihrem Glauben davon ausgehen, dass aus irgendeinem spirituellem Loch eine Seele rauskrabbelt und durch die vaginale Öffnung in die befruchtete Eizelle schlüpft, dann sollen sie so in ihren Glaubenshäusern seelig werden. Ist ihr gutes Recht. Wie das des Trekkies, sich in seinen eigenen vier Wänden der geliebten TV-Serie zu widmen und sie zu frönen.
Es aber anderen Mitmenschen, die *nicht* in ihrem Club sind, ihr irrationales und unbelegtes Weltbild nicht teilen und sich eher dem Grund- als dem Göttergesetz verpflichtet fühlen, es aufzudrücken, sollte bittesehr vermieden werden.

Für die eigene Vorstellung, eigene Freiheit die man besitzt, auf die Straße zu gehen und es "zu demonstrieren", was für ein Hobby man besitzt und welche Ideale man verfolgt, ist hier IMHO schlicht und einfach überflüssig. Wollen sie nicht abtreiben? Dann sollen sie es auch nicht machen ;)

Hartmut Jolie (nicht überprüft)

Di. 22 Mär 2016 - 16:58

Antwort auf von Wolfgang (nicht überprüft)

Die Antwort ist doch naheliegend, dann wären die wohl alle nicht hier gewesen, aber es hätte sie auch niemand vermisst - so einfach ist das. Hätt' der Hund nicht geschissen, hätt' er nen Hasen gefangen. Was soll das von Ihnen vorgebrachte Argument gegen die Abtreibung bedeuten? Mit der selben Berechtigung hätten Sie sagen können: wären Hitler, Göring, Mussolini etc. abgetrieben worden, wäre uns einiges erspart geblieben. Man weiß halt nicht, was man da so abtreibt, aber was macht das aus? niemals werden jeden Menschen alle Konsequenzen seines Handelns in ihrer ganzen Bandbreite bewusst sein. Wird niemand mehr abgetrieben, wird das Ergebnis auf jeden Fall niemals eindeutig zum Guten gereichen.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 14:57

Ich frage mich, ob die "Lebensschützer" auch so vehement gegen "Gott" demonstrieren?

Schließlich hat er mit Sintflut, der Vernichtung Sodom und Gomorras und dem Landnahme-Genozid an den Kanaanitern - um nur einige zu nennen - sicherlich 10.000e Embryonen abgetrieben, als er deren werdende Mütter umbrachte oder umbringen ließ.

Wer weiß, was aus denen geworden wäre?

Aber "Gott", der skrupellos - folge ich den Mythen der Religionen - auch ungeborenes Leben vernichtete, wird angebetet, um Abtreibungen durch Menschen zu verhindern. Theologik treibt seltsame Blüten und Gläubige merken es nicht mal, vermutlich - um mal wieder Deschner zu zitieren - weil der größte Dachschaden ausschließlich für einen schönen Aufblick zum Himmel sorgt.

Wäre dieser angebetete "Gott" - egal ob er existiert - ein 100%iger Lebensschützer gewesen, dann könnte ich das Engagement der "1000 Kreuze" (aber bitte jeder nur ein Kreuz!) verstehen. Doch "Gott" hat die Notwendigkeit zur Geburt (und damit zu Embryonen) sowie die Sterblichkeit des Menschen an sich den beiden ersten Menschen angehext, weil die Frau Obst aß und ihrem Mann davon abgab.

Ein "Gott", der erst dann zufrieden war, als er seinen "Sohn" jämmerlich am Kreuz krepieren und verbluten ließ - und das soll kein Rote Beete-Saft gewesen sein. Das gleiche Kreuz, dass Kreuzritter vor sich her trugen, um Menschen abzuschlachten, auch werdende Mütter. Das gleiche Kreuz, das die Inquisitoren um den Hals trugen, als sie Männer und Frauen - auch werdende Mütter - mitleidlos einen Flammentod sterben ließen. Das gleiche Kreuz, das bis in die heutige Zeit Waffen segnet, die losfahren, um Menschen zu töten - auch werdende Mütter.

Wie viel geschichtsvergessener kann man noch sein, wenn man dieses blutige Kreuz vor sich herträgt, um angeblich Leben zu schützen?

Wolfgang (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 17:37

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Auf alle Fälle hat das "Kreuz" wieder eine Diskussion entfacht, so sollte es auch gedacht sein.
Lebensschützer, sehr interessant, aber Fleisch fressen, gelle?

Und: Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut! Irre!

Das ist ja der Grund, warum "Pro Life" ein Etikettenschwindel ist. Geschützt werden nur die Mitglieder einer bestimmten Affenart. Und selbst da kennt der christliche Lebensschutz Grenzen. Gerade in den USA dürfte man eine starke Korrelation von "Pro Life" und "Pro Death Penalty" feststellen. Die Sozialstaatsfeindlichkeit von vielen christlichen Rechten ist auch nicht gerade lebens- und menschenfreundlich.

Joachim Datko (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 15:26

Leider wird bei uns die Meinungsfreiheit und das Demonstrationsrecht von der politischen Linken sabotiert.

Zitat: "Mit Sprechchören und Trillerpfeifen ließen die Gegendemonstranten die Teilnehmer des 1000-[...]-Marsches auf ihrem Weg durch die Altstadt von Münster wissen, [...]"

Rainer Bolz (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 16:11

Wenn "Männer" den Frauen das Recht auf Abtreibung widerrufen wollen, sollte das nicht Ehrfurcht sondern nur noch Lachsalven hervorrufen.
Ein Schwangerschaftsabbruch ist vergleichbar mit einem unangenehmen Zahnarztbesuch, ein paar Tage später ist alles vergessen. ( Sagt meine Mutter und die gutmütige Seele ist hochbetagt und immer fröhlich).

Nun mag sein, es ändert dennoch nichts daran, dass Verantwortung auch zur Sexualität gehört. Um uns recht zu verstehen, ich bin uneingeschränkt für ein Abtreibungsrecht und für die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper. Dies ändert nichts daran, dass man gerade als mündiger Mensch, Frau und Mann betrifft es gleichermassen, verdammt nochmal auch die Pflicht hat, Auswirkungen des Handelns, auch in so schönen Dingen wie der Liebe, zu bedenken... Damit man nicht leichtfertig in eine solche Gewissensfrage gerät, die eben nicht nur wie ein lummeliger Zahnarztbesuch beschrieben werden sollte.
Was mich aber v.a. immer wieder umtreibt, ist die Unkultur der gewalttätigen Gegendemonstrationen. Das Recht anderer Meinung zu sein wird immer wieder mit ausgeführter Gewalt unterlaufen. Wie ich immer öfter beobachten muss, durch Menschen, die sich selbst als progressiv und allzu oft links bezeichnen. Ich nenne sie dagegen unreife Undemokraten. Trillerpfeifen sind schon kindische Äußerungsformen, wer meint damit ein Umdenken der Gegenseite zu bewirken oder ein adäquates Mittel zum Argumententausch gefunden zu haben, dem sei es gegönnt. Das gemeingefährliche Werfen von Flaschen oder gar Steinen, stürmen von Rednerpulten oder Versammlungen um Zusammenstöße zu provozieren, dass traktieren von Andersdenkenden mit Stangen und Schlagwerkzeugen wie kürzlich in Jena oder Oschersleben katapultiert diese Pseudolinken auf eine Stufe mit denen, die sie ständig vorgeben bekämpfen zu wollen. Ich bin ebenso gespannt, ob der offensichtlich veritable Angriff auf einen Journalisten ein ebensolches Echo bundesweit hervorruft wie ähnliche, teil deutlich harmlosere Vorfälle bei anderen, im Mittelpunkte des Interesses stehenden Umzügen.
Grüße

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 18:21

Bedauerlicherweise haben die Gegendemonstranten den Abtreibungsgegnern dazu verholfen, sich wenigstens ein bisschen wie Märtyrer fühlen zu können.
Ich könnte mir "Lebensmärsche" als Gegendemonstration vorstellen, bei denen die Kreuze Frauen und Mädchen darstellen, die durch illegale Abtreibungen zu Tode gekommen sind. Frauen und Mädchen, die ungewollt oder gar durch Gewalt schwanger wurden und aus der sie überfordernden Situation keinen anderen Ausweg als den Suizid mehr wussten. Denen die Kirche Kondom und Pille davor und danach verbietet und ihnen stattdessen demütigende und entwürdigende, das Recht auf Selbstbestimmung missachtende Beratung und Unterstützung aufzwingt. Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen eigentlich nicht mehr schwanger werden durften, denen aber der "Glaube" - will sagen ihre Kirchenfürsten - effektive Verhütung verbietet.

Claus L. (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 18:37

Ich bin Atheist, Humanist und nicht gegen Abtreibung. Das Verhalten der Gegendemonstranten, die sich teilweise als "Humanisten" bezeichnen, ist aber derart widerlich, dass ich mich auf die Seite der Kreuzträger stelle.

Meinungsfreiheit und das Demonstrationsrecht sind Grundrechte! Wer glaubt, er könne ungestraft Grundrechte missachten, wird hoffentlich eines Tages seine gerechte Strafe erhalten. Ihr linken Zecken - der Tag der Abrechnung wird kommen! Heute habt ihr noch die Übermacht, aber irgendwann wird sich das Blatt wenden!

@Claus L.: Heiderdaus, wen/was haben wir uns denn hier eingefangen? Sollen die "linken" "Zecken" etwa ausgemerzt werden?

Das Wichtigste ist jedenfalls, daß braune Rechtsreligiöse immer wieder gestört werden, natürlich ohne gewaltsame Maßnahmen.
Man müßte im Sinne Deschners die Aufzüge solcher üblen Spinner in einem großen Lachen untergehen lassen.

Gegendemonstrationen sind auch ein Ausdruck von Meinungsfreiheit und vom Demonstrationsrecht gedeckt, auch das Stören einer Demonstration. Ist so... Straftaten wie das Verprügeln von Demonstranten durch Gegendemonstranten sind nicht gesetzlich gedeckt. Das verbale Bedrohen wie zb. die Drohung mit einem dubiosen "Tag der Abrechnung" der angeblich kommen wird ist dabei aber eher ein Zeugnis einer blühender Phantasie der einen Rachegedanken beinhaltet.

Lieber Claus L., mit genau Ihrer Formulierungskunst stellen Sie sich auf eine Stufe mit aggressiven Demonstranten und Gegendemonstranten, egal aus welcher politischen Richtung diese Ihrer Meinung nach kommen! Und der Tag der Abrechnung - wie Sie schreiben - steht uns schon bevor. Denken Sie nur an die Wahlerfolge der AfD, das dürfte doch in Ihrem Sinne sein, oder?

@ Herr Claus L.! Die Beschimpfung als "linke Zecken" (natürlich in bezeichnender "Ihr"-Anrede) gehört zum typischen Vokabular der Neonazis. - Und wenn Sie sich aufgrund (so Ihre Wortwahl) "derart widerlichen"(!) linken Fehlverhaltens "auf die Seite der Kreuzträger" stellen (als ob es dafür einen humanistischen Grund gäbe!), dann geht es Ihnen dabei gar nicht um letztere, sondern einzig darum, Ihrem Hass auf Linke aller Art (im Neonazijargon auch "die Kommune" genannt) Ausdruck zu verschaffen, denen Sie eine "gerechte Strafe"(!) wünschen (genauso wie es religiöse Fanatiker gegenüber "Gottlosen" tun). Insbesondere drohen Sie diesen Linken in ebenfalls nazitypischem Tonfall den "Tag der Abrechnung" an. - Den in Ihrem 1. Satz behaupteten "Atheisten und Humanisten" nehme ich Ihnen nicht ab, da Sie sich hier eindeutig als rechtsextremer "Kamerad" artikulieren. Ein Hohn außerdem, dass Sie dabei noch von demokratischen Grundrechten reden.
P.S.: Darf man fragen, was Sie & Ihresgleichen am "Tag der Abrechnung" konkret mit "linken Zecken" zu tun gedenken?

Stefan Wagner (nicht überprüft)

Mo. 21 Mär 2016 - 21:29

Mikrofon aus der Hand reißen, Handy klauen - das sind keine demokratischen Methoden.

Gegendemonstration gerne, aber anderen fundamentale Bürgerrechte streitig machen, weil man inhaltlich nicht einverstanden ist, das ist wirklich ein peinliches Verhalten.

Ich will keinen humanistischen Wächterrat statt eines religiösen.

Martin Weidner (nicht überprüft)

Mi. 23 Mär 2016 - 19:29

Ein mutiger Artikel, weil er das Fehlverhalten von Humanisten (?) aufzeigt. Erscheckend die Reaktinen auf dieser Seite. Hier wird das Demonstrationsrecht den Andersdenkenden abgesprochen und Gewalt gegen Demonstranten toleriert. Da wird die Frage, was wäre, wenn bestimmte Menschen abgetrieben worden wären mit demHinweis übergangen, dass es ja genügend Ersatz gibt, als ob ein Menschenlebennichts wert ist. Da wird ignoriert, dasss Abtreibung kein Recht ist, sondern im gegenteil nicht erlaubt - nur die Straffreiheit wird unter gewissen Umständen eingeräumt. Abtreibung darf kein Recht sein, es muss eine Notmaßnahme bleiben. Dies wird von einem Großteil der Bevölkerung gar nihct mehr empfunden. Man muss diese Demonstration nicht in allem gut finden, aber dass hier eine Lebenslüge in Deutschland benannt wird, ist mE richtig. Natürlich muss man darüber streiten, aber was hier abläuft ist wie in einer Sekte.

Gabriele Wruck (nicht überprüft)

Mo. 28 Mär 2016 - 18:06

Antwort auf von Martin Weidner (nicht überprüft)

Was ist denn ein Menschenleben „wert“? Bitte beschreiben Sie den "Wert" eines Menschen!

Ist es mehr „wert“ als das Leben einer Kuh? Wenn ja, warum?

Warum halten Sie Abtreibung als „Notmaßnahme“ (eine Abtreibung ist IMMER eine Notmaßnahme!) für akzeptabel, ansonsten aber nicht? Wann ist eine Abtreibung in Ihren Augen eine Notmaßnahme?

Der § 218 widerspricht den Regelungen des Grundgesetzes, wie so manch anderer Paragraph auch. Dass auch das Bundesverfassungsgericht sich nur aus Menschen zusammensetzen kann, die – bei allem Bemühen um Ausschaltung der persönlichen Meinung - jeder durch die eigene Brille aufs Blatt guckt, ist nicht zu ändern.
Da sich eine solche Maßnahme jedoch innerhalb der Grenzen meines eigenen Körpers abspielt, besteht ohnehin gar kein Bedarf an gesetzlicher Regelung.
Oder ist mir die Einführung der staatlichen Leibeigenschaft entgangen?

Martin Weidner (nicht überprüft)

Di. 5 Apr 2016 - 09:13

Antwort auf von Gabriele Wruck (nicht überprüft)

Nichts wert sein: Ich habe kritisiert, dass die Frage nach dem Einzelnen Menschen (mit dem Hinweis auf herausragende Persönlichkeiten) übergangen wird - auch wenn die Art der Fragestellung das leicht gemacht hat. Die Menschheit besteht aus Einzelnen, jede/r bringt etwas Eigenes ein und das Miteinander beruht darauf, dass der Einzelne wertgeschätzt wird.
Bei einigen der aufgezählten Personen würden heute fast alle den Eltern dringend zur Abtreibung raten. Was wären wir heute ohne sie? Diese Frage hat in diesem Zusammenhang doch nur den Sinn, darauf aufmerksam zu machen, dass wir nicht absehen können, was in einem Leben steckt. Der Gedanke stammt aus dem orthodoxen Judentum, in dem jede schwangere Jüdin den Messias in sich tragen könnte.
Mehr Philosophie steckt nicht hinter dem Wort „Wert“. Allerdings ist es so, dass unser Strafrecht ein Spiegel dessen ist, was in der Gesellschaft etwas bedeutet / Wert hat. So ist seit Jahrzehnten kritisiert worden, dass Straftaten auf finanziellem Gebiet zT höher bestraft werden als körperliche Gewalt & Zwang. Hier versucht der Gesetzgeber in letzter Zeit, grobes Missverhältnis abzuschaffen. Bei der Debatte im Bundestag zum jetzigen Abtreibungsgesetz – die auf allen Seiten auf hohem Niveau geführt wurde – spielte dieser Gedanke, so weit ich mich erinnere, allerdings keine Rolle.
Notmaßnahme: Man kann sich das am Thema „Krieg“ klar machen: Krieg darf nur eine Notmaßnahme sein, dh. es ist allerletztes Mittel, alles andere muss versucht werden, um Krieg zu verhindern. (Leider sieht die gegenwärtige internationale Politik nicht so aus.)
Das liegt mit daran, dass Krieg eine lose – lose – Situation ist.
Ebenso sollte Abtreibung das allerletzte Mittel sein, wenn gar nichts Anderes mehr geht. Denn dass ein Mensch getötet wird, ist für ihn kein Gewinn. Oder um mit Kant zu sprechen: Hier wird ein Mensch zu einem Zweck benutzt. Hier kenne ich aus meinem persönlichen Umfeld Beispiele, wie Abtreibung nicht als ultima ratio gelaufen ist.
Die Tatsache, dass das Leben eines Embryos zwar etwas eigenes ist, aber von der Mutter umschlossen und abhängig ist, ist ein Hauptgrund für das geltende Recht gewesen. Allerdings sind Eltern für ihre Kinder verantwortlich und können dabei behaftet werden. Dies wird deutlich in Grenzfragen: Was ist, wenn ein Kind die Abtreibung überlebt (ist früher bei Spätabtreibungen vorgekommen)? Ist es dann fahrlässige Tötung, wenn es dann unversorgt bleibt, so dass es stirbt? Wieso wird eine Mutter, die ihr Baby kurz nach der Geburt tötet, als Mörderin verurteilt?
Diese Fragen zielen auf das Rechtsempfinden, dass Einteilungen wie vor- oder nachgeburtlich oder Lebenschance als Frühchen ja/nein nicht alles sind und das darauf ruhende Recht notwendig mit Willkür behaftet ist. Leben lässt sich nicht definieren und deshalb auch nicht angemessen juristisch fassen. Diese Unzulänglichkeit des Rechtes muss im Bewusstsein wach bleiben.
Insofern haben Sie Recht: Der § 218 widerspricht dem Grundrecht auf Leben, das dem Ungeborenen unter gewissen Umständen abgesprochen wird.

Gabriele Wruck (nicht überprüft)

Sa. 9 Apr 2016 - 18:01

Antwort auf von Martin Weidner (nicht überprüft)

>> dass unser Strafrecht ein Spiegel dessen ist, was in der Gesellschaft etwas bedeutet / Wert hat. <<

Allerdings! Kaum wird ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Frau gelenkt, von der anmaßenderweise verlangt wird, dass sie diese Arbeit unterwürfigst zu Ende bringt, ist das Geschrei groß. Schließlich ist sie nur ein wandelndes Gefäß zum Füllen. Ein Wurfgerät, das sich gefälligst nicht zu beklagen hat. Der Acker, auf dem es halt wächst. Ist alles schon formuliert und von den Vereinten Nationen unter Naturschutz gestellt worden. Und ich schreibe es hier angewidert noch mal hin. Damit wir nicht vergessen, zu welch frauenverachtender Ausgangsposition diverse religiöse Hirngespinste diese Diskussion, die es ja auch nur wegen der allgemeinen Hirnspülung mit sadistischer Altherrenfrustbewältigungslektüre gibt, noch immer führen.

Die von ihnen empfundene Missachtung des Individuums, die Ihnen bei Beethoven so schreckliche Schmerzen verursacht, macht Ihnen im Hinblick auf ungewollt schwangere Frauen scheinbar nicht die geringsten Probleme. Oder wird von Ihnen selbst überhaupt nicht wahrgenommen.
Beides ist Teil der immer noch gewohnheitsmäßigen gesellschaftlichen Praxis, das individuelle Verhalten von Frauen ausnahmslos vor dem Hintergrund ihrer Zugehörigkeit zur gesellschaftlichen Randgruppe „Frauen“ abzuurteilen.

In einer Gesellschaft, in der vor allem Männer was bedeuten und in der Mannsein schon mal der größte Wert an sich ist, muss eine Frau sich eben ohne das Gesetz an ihrer Seite um sich selbst kümmern.
Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass Frauen abtreiben – überall auf der Welt, zu allen Zeiten, aus allen möglichen Gründen und unter allen Umständen, ganz egal, was in den jeweiligen Gesetzen steht? Auch wenn es unter teils unfassbaren Umständen noch so schmerzhaft und lebensgefährlich ist und bei „illegalen“ Abtreibungen – unter sterblichkeitsstatistischen Gesichtspunkten betrachtet - hundertmal lebensgefährlicher als die Schwangerschaft selbst? Selbst die schlimmsten Macho-Diktaturen der Welt können das nicht verhindern.
Mal abgesehen davon, dass der Abgang eines Embryos ebenso ein natürlicher Vorgang ist, der weltweit täglich mindestens zigtausendfach vorkommt (meist im 1., oft auch im 2., nicht selten im 3. Schwangerschaftsmonat und auch später), ist die Not einer ungewollt Schwangeren niemals in konkreten Zahlen, Kategorien oder Textbausteinen auszudrücken und deshalb auch für niemanden wirklich nachvollziehbar.

Ihre dumpfe Formel „sozial = finanziell“ gibt mir außerdem mehr als ausreichend Aufschluss über Ihre Unfähigkeit, die Situation einer Schwangeren oder einer Mutter, sagen wir mal im April 2016 u.Z. in Deutschland, schon allgemein auch nur ansatzweise nachzuempfinden.

Ein früherer Kanzlerkandidat der SPD scheiterte seinerzeit an anderem als an der Lebensweisheit seiner Ahnen: „hätte, hätte, Fahrradkette“.
Nichts beschreibt die Absurdität dieser idiotischen „auweia, wenn Beethoven nicht geboren worden wäre, hätten wir gar keine Neunte“ – Grübelei besser. Selbst der fromme Peter Hinze (MdB) schaffte es bei Plasberg problemlos zu der schlichten Erkenntnis, dass aus einem abgetriebenen Embryo ja eben KEIN Mensch wird, den dann der Gedanke, dass es ihn vielleicht nie gegeben hätte, betrüben könnte. Noch nie habe ich eine derart zutreffende Aussage aus dem Munde eines Pfarrers vernommen. Ein absolut belastbares Argument.

Wenn man kein Argument hat, eiert man lieber im Konjunktiv rum.

In dem Moment aber, in dem ein Mensch merkt, dass er für eine bestimmte Arbeit nicht die Kraft hat, ist die Reflexion im Konjunktiv keine Hilfe. Da hilft nur: Hypothesen, Abwägung, Konsequenz.
Vermutlich meistens im Leben, aber garantiert immer im Falle einer Schwangerschaft spielen bei dieser Abwägung vermeintlich objektive UND z.T. kaum definierbare individuelle Komponenten im Gesamtverwuchs eine Rolle, die nicht nur kein Mann nachvollziehen kann, sondern auch keine andere Frau.
So wie es Frauen gibt, die sich über die ungeplante Schwangerschaft mit dem sechsten Kind trotzdem spontan freuen und sich sagen „Was soll’s, das Sechste kriegen wir auch noch groß!“, kann eine Schwangerschaft für die Frau nebenan die absolute Katastrophe sein oder etwas instinktiv Bedrohliches oder eine aufgrund bereits möglicher Messbarkeit heute als objektiv geltende Gefahr.
Wenn erstgenannte Frau eine Schwangerschaft gut verkraften kann, dann freut mich das sehr für sie. Es gibt ihr aber nicht das Recht, ihre eigene Situation und Erfahrung als allgemeingültig für andere darzustellen.

>> Die Tatsache, dass das Leben eines Embryos zwar etwas eigenes ist, aber von der Mutter umschlossen und abhängig ist, … <<
Bezeichnend, wie Sie das Wesentliche hierbei völlig verleugnen: Ein Embryo ist eben noch nichts Eigenes! Wir werden zu etwas Eigenem im Moment der Geburt. Eine Schwangerschaft ist nicht zu vergleichen mit 50 Minuten bei 180 Grad Celsius, und zum Schluss kommt Puderzucker drüber.
Eine Schwangerschaft ist ein an meiner Substanz massiv zehrender Schaffensprozess! Wem es damit besser geht, der kann diese Schöpfungskraft in seinen Gedanken natürlich lieber einer außerirdischen Fantasiefigur zuschreiben als denen, die sie tatsächlich haben. Mir und anderen geistig Gesunden soll er mit diesen Hallus allerdings vom Hals bleiben!

Einen „überlebten“ Schwangerschaftsabbruch kann es nur geben, wenn man – und das lassen Ihre Kommentare mich leider vermuten – hierhinein eine Tötungsabsicht interpretiert. Diese Haltung blendet schon wieder völlig die Frau aus. Denn sie will zunächst mal nicht töten, sie will sich retten, sich befreien!
Beim Abbruch der Schwangerschaft zu einem Zeitpunkt, an dem der entstehende Mensch schon selbständig atmet und versorgt werden kann, haben die Eltern ihrer Sorgepflicht nachzukommen – in Fällen, wo die Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt wegen quälender Missbildungen des Fötus abgebrochen wurde, auf die traurigste Art.
Zu Ihrer Frage, warum eine Frau, die ihr Neugeborenes tötet, als Mörderin verurteilt werden kann, während einem Mann, der Frau und Kinder tötet, lediglich ein kleines Familiendrama aus der Hand gerutscht ist, verweise ich auf die oben genannte außerirdische Fantasiefigur und deren fleißig gerüchteerhaltenden Profiteure von der monotheistischen Inquisition.

Sehr gut finde ich grundsätzlich Ihre Idee, die Situation mit dem Krieg zu vergleichen. Genauso fühlt sich eine definitiv ungewollte (bitte den Unterschied zu „ungeplant“ zu beachten) Schwangerschaft für viele Frauen an: wie ein Krieg gegen die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit.

Doch selbst wenn beides mitsamt dem nackten Tod nicht auch real zu den Gefahren jeder Schwangerschaft zählte, und eine körperliche Beeinträchtigung nicht ohnehin fast gewiss wäre, wäre ein Schwangerschaftsabbruch weder von mir noch von Ihnen noch von sonst wem auch nur ansatzweise zu kommentieren. (So „hoch“ (???) ist das Niveau der Parlaments-Debatte hochbezahlter Gesinnungssoldatinnen, von denen wahrscheinlich mehr als zwei noch nicht mal die Zellteilung erklären können, gewiss nicht gewesen. )

NIEMAND ALS DIE BETROFFENDE FRAU HAT IRGENDEIN RECHT HIERÜBER ZU BEFINDEN !!!

Das Leben ist ein Geschenk meiner Mutter, und keins des Staates.

Und so hatte auch meine Mutter darüber zu befinden, ob sie jemandem das Leben schenkt, und nicht der Staat.

Wenn sie es nicht getan hätte, wäre niemandem was weggenommen worden. Niemand hätte an meiner statt gerumgreinen und irgendwelche Bendenken mit sich herumtragen müssen, deren tatsächliche Gründe am besten von einem motivierten Psychologen zutage befördert werden könnten.

Martin Weidner (nicht überprüft)

So. 10 Apr 2016 - 21:51

Antwort auf von Gabriele Wruck (nicht überprüft)

Sehr geehrte Frau Wruck, danke für Ihre ausführliche Antwort. Entschuldigten Sie, dass ich auf alle Vorurteile / Diskriminierungen gegen Frauen im Allgemeinen und Schwangeren und Frauen, die abgetrieben haben im Speziellen nicht eingehe.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Zahl der Abtreibungen auch von dem gesellschaftlichen Umfeld abhängt? Krasses Beispiel sind die Massenabtreibungen von Mädchen in Gesellschaften, in der es drauf ankommt, dass der Nachwuchs männlich ist.
Dass eine Frau maßgeblich entscheidet heißt nicht, dass das Umfeld und die Gesellschaft nichts dazu zu sagen und zu machen / helfen hat. Dies ist die Stelle, an der Sie und ich aneinander vorbei reden. In einer offenen Gesellschaft werden eben auch persönliche Themen diskutiert. Wie viele Frauen würden liebend gern ihr Kind austragen, wenn ihr Umfeld sie dabei unterstützen würde? Es ist eine kalte Gesellschaft, die zwar alles Mögliche kann, aber nicht, Frauen beizustehen. Und es hilft Frauen überhaupt nicht, wenn diese gesellschaftliche Frage individualisiert und auf ihren Schultern abgeladen wird. Ebenso wenig ist es hilfreich, dass die negativen Folgen einer Abtreibung für die Frau kaum Thema ist.
>> Ihre dumpfe Formel „sozial = finanziell“<< - - Wo haben Sie das denn bei mir gelesen?
Zu dem „hätte, hätte“: Dazu schrieb ich: >>Diese Frage hat in diesem Zusammenhang doch nur den Sinn, darauf aufmerksam zu machen, dass wir nicht absehen können, was in einem Leben steckt.<< Es geht mir dabei um die Ehrfurcht vor dem Leben und nicht um Spekulation.
>> In dem Moment aber, in dem ein Mensch merkt, dass er für eine bestimmte Arbeit nicht die Kraft hat<< Dafür gibt es den Ausdruck Aporetik. Rilke: „Geh den Weg auch ohne Steg“. Wieweit Menschen das Unmögliche tun können hängt von tausend Faktoren ab. Sie haben Recht, dass das von der Person abhängt, aber nicht nur. Auch in welcher Zeit in welcher Kultur man lebt, ist dabei nicht unwichtig.
Ein Embryo ist etwas Eigenes: Das war bei mir ein „zwar“-Satz. Der Hauptsatz bringt inhaltlich das, was Sie mir vorwerfen, ich würde es leugnen. Also bitte erst einmal lesen, bevor Sie posten! Und natürlich ist ein Embryo etwas Eigenes: Es hat eine eigene DNA, eigen Blutgruppe etc Das Immunsystem der Mutter muss überlistet werden, damit der Fremdkörper (!) nicht abgestoßen wird (Mechanismen, die für die Krebsforschung interessant sind).
Den Spagat, dass die Frau die Betroffene ist, aber sie eine Verantwortung „trägt“, kann man nciiht auflösen. Ihr Post ist mir an der Stelle zu platt.

Gabriele Wruck (nicht überprüft)

Mo. 11 Apr 2016 - 16:54

Antwort auf von Martin Weidner (nicht überprüft)

>> Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Zahl der Abtreibungen auch von dem gesellschaftlichen Umfeld abhängt? <<
Allerdings! Wie recht Sie haben!
Je größer nämlich der Einfluss von Religionen, in denen Frauen schlecht gemacht werden und ihnen gerade in körperlicher Hinsicht (in den inflationär auftretenden Religionen wird der Mensch ja in Körper, Geist und Seele aufgespalten) Schuld- und Schamkomplexe aufgezwungen werden, ist es natürlich praktisch unmöglich für – gerade junge – Frauen, informiert, selbstsicher und bestimmt aufzutreten, und sowas wirkt noch über Jahre und Jahrhunderte nach, selbst wenn die religiösen Konstrukte an sich schon lange als Geschäftsmodell und Machtinstrument entlarvt worden sind. Nichts spielen Menschen so gerne wie das „ich sehe was, was du nicht siehst“-Spiel, niemand trennt sich dern von Privilegien. Und wenn bloß Frauen darunter leiden, ist es ja auch nicht so schlimm, als wenn es Menschen beträfe.
Auf religiöse Rechtfertigung von Vergewaltigungen habe ich schon hingewiesen.

Ansonsten macht es wenig Sinn, seinen Glauben an die Statistik der Krankenkasse zu stärken. Dort sind nur die offiziellen Abtreibungen aufgeführt (auch nur die offiziellen Todesfälle bei Abtreibung und Geburt). Vom „gesellschaftlichen Umfeld“ hängt aber vor allem ab, ob ich einen Embryo (der kein Fremdkörper ist, denn er wird von mir gemacht, und das auch überwiegend nach meinen „Plänen“) fachkundig mit einer sicheren Anästhesie oder mit einem dreckigen Messer in irgendeiner Bude von mir trennen lasse. So manche deutsche Frau, die es sich leisten kann, fährt auch ins Ausland, um dem entwürdigenden Vorgang der Zwangsberatung zu entgehen. Realistische Zahlen gibt es einfach nicht und wem sollten sie im Einzelfall auch dienen?

>> Krasses Beispiel sind die Massenabtreibungen von Mädchen in Gesellschaften, in der es drauf ankommt, dass der Nachwuchs männlich ist. <<
Ich denke, zum Thema Männlichkeitswahn habe ich mich ausreichend und eindeutig artikuliert.
So „freiwillig“, wie ungewollt Schwangere üblicherweise schwanger sind, so „freiwillig“ finden eben auch viele Abtreibungen statt.

>> Dass eine Frau maßgeblich entscheidet heißt nicht, dass das Umfeld und die Gesellschaft nichts dazu zu sagen und zu machen / helfen hat. <<

Das Umfeld kann sagen und machen was es will, solange es niemandes Freiheit damit einschränkt, also nicht übergriffig wird.
„Helfen“ ist meiner Erfahrung nach gerade bei christlich motivierten Menschen das nette Wort für Aggression im süßlich-scheinfürsorglichen Mäntelchen.
An dieser Stelle hat auch Ihre Selbstkritik anzusetzen. Denn „Ehrfurcht“ vor dem Leben sollte ja wohl beim Leben der Menschen über Sie kommen, die es bereits gibt und an deren persönlicher Grenze jede ungefragte Einmischung aufhört oder zur Nötigung wird.

Das alles tut aber nicht das Geringste zur Sache in dem Moment, in dem ich schwanger bin und merke: Es geht nicht! Das würde mich fertigmachen!
Ich habe bereits angeführt, dass es sich um einen Ausnahmezustand handelt, bei dem das Spektrum von euphorisierend und verzweifelt angestrebt bis gefährlich, entsetzlich und unerträglich reicht. Allen Erlebensformen ist zueigen, dass sie absolut individuell und Dritten gegenüber weder vermittelbar noch begründungsbedürftig sind.

ICH bin HIER und JETZT schwanger. Und im Gegensatz zu Ihnen kann ich mich nicht auf äußere Umstände konzentrieren und mir vorstellen, wie schön es wäre, wenn diese äußeren Umstände irgendwann irgendwie ganz anders wären.
Und selbst wenn die äußeren Umstände optimal sind: Sie glauben doch nicht ernsthaft, die Situation eines Menschen wäre allein durch äußere Umstände gekennzeichnet?

Ihre berechtigte Kritik am realen Wertekatalog unserer Gesellschaft und Ihre in diesem Zusammenhang deplatzierten Träumereien frei nach Rilke oder irgendwelche jüdischen Messiasfantasien (Lasse die Menschen auf etwas warten, was niemals kommt, und dein Geschäft wird ewig blühen!) nützen mir GAR NICHTS! Sie sind anmaßend und vollkommen unrealistisch.
Nach ihrer Theorie könnten alle Gabelstaplerhersteller in die Freizeit gehen. Warum sagt man denn nicht zum gemeinen Kommissionierer: „Hej, geh den Weg ohne Steg, mach einfach mal das Unmögliche! Dass du diese Palette nicht mit bloßen Händen heben und den ganzen Tag rumschleppen kannst, glaubst du nur, das gibt sich, hör auf zu jammern, es sind schon ganz andere Leute über sich hinausgewachsen!“

„Aporetik“? Was für ein Missgriff. Die wenigsten Frauen, von denen ich weiß, dass sie abgetrieben haben, waren über ihre Situation im Zweifel oder sahen keinen Ausweg. Sie sahen nur keinen ANDEREN Ausweg und sind allesamt immer noch froh, sich so entschieden zu haben. Auch die Frauen, die sich erst nach schwerem Abwägen für die Schwangerschaft entschieden haben, sind fast immer froh darüber oder können nicht sagen, ob es so besser war oder doch anders besser gewesen wäre. Auf die Frauen, die sich von ihrem Umfeld gegen die gewünschte Abtreibung haben bequatschen lassen, trifft das durchweg nicht zu.
Im Zustand der Erschöpfung / Überforderung muss ich nicht darüber nachdenken, ob ich erschöpft bin. Ich es einfach.
Man kann jemandem Mut zureden. Aber keine Kraft. Die kann man nur wecken. Wenn da nichts mehr schlummert, war's das.

Meine Schwangerschaft ist für mich auch keine „gesellschaftliche Frage“. Es gibt wohl nichts Persönlicheres, Individuelleres, Intimeres als eine Schwangerschaft. Deshalb ist es ja ein so ekelhafter Übergriff, wenn fremde Leute sich ungefragt dazu äußern.
Wenn ich die Hautfarbe von jemandem zu Thema mache oder seine sexuelle Orientierung oder auch nur seinen Klamottengeschmack, kriege ich einen über, weil das ja sooo verletzend ist und auf gar keinen Fall kommentiert werden darf.
Aber mein Uterus wird ohne mit der Wimper zu zucken von jedem x-beliebigen Dahergelaufenen wie Volkseigentum verhandelt, selbstverständlich vollkommen diskriminierungsfrei!

>> Entschuldigten Sie, dass ich auf alle Vorurteile / Diskriminierungen gegen Frauen im Allgemeinen und Schwangeren und Frauen, die abgetrieben haben im Speziellen nicht eingehe. <<

Dieser Satz ist die aussagekräftigste Selbstoffenbarung hinsichtlich Ihres unterschwelligen empathieverweigernden Verurteilungseifers. Ich habe nicht von Frauen geredet, die abgetrieben haben. Ich habe von den Frauen geredet, die spüren, dass sie etwas unternehmen müssen!
Sie VERSUCHEN nicht mal, sich eine solche Situation soweit es eben geht vorzustellen. „Zu platt“ ist deshalb einzig und allein Ihre Versteifung auf Äußeres.
Verantwortung hat jeder Mensch erst einmal für sich selbst. Und indem ich mich, wenn ich merke, dass es mich fertigmachen würde, für eine Abtreibung entscheide, übernehme ich die Verantwortung für mich und meine Gesundheit. Gegebenenfalls auch für die Kinder, die ich habe.
Aber dieser Aspekt hat ja wieder mit mir als Frau zu tun, und die Frau, um die es geht, kommt in Ihren Betrachtungen ja immer nur als unwilliger Störfaktor vor.

Sie wollen nicht verstehen. Sie müssen ja auch nicht.

Deshalb werde ich Sie in Ihrem abgeschlossenen Weltbild nicht länger stören.
Ich verabschiede mich an dieser Stelle.
Ich werde diesen Link nicht mehr aufrufen.

Abschließend nehmen Sie noch Folgendes zu Kenntnis:

Das Leben ist ein Geschenk meiner Mutter.
Sie allein hatte darüber zu befinden, ob sie jemandem das Leben schenkt oder nicht.

Sie allein.

Martin Weidner (nicht überprüft)

Mi. 13 Apr 2016 - 10:10

Antwort auf von Gabriele Wruck (nicht überprüft)

Was habe ich gelernt?
Es fällt wohl schwer, die Ebene der gesellschaftliche Diskussion (auf der wir uns im Internet bewegen) und was man zur konkreten Lebenssituation eines einzelnen Menschen sagt, zu unterscheiden, so kann man gut und ausgiebig aneinander vorbei diskutieren.
So kann der Unterschied, ob ich von einer Abtreibung in der Vergangenheit rede (allgemeine Ebene) oder von einer aktuellen Situation (persönliche Ebene), verschieden gewertet werden:
a) Als Ausdruck, dass ich darauf verzichte, hier über Persönliches anderer zu reden
b) Als Ausdruck von empathieverweigernden Verurteilungseifers
Vorurteile gegen Religion halten sich hartnäckig - so dass die Religionen den Menschen aufspalten, wo das zumindest in der Bibel völlig anders zugeht. Es sind vielmehr die griechischen Philosophen und die Aufklärung, die die Spaltung des Menschen vorangetrieben haben. Oder dass Religion immer die Macht stärkt – man lese im Kontrast dazu die biblischen Propheten. Vielleicht liegt es daran, dass die pauschalen Vorurteile gegen Religion auf dieser Website schon reflexartig kommen und nicht hinterfragt werden.
Biologische Einsichten wie, dass ein Embryo zwar nicht selbständig leben kann, aber etwas Eigenständiges ist, können sich gegen ideologische Verblendung nicht durchsetzen.
Millionen Frauen die zwar gerne ein Kind haben wollen (und nicht vergewaltigt wurden), aber kein Mädchen bekommen dürfen, erfahren wohl Grenzen der Solidarität, wenn es nicht in das ideologische Konzept passt.
Internet-Diskussionen haben viele Gefahren, so gerat eich mit diesem Post auch in die Schiene, dass das abgeschlossene Weltbild immer die anderen haben. Vielleicht wäre ein persönliches Gespräch mit Frau Wruck anders verlaufen.
Es ist richtig, dass man ein Gespräch auch beenden muss. Ich bin es nur gewohnt, dass man das Antworten zuerst beendet und dann das Hören.

Thomas Göring (nicht überprüft)

Di. 29 Mär 2016 - 17:36

Antwort auf von Martin Weidner (nicht überprüft)

Sehr geehrter Herr Weidner,

ich bin zwar der Ansicht, dass das in dem Artikel beschriebene Fehlverhalten einiger Gegendemonstranten durchaus zu missbilligen ist, aber nicht die Gegendemonstration als solche!

Und Ihre weiteren Ausführungen sind für mich schlichtweg nicht nachvollziehbar.

Ad 1)
Bei der Lektüre Ihres Kommentars entsteht sehr leicht der irrige Eindruck, als hätten sich die Gegendemonstranten gegen das geltende (den Abtreibungsgegnern natürlich bei weitem nicht genügend restriktive) Abtreibungsrecht der BRD gerichtet, anstatt gegen eine Demonstration lobbymäßig international organisierter (fundamentalistisch-)christlicher Abtreibungsgegner.

Ad 2)
Welcher "Großteil der Bevölkerung" empfindet Abtreibung "nicht mehr" als eine Notmaßnahme? Und als was stattdessen? Welche Gruppe innerhalb der Bevölkerung meinen Sie damit denn wohl genau? Warum nennen Sie diese nicht beim Namen, sondern äußern sich hierzu bloß so vage bzw. völlig unkonkret? Hat das seinen Grund?

Ad 3)
Was meinen Sie mit "Lebenslüge in Deutschland"? Warum sind Sie auch hier wieder so auffallend unkonkret? Was hält Sie denn nur davon ab, hier offen & deutlich zur Sache zu kommen? - Das Verwenden von bloß raunenden Andeutungen ist zwar ein (auch von Theologen gerne verwendetes) Mittel manipulativer Rhetorik, aber als ein solches eben auch leicht durchschaubar; man sollte sich also nicht unbedingt auf ebendieses verlassen.

Ad 4)
Weshalb spricht jemand Menschen ihren Wert ab, der bei der "Was-wäre-geschehen-wenn"-Frage bezüglich des Abtreibens auf die Möglichkeit verweist, dass bei ansonsten unverändert gebliebenen gesellschaftlichen Lebensverhältnissen anstelle eines als Embryo abgetriebenen Hitlers oder Stalins usw. möglicherweise jemand Anderer mit vergleichbarer Persönlichkeitsstruktur deren furchtbare Rolle übernommen hätte? War dieser bloße Hinweis seitens einiger Leser/innen etwa schon zuviel des für Sie Erlaubten, - und zugleich ein willkommener Anlass für Sie, Leute, deren Ansichten Ihnen nicht gefallen, kurzerhand platt als "Sekte" abzustempeln?

Martin Weidner (nicht überprüft)

Di. 5 Apr 2016 - 09:14

Antwort auf von Thomas Göring (nicht überprüft)

Ad 1: Tut mir leid, den Eindruck wollte ich nicht erwecken.
Ad 2: Im Artikel wird erwähnt, dass es der Gegendemonstration darauf ankam, für das „Recht auf Abtreibung“ einzutreten. Diese Formulierung halte ich für irreführend. Es wäre sowieso besser, man würde statt von Menschenrechten von Pflichten des Staates und damit Pflichten aller reden. Dann hätte jede/r die Pflicht, auch ungeborenes Menschenleben zu schützen, wobei aber bei dem speziellen Mutter-Kind-Verhältnis Straffreiheit unter gewissen Auflagen zugebilligt wird. Mein Sie wirklich, das würden die Gegendemonstranten so unterschreiben? Meinen Sie, das hätte in der Gesellschaft eine Mehrheit hinter sich?
Abtreibung wird eben als ein Recht empfunden, das man hat, nicht als die alleräußerste Maßnahme, die allen anderen Möglichkeiten unterzuordnen ist. Ich kann das keiner Gruppe der Gesellschaft zuordnen, weil das quer durch alle Gruppen geht.
Ad 3: Lebenslüge ist, dass wir zu den reichsten Ländern der Erde gehören und zigtausende Abtreibungen aufgrund sozialer Notlage vorgenommen werden. Ich kenne Mütter, die von ihrem unmittelbaren Umfeld mit dem Verweis auf die Abtreibung allein gelassen wurden, Das halte ich für ein gesellschaftliches Problem, dass man die Herausforderung, für ein Kind zu sorgen, mit dem Hinweis auf die Abtreibung entsorgen kann. Hier stecken einige Lebenslügen drin, so zum Beispiel, dass es damals bei der Einführung des jetzigen Rechtes die Hoffnung gab, dass es ja nur noch gewollte Kinder gibt und damit die Grundlage für Kindesmisshandlung und –tötung genommen wird.
Ad 4: s. meine Antwort an Frau Wruck. Sektenhaft ist, dass bestimmte Fragestellungen – wie die nach dem Einzelnen Menschen – ausgeblendet werden. Sektenhaft ist, dass ein Beitrag, der kritisiert, dass religiöse Ansichten außerhalb der eigenen vier Wände geäußert werden, unkommentiert so stehen gelassen wird. Sektenhaft ist, dass ein Chefdenker hier nur gebetsmühlenartig seine Grundsatzkritik an den Gottglauben postet und nicht differenziert auf den Artikel reagiert. Sektenhaft ist, dass die Nennung von ethischen Ambivalenzen bei einer Abtreibung (wie in der Bundestagsdebatte) durch ein schwarz-weiß-Denken ersetzt wird. Ich weiß nicht, ob ich mich bei der Demonstration der Kreuze beteiligt hätte. Ich vermute, dass mit denen in wesentlichen Punkten nicht übereinstimme, zB vermute ich da auch ein schwarz-weiß-Schema.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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