Attentäter von Schongau: Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus
Nach übereinstimmenden Medienberichten soll ein dem mutmaßlichen Täter des Messerangriffs an einem Gymnasium in Schongau zugeschriebenes Manifest von Frauenhass, Antisemitismus und der Verherrlichung rechtsextremer Gewalttäter geprägt sein. Die Inhalte weisen demnach Parallelen zu Ideologien aus der sogenannten Manosphere und anderen extremistischen Online-Milieus auf, in denen Misogynie und Verschwörungserzählungen miteinander verschmelzen. Der Fall verdeutlicht, welche Rolle digital vernetzte Radikalisierungsräume bei der Entstehung extremistischer Gewalt spielen können und vor welche Herausforderungen sie Sicherheitsbehörden stellen.
Foto: Superbass via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Nach übereinstimmenden Berichten, in Spiegel und Süddeutscher Zeitung strotzt ein Manifest, das dem mutmaßlichen Attentäter von Schongau zugerechnet wird, vor Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus. Bei der Gewalttat an einem Gymnasium in dem bayerischen Ort wurden zwei 13 Jahre alte Mädchen durch Messerstiche schwer verletzt. Mutmaßlicher Täter ist ein 16-jähriger Mitschüler, der festgenommen wurde.
Der Autor des Manifests befürwortet in diesem die Taten des Christchurch-Attentäters, der in einer Moschee 51 Menschen ermordet hatte und spricht von Frauen und Mädchen als „zurückgebliebene Tussis” und „geldgierige Schlampen”. Die Natur von Frauen empfinde er „als zutiefst abstoßend” und ergeht sich in sexualisierten Foltervorstellungen. Gewalt und Übergriffe gegenüber Mädchen und Frauen seien legitim. All dies deutet darauf hin, dass der Autor Teil der Manosphere war, die sich im Internet gebildet hat und an ihren radikalen Rändern ein gefährliches Bild von Männlichkeit pflegt.
Neben der Frauenfeindlichkeit soll in dem Manifest insbesondere auch Antisemitismus als umfassende Welterklärung präsent sein. Die Gesellschaft sei laut dem Autor „verjudet” und die Regierungen weltweit unter der Kontrolle von Zionisten. Der englischsprachige Text nutzt Schmähwörter wie „kikes”, eine stark abwertende antisemitische Beleidigung für jüdische Menschen, und Internet-Slang, wie „jewrope” für Europa. Parteien seien „von Juden finanziert”. Zwar finden sich im Text auch abwertende Äußerungen zu Christen und Muslimen, da der Autor alle abrahamitischen Religionen hasse, der Antisemitismus steche aber durch Umfang und Qualität hervor.
Das Manifest hat Anklänge an ähnliche Manifeste vergangener Gewalttaten, inklusive dem Führen von Highscore Listen, als handele es sich nicht um tödliche Gewalt sondern um ein Computerspiel. All dies zeigt, dass sich im Internet eine weltweit verbundene Szene gebildet hat, in der sich vor allem junge Männer in reaktionäres Gedankengut und Frauenhass hineinsteigern, bis hin zur Begehung von realen Gewalttaten wie in Schongau. Die Verhinderung solcher Attentate wird aufgrund ihrer unsichtbaren Entstehung im Internet die Behörden auf absehbare Zeit vor eine Herausforderung stellen.
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