Höllische Outing-Möglichkeit für Atheisten

FFRF-Kampagne: "Keine Angst, in der Hölle zu schmoren!"

Not afraid of burning in hell

Passend zum heidnischen Fest Halloween startet die US-amerikanische Atheistenvereinigung Freedom From Religion Foundation (FFRF) eine neue interaktive Medienkampagne: Interessierte Nicht-Gläubige können ihr Foto hochladen in eine von der FFRF gestaltete Online-Werbung mit dem Slogan "Not afraid of burning in hell" – "Keine Angst, in der Hölle zu schmoren".

Dem Atheismus ein Gesicht zu geben, ist eines der Anliegen der US-amerikanischen Atheistenvereinigung Freedom From Religion Foundation (FFRF) – einer der größten Interessenverbände für Nicht-Gläubige in den USA. Bereits 2010 startete die FFRF deshalb die interaktive Medienkampagne "Out of the closet", mit der Atheisten die Möglichkeit bekamen, sich – mit Foto und eigenem Slogan – in einer Online-Werbekampagne öffentlich als solche zu outen.

Neben der bis heute sehr erfolgreich laufenden "Out of the closet"-Kampagne startete die FFRF nun in diesem Jahr kurz vor Halloween eine weitere Online-Kampagne, in der sich Atheisten freiwillig outen können. Diesmal allerdings mit dem festgelegten, bissigen Slogan: "Not afraid of burning in hell" – "Keine Angst, in der Hölle zu schmoren".

Der Spruch wurde zu einem der Slogans der FFRF, nachdem die Organisation amerikaweit mit einem TV-Werbespot auf sich aufmerksam gemacht hatte. In dem Spot hatte Ron Reagan, Sohn des republikanischen Ex-Präsidenten Ronald Reagan, für die FFRF geworben und dem erstaunten amerikanischen Fernsehpublikum kundgetan, dass er bekennender Atheist sei und keine Angst habe, in der Hölle zu schmoren. Ein Werbespot, dessen Ausstrahlung von vielen amerikanischen Fernsehsendern verweigert wurde.

"Die Tatsache, dass Sender Angst haben, einen Werbespot auszustrahlen, nur weil jemand unbeschwert darauf hinweist, dass er nicht an die Hölle glaubt, zeigt, dass wir dieser schädlichen Lehre etwas entgegensetzen müssen, die behauptet, dass man verdammt und ewiger Folter ausgesetzt wird, wenn man die Glaubenslehre von jemand anderem nicht teilt", erklärte Annie Laurie Gaylor, Mit-Gründerin und Co-Präsidentin der FFRF zur neuen Kampagne.

Nachdem Reagans Höllen-Spruch bereits T-Shirt- und Sticker-Designer inspiriert hat, freut sich die Freedom From Religion Foundation nun auf eine rege Beteiligung an ihrer Kampagne. "Die FFRF lädt Sie ein, ebenso wie Reagan Ihre Unabhängigkeit von der Religion (und ihren leeren Drohungen) zu erklären", heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation. "Es ist eine unglaubliche Chance für Sie, als stolzer Nicht-Gläubiger im Rampenlicht zu stehen."

Kommentare (5)

Kay Krause (nicht überprüft)

Mo. 30 Okt 2017 - 14:27

Ich z.B. glaube an Rotkäppchen. Da ich diesen Glauben für den einzig wahren und vertretbaren Glauben weltweit halte, muß ich mir noch eine schmerzhafte Strafe für alle die Menschen ausdenken, die partout meinen Glauben nicht mit mir teilen wollen!

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mo. 30 Okt 2017 - 14:41

Wie geil!

Manfred Schleyer (nicht überprüft)

Mi. 1 Nov 2017 - 06:45

Endlich ein Versuch, auf die unmenschlichen Lehren jenes Jesus Christus hinzuweisen. Denn die werden heute von christlichen Hirten verschwiegen und von Schafen vergessen. Und die Bibel mit ihren vielen unmenschlichen Lehren wird zur Grundlage unserer Gesellschaft umgedeutet! Auch gestern im Fernsehen wieder beim Reformations-, nein dem Separations-Jubiläum.

Dennis Riehle (nicht überprüft)

Mi. 1 Nov 2017 - 11:55

Die Frage, ob man mehr oder weniger glaubt, wenn man es mit der Hölle nicht ganz so ernst nimmt, ist zwar durchaus berechtigt. Und doch unterscheiden sich die Auffassungen über das Höllenfeuer ja bereits zwischen evangelisch(-lutherischer) und römisch-katholischer Kirche ganz erheblich. Es mag ein Stück weit dem Zeitgeist geschuldet sein, dass man sich mittlerweile auf die Floskel "hinabgestiegen in das Reich des Todes" verständigt hat - und damit die Qualen, die Folter und die Strafe des Fegfeuers weitgehend ausblendet. Glaube verändert sich aber tatsächlich durch Interpretation. Und ohne Exegese könnte auch ein Christentum kaum überleben. Deshalb erscheint es zulässig, dass man unter der Hölle heute weniger dramatische Szenen versteht als noch zu Zeiten Luthers, der sich selbst nicht sicher war ob der "ewigen Verdammnis". Wer daran festhält, dass manche Menschen auch nach dem Tod ihre Spuren hinterlassen, andere wiederum in die völlige Vergessenheit geraten, hängt auch einem - aus meiner Sicht durchaus annehmbaren - Glauben an Weiterleben und ständigem Tode an. Daher eignet sich das Thema für mich nicht gerade ideal, um die "Gläubigen" von den "Nicht-Gläubigen" zu unterscheiden.

Douglas O (nicht überprüft)

Mi. 1 Nov 2017 - 12:26

Like the Easter bunny, Santa Claus and the tooth fairy, Sky God and the prospect of heaven and hell are meant to control us. There are and will always be people with good in their hearts, just as there will always be those who have bad intentions. It's just human nature.
It has been said that religion was invented to keep the poor from murdering the rich. That sounds more apropos.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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