Spiel zur gewaltfreien Kommunikation mit Verschwörungsgläubigen veröffentlicht

Im November berichtete der hpd über die Crowdfunding-Kampagne zur Entwicklung eines Online-Spiels für einen konstruktiveren Umgang mit Verschwörungsanhängern. Nun wurde "Talk To Me" veröffentlicht.

"Hat sich deine Freundin oder dein Verwandter von Covid-Verschwörungen und Fehlinformationen verleiten lassen? Verschwörungsmythen können uns alle beeinflussen. Während die einen versuchen, 'die Welt wachzurütteln', tun sich die anderen damit schwer, den richtigen Weg zu finden, um mit ihnen zu reden." So steht es auf der Startseite der deutschen Version von "Talk To Me", einem Spiel, das helfen soll, mit Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben, ins Gespräch zu kommen. Verwirklicht werden konnte das Projekt unter anderem mit Hilfe von Crowdfunding sowie dem "Media Lab Bayern", das von der Bayerischen Staatsregierung unterstützt wird, und der Bürgerplattform #WirVsVirus, die unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung steht.

Entwickelt hat das Spiel die Berliner User Experience-Designerin Viktoria Schrank mit wissenschaftlicher Unterstützung des Mainzer Psychologen und Experten für Verschwörungsmentalität Prof. Roland Imhoff, Anni Sternisko, die als Doktorandin an der New York University zu Verschwörungsglauben, sozialer Identität und moralischem Urteilsvermögen forscht sowie Muhsin Yesilada, der sich als PhD an der University of Bristol unter anderem mit dem Phänomen Desinformation beschäftigt. Laut Website basiert das Online-Game auf psychologischen und kommunikativen Konzepten sowie Forschungsergebnissen, deren Quellen dort aufgeführt sind.

Bei "Talk To Me" handelt es sich um eine Art Rollenspiel, in dem der Spielende ein Gespräch mit einem virtuellen Freund, Verwandten oder Bekannten führt. Der oder die Spieler:in kann je zwei verschiedene Antwortoptionen in Reaktion auf bestimmte Aussagen auswählen; dies bestimmt den weiteren Gesprächsverlauf und das Spiel gibt einem Feedback, wie die gegebenen Antworten auf das Gegenüber wirken und ob sie in diesem Zusammenhang sinnvoll sind oder nicht. Darauf aufbauend erhält man Tipps zur besseren Kommunikation.

"Beim Spielen von Talk To Me sieht der/die User*in, welche Kommunikationstechniken das Gegenüber dazu bringen können, die eigene Position zu überdenken, aber auch welche Techniken nach hinten losgehen", heißt es in der Pressemittelung zur Veröffentlichung des Spiels.

"Mit jemandem zu sprechen, der an Verschwörungstheorien glaubt, kann frustrierend sein. Allerdings können genau solche Gespräche dabei helfen, dass Personen, die an Verschwörungstheorien glauben, nicht noch tiefer in die Sache hineingeraten." Wer alle Kommunikationsszenarios durchgespielt hat, sei bereit, in den Dialog mit echten Menschen zu treten, die an Verschwörungsmythen und Corona-Fehlinformationen glauben. "Durch die schwierige Situation mit Covid-19 scheint die Gesellschaft sich immer weiter zu polarisieren. Deshalb glauben wir daran, dass es wichtig ist, sich gegenseitig zuzuhören und miteinander auf eine gewaltfreie Art und Weise zu kommunizieren."

Das Spiel ist in einer deutschen und in einer englischen Version gratis hier verfügbar.

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Kommentare (1)

Markus Schiele (nicht überprüft)

Mo. 18 Jan 2021 - 16:59

Vielen Dank, sehr guter Ansatz. Gewaltfreie Kommunikation scheint heute nötiger denn je. Und das gilt definitiv in beiden Richtungen; soll heißen: für beide Seiten. Ich möchte unbedingt zu bedenken geben, dass Leute, die vom herrschenden Narrativ abweichen, nicht per se als "Verschwörungsgläubige" (oder ähnliches) zu bezeichnen sind. Es gilt immer, die Fakten und Argumente beider Seiten gewissenhaft zu prüfen. Wer von vorne herein glaubt, im Recht zu sein, macht man den denselben Fehler wie die hier so bezeichneten Veschwörungsgläugigen".

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

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