Studie der Hochschule Furtwangen

Weihwasser – ein Paradies für Keime

Weihwasserbecken
Weihwasser - ein Paradies für Keime

Obwohl Weihwasserbecken in katholischen Kirchen zur üblichen Ausstattung gehören, wurden sie von der Wissenschaft bislang wenig beachtet. Ein Team aus Studierenden und Forschern des Studiengangs "Molekulare und Technische Medizin" der Hochschule Furtwangen hat sich nun dieses Themas angenommen und 54 Weihwasserproben aus fünf Kirchen in Villingen-Schwenningen und umliegenden Ortschaften verglichen.

Laut Pressestelle der Hochschule Furtwangen handelt es sich um die erste in Deutschland durchgeführte Studie zum Thema mikrobielle Verunreinigung von Weihwasser. Die Studie, die jüngst auch in der Zeitschrift Journal of Water and Health erschienen ist trägt den Titel "Quantification and identification of aerobic bacteria in holy water samples from a German environment" und wurde von Christoph König, Stephanie Tauchnitz, Heike Kunzelmann, Christian Horn, Frithjof Blessing, Matthias Kohl und Markus Egert verfasst.

Drei Stadtkirchen und zwei Dorfkirchen sind mehrmals beprobt worden. Durchschnittlich wurden rund 6.000 Keime pro Milliliter gemessen. Das Weihwasser aus Stadtkirchen war mit zwischen 1.500 und 21.000 Keimen pro Milliliter signifikant stärker belastet als das aus Dorfkirchen mit nur rund 100 Keimen pro Milliliter. "Wir vermuten, dass dieser große Unterschied auf die höheren Besucherzahlen in den Stadtkirchen zurückzuführen ist", so Studienleiter Prof. Dr. Markus Egert. "Die Keimzahl zeigte eine Korrelation mit den Gemeindegrößen."

In Deutschland gibt es knapp 24 Millionen Katholiken, von denen gut 10%, also immerhin 2,5 Millionen regelmäßig Gottesdienste besuchen. Das Thema Weihwasser ist etwas tabuisiert. "Gerade in Anbetracht einer immer älter werdenden Gottesdienstbesucherschaft wollten wir dieses Thema trotzdem untersuchen", so Egert. "Die örtlichen Kirchenvertreter standen unserer Untersuchung sehr aufgeschlossen gegenüber."

Neben Wasserbakterien wurden vor allem Bakterien der humanen Hautflora gefunden, insbesondere Staphylokokken. 50% der identifizierten Isolate waren potentiell pathogen. Staphylokokken sind bekannte Erreger von Haut- und Weichteilinfektionen, etwa von Abszessen. Insgesamt 20 verschiedene Arten von Bakterien konnten sicher nachgewiesen werden.

Eine gute Nachricht: Die Keimzahlen in den Proben aus dem Raum Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) waren um bis zu 1000-fach geringer als die Werte aus einer österreichischen Studie (Kirschner et al., 2012) welche Kirchen in Wien verglichen hatte. Auch wenn das Wasser in Weihwasserbecken keine Trinkwasserqualität mehr hat, so besteht jedoch keine Gefahr bei äußerlicher Anwendung auf unverletzter Haut.

(Pressestelle Hochschule Furtwangen)

Kommentare (8)

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Di. 5 Sep 2017 - 10:11

Ich habe ja die Vorstellung, dass Weihwasser einen ganz anderen, sehr biologistischen, Gruppeneffekt bewirken soll:

Der zentrale Austausch von Krankheitskeimen durch das Weihwasserbecken ist eine Möglichkeit der Selektion (Ausmerzen) von Außenseitern, die mit der reichhaltigen Lebenswelt der gemeinschaftlichen Mikroben nicht verträglich sind.

Nachdem bekannt ist, wie die Mikroben in unserer Verdauung unser Verhalten steuern können, wäre es auch denkbar, dass Bakterien auf uns dies ebenfalls tun. So könnte es sein, dass der Begriff »Sozialklima« noch weitere, bisher unbekannte Ebenen umfasst.

So wird die »Gemeindekultur« stabil gehalten.

http://lachsdressur.de/weihwasser/#comment-3235

Wolfgang (nicht überprüft)

Di. 5 Sep 2017 - 12:00

Weihwasser, ein Paradies für Keime. Wissen Sie, was sie damit gesagt haben?
Die Kirchen brauchen Frischwasser! Zum Waschen, für Gesicht, Hände, Augen und Ohren
und bei den Füßen, könnt man es begrüßen! Gilt aber nicht für Reinwaschen, Dreck bleibt Dreck.

annen nerede (nicht überprüft)

Di. 5 Sep 2017 - 13:29

Geweihtes Wasser (abakadabra) ist nicht automatisch keimfrei? Welch eine Enttäuschung.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 5 Sep 2017 - 15:31

"Villingen-Schwenningen", soso. Da kann ich ja von Glück sagen, dass ich nicht nur dort das Weihwasser meide wie ...

Roland Weber (nicht überprüft)

Mi. 6 Sep 2017 - 11:25

Hat nicht schon ein Jesus einen Pharisäer in den Senkel gestellt, als dieser darauf hinwies, dass sich die Jünger nicht einmal die Hände vor dem Essen gewaschen hätten? Warum taufte Johannes wohl vorsorglich im Jordan (fließt zumindest)?
Wie sieht es heute im Taufbecken aus? Werden auch Säuglinge schon bei der Taufe infiziert? Vielleicht hat Jesus auch unrecht, in dem er meint, dass nichts Unreines in den Menschen hineinkommen könnte, sondern nur heraus? Fragen über Fragen!

Rene Goeckel (nicht überprüft)

Mi. 6 Sep 2017 - 12:05

Um die Wasserqualität war es sich schlechter bestellt, als ich noch in kleiner Junge war...

Kay Krause (nicht überprüft)

Mi. 6 Sep 2017 - 12:20

Ich gebe zu, ich bin persönlich nicht vertraut mit der Verwendung des Weihwassers. meine aber, dass die Katholen damit die Stirn befeuchten.
Die Gefahr einer Infektion besteht wohl erst dann, wenn der sich selbst Beweihende anschließend mit dem zwecks Weiwasserübertragung benutzten Finger in der Nase bohrt.
Größere Gefahr besteht möglicherweise, wenn der Pfaffe nach der Predigt durch die Reihen der Gläubigen geht und diese mit Hilfe einer Klobürste beweiht. Dabei könnte die Infektion allerdings auch von der Klobürste ausgehen.

Wolfgang (nicht überprüft)

Do. 7 Sep 2017 - 19:15

Antwort auf von Kay Krause (nicht überprüft)

Wenn Pfaffen in der Nase bohren, bezeichnet man das als "bor-nierte Gesellschaft.
Gemeinschaft der Gläubigen, gemein schafft!

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