Kommentar
Ein erster Erfolg in Sachen "Kükenschreddern"
Foto: © Joe Valbuena - USDA (gemeinfrei)
STEISSLINGEN. (hpd) In Deutschland werden jedes Jahr zig Millionen männliche Eintagsküken direkt nach dem Schlüpfen vergast und geschreddert. Der Grund dafür ist, dass sie keine Eier legen können, aber auch nicht als Masthähnchen zu gebrauchen sind. Solche "Abfallprodukte" müssen folglich entsorgt werden.
Noch kein einziger Papst hat sich zu solchen und ähnlichen Vorgängen der alltäglichen Tierfolter geäußert, von einer "Tier-Enzyklika" ganz zu schweigen. Vermutlich ist es den Päpsten bis hin zu Franziskus egal, wie Menschen sich zu Lebewesen verhalten, die nach offizieller Lesart Gottes Geschöpfe sind. Haben wir wirklich keine Tränen für das Leid der Tiere?
Doch, wir haben sie. Im März letzten Jahres habe ich auf hpd einen Beitrag zum "Kükenschreddern" veröffentlicht. Mit sehr großer Resonanz an Kommentaren und Empfehlungen.
Ich habe gefragt: Soll es noch immer erlaubt sein, sich von dem Mitgefühl für die betroffenen Tiere zu distanzieren und durchgängige Apathien einzuüben? Zu den einschlägigen Mechanismen gehören ein Prozess, der Tieren ihre Individualität nimmt, sowie die parallel verlaufende Abstraktion von Tieren zu Gruppen. Und männliche Eintagsküken bilden nun einmal eine solche Gruppe.
Individualität? Ist diese nicht von einer Kirche bestritten worden, die Tieren ausdrücklich eine Seele abgesprochen hat? Blieb die “Seele” nicht für die so genannte Krone der Schöpfung, also für den Menschen reserviert?
Würden Menschen behandelt, wie sie Tiere behandeln, sähen sie vielleicht ein, was sie gedankenlos, rücksichtslos, gefühllos an diesen tun. Solange "tierisch" ein abwertendes Adjektiv ist und "menschlich" keines, wissen wir, was zu tun ist. Tiere haben das Recht, ihre spezifische Identität zu verwirklichen, ihr Leben zu leben, ganz sie selbst zu sein. Dieses Recht wird ihnen nicht von den Menschen gewährt. Nur versagt.
Bestimmte Küken dürfen also vergast und geschreddert werden? Nun ist wegen dieses Vorgehens erstmals Anklage erhoben worden. Wie Spiegel-online berichtet, will die Staatsanwaltschaft Münster eine Brüterei im münsterländischen Senden zur Verantwortung ziehen. Die Klage vor dem Landgericht Münster soll wegen der grundsätzlichen Bedeutung im Zweifel "bis zum Bundesgerichtshof" durchgefochten werden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Die Tierschutzorganisation Peta wertete die Anklageerhebung als großen Erfolg ihrer Proteste und sprach von einem "historischen Durchbruch in der tierschutzrechtlichen Debatte über die industrielle Tierproduktion". Ich meine, dieser Wertung können wir uns anschließen. Vielleicht gelingt es, einen alltäglichen Skandal ein für allemal aus der Welt zu schaffen.
Kommentare (6)
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Ich weiß gar nicht warum sich
Ich weiß gar nicht warum sich Menschen da aufregen. Es steht doch in der Dicken Schwarte: "Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, was auf Erden kriecht!"
Na, also. Herzlichen Mahlzeit und Narrhallamarsch.
Ich freue mich, dass dieses
Ich freue mich, dass dieses erschreckende Thema der Öffentlichkeit aufgedrängt wird. Ob eine Anzeige schon als Erfolg zu werten ist, ist aber eine andere Frage.
Da es auf dieser Seite offenbar nicht ohne Kirchenbashing geht, hier ein Link zum Thema "Kirche und Tiere": http://christen-fuer-tiere.de/10-tierfreundliche-zitate-aus-der-enzyklika-von-papst-franziskus
"Tierfreundliche Zitate von
"Tierfreundliche Zitate von Papst Franziskus". Seit Jahrzehnten kümmere ich mich um das Thema, erst jetzt hängt sich die offizielle Kirche an den fahrenden Zug an, im Schlafwagen. Keine Schrittmacherrolle, keine Pionierleistung. Und der Papst bietet in seiner Enzyklika eine Ansammlung von Plagiaten. Was er schreibt, ist bereits überall nachzulesen gewesen. Und zum Kirchenbashing: Ich bin, als ehemaliger Priester, exkommuniziert, nur weil ich geheiratet habe. Hätte ich Millionen von Küken vergast und geschreddert, wäre ich bis heute nicht exkommuniziert. Das ist die tatsächliche Realität dieser Kirche.
Sehr geehrter Mitbruder
Sehr geehrter Mitbruder (falls Sie diese Anrede noch wollen, ansonsten Sehr geehrter Herr Herrmann)!
Ich muss Ihnen leider in den meisten Punkten recht geben. Diese Enzyklika wäre schon vor Jahrzehnten wichtig gewesen. Man darf sich trotzdem freuen, dass Tierschutzanliegen nun auch endlich durch die Amtskirche in Rom Unterstützung erfahren.
"Was er schreibt, ist bereits überall nachzulesen gewesen." - Das mag stimmen. Aber gerade die wichtigen Botschaften müssen ständig wiederholt werden.
Sind Sie wirklich formell exkommuniziert? Oder "nur" wegen des Zusammenlebens ohne kirchliche Trauung von der Kommunion ausgeschlossen? Ersteres fände ich sehr falsch (wenn es ausschließlich wegen der Heirat wäre), es entspräche auch nicht dem aktuellen Kirchenrecht (can. 1394). Ich bin froh, dass in der Erzdiözese Wien mit Priestern, die heiraten, wesentlich verständnisvoller umgegangen wird - wohl wissend, dass das auch hier nicht immer so war.
Da ich schon 1981 geheiratet
Da ich schon 1981 geheiratet habe, war ich ipso facto exkommuniziert. Ob das mittlerweile geänderte Kirchenrecht etwas Wesentliches geändert hat, kann ich nicht sagen, obwohl ich ja einmal Ordinarius für Kirchenrecht an der Uni Münster war. Es interessiert mich auch nicht. Ich habe mir jedenfalls über die damalige Exkommunikation keine Sorgen gemacht, sondern bin aus der Kirche ausgetreten. Zum Ganzen verweise ich, lieber Herr Schönecker, auch auf mein neues Buch "Befreit Gott von den Gläubigen!", einen Abschied vom Christentum schlechthin - und das als "Liebeserklärung" an Gott selbst.
Etwas an dieser gespielten
Etwas an dieser gespielten Empathie für Ein-Tages-Küken passt nicht. Unsereins kauft Christen ihre Empathie für ungeborenes Leben nicht ab die diese prompt dazu bringt auf "Abtreibungsärzte" zu schießen und Menschen auch noch bitterernst Vorschriften machen zu wollen. Und ich würde mich ungern gegen diese Form von verblendetem Fanatismus wehren wollen um dann gegenüber manchen Veganern und bestimmten Tierschützern einzuknicken. Dazumal jeder Veganer und Tierschützer der jemals auch nur ein Schnitzel gegessen hat sich ohnehin des Mordes und der Mittäterschaft an der Massentierhaltung schuldig gemacht hat. Sich von diesen Leuten schulmeistern und moralisch belehren lassen?!